Camel Up – Test
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Camel Up – Test

Spiel des Jahrs 2014 – „Das Kamelrennen“, „Kamele stapeln“, „Wir haben auf Kamele gewettet“ – All das sind Aussagen mit denen meine Familie Camel Up beschreibt und jede Aussage wird voller Freude und Spaß in der Stimme getroffen. Doch was macht Camel Up zum Spiel des Jahres 2014?

Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar von Pegasus Spiele. Vielen Dank dafür!

Rezension zum anhören

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Einleitung

Camel Up ist ein Familienspiel für 2-8 Spieler vom Pegasus Verlag. Es erhielt 2014 den Preis Spiel des Jahres. Dadurch sank auch der Preis auf 15-20€. Es wird viel gewürfelt, geschätzt, gelacht und gewettet.


Das Thema hinter Camel Up

Kamele und Wüsten
Kamele und Wüsten

In Camel Up stellen die Spieler reiche Menschen im Orient dar und was gehört als reicher dazu? Wetten! Und auf was lässt sich im Orient wetten? Richtig! Auf Kamele! Wir versuchen also mit unseren Wetten richtig zu liegen um unseren Reichtum noch zu vergrößern. Dabei wetten wir aber nicht nur auf den Sieger des ganzen Rennens, wir können auch auf den Etappen-Sieger und auf den Verlierer des Rennens wetten! Doch irgendwas ist an diesen Kamelen besonders, irgendetwas, das unsere Pferde in Europa nicht können! Ach du Schande! Die Kamele stapeln sich! Da hüpft wild ein Kamel auf das andere und lässt sich von dem untersten tragen. Diesem – wir wollen es milde seltsamen – Verhalten, wurde in den Rennregeln natürlich Rechnung getragen. Das Kamel das oben drauf sitzt – offensichtlich das schlauere – gilt als weiter vorne als jedes Kamel unter ihm. Als hätten die Kamele in einem Zirkus trainiert können sich bis zu fünf Kamele stapeln – wahnsinnig spaßig anzusehen und extrem spannend, denn die Stapel-Reihenfolge kann sich jederzeit ändern. Die Kamele hüpfen wild von ihren Artgenossen und sprinten davon, oder bleiben in einem Wüstenabschnitt stehen und werden wieder eingeholt. Natürlich kann auch eine gut gelegene Oase den Kamelen wieder eine ganze Menge Energie geben und sie sprinten erneut davon – alles zur Freude oder Missgunst der Menschen am Rand des Geschehens – uns.


Das Spielmaterial von Camel Up

Camel Up, das Spielmaterial der 8 Spieler.
Camel Up, das Spielmaterial der 8 Spieler.

Camel Up hat wirklich wunderbares Spielmaterial zu bieten. Für einen Preis von aktuell 15-20€ (dank dem Spiel des Jahres Titel) liegt das Spielmaterial hier gefühlt weit über dem Preis. Der Karton für die Wüsten- und Oasenplättchen sowie die Wett- und WÜrfelplättchen ist richtig schön dick und fühlt sich sehr gut an. Die bunten großen Würfel sowie die Kamele sind aus Holz und super verarbeitet. Die Wettkarten sowie das Spielbrett sind von standardmäßiger sehr guter Qualität, genau wie man es von Pegasus gewohnt ist.

Doch das ganz besondere an Camel Up ist die Würfelpyramide. Deren Zweck ist, dass immer nur ein Würfel aus allen 5 gewürfelt wird (man denke an die Lotto-Ziehung – 6 aus vielen [ich weiß die genaue Zahl nicht].) In der Pyramide, die erst zusammengebaut werden muss, was sich als unproblematisch und einfach darstellte, befinden sich also alle 5 Würfel. Ist man mit Würfeln an der Reihe, nimmt man die Pyramide, schüttelt sie, stellt sie auf den Kopf auf das Spielbrett – Pyramide und Spielbrett müssen sich berühren – und drückt den Schieber ein bis man hört wie ein Würfel durchfällt. Danach lässt man den Schieber wieder zugehen und voilá, man hat einen Würfel aus 5 gewürfelt. Klingt kompliziert, ist aber tierisch einfach.

Der Spielplan von Camel Up
Der Spielplan von Camel Up

Lasst die Kamelrennen beginnen

Wie Camel Up gespielt wird ist schnell erklärt und das ist für ein Familienspiel auch wichtig. Jeder Spieler bekommt eine Farbe – diese Farbe hat nichts mit dem Kamel zu tun. die Kamele gehören nicht zu einem Spieler, dies ist wirklich wichtig und wird gerade am Anfang oft verwechselt. Zu jedem Spieler gehören noch Wettkarten – eine für jedes Kamel. Diese können eingesetzt werden um zu Wetten ob das Kamel erster oder letzter des gesamten Rennens wird. Des Weiteren hat ein Spieler ein Oasen/Wüstenplättchen, und 3 Ägyptische Pfund. Reihum kann jeder Spieler eine der folgenden Aktionen auswählen:

  • Würfelplättchen nehmen, 1 Ägyptisches Pfund erhalten und Würfeln
  • Oasen- bzw. Wüstenplättchen auf ein Feld legen
  • Ein Etappensieger Plättchen eines Kamels nehmen
  • Auf ein Kamel wetten (Erster Platz oder letzter des gesamten Rennens)
Eine normale Spielsituation bei Camel Up.
Eine normale Spielsituation.

Nach dem durchführen einer dieser Aktionen ist der nächste dran. Das Spiel wird in Etappen gespielt. Eine Etappe endet, wenn sich jedes Kamel bewegt hat, also fünf Mal gewürfelt wurde. Dann wird geschaut welches Kamel an erster Stelle ist – wir erinnern uns, ein Kamel das auf einem anderen sitzt, gilt als weiter vorn – und die Spieler erhalten entsprechend ihrer Etappenwetten Geld. Jeder Spieler der auf das aktuell erstplatzierte gesetzt hat erhält 5 bis 2 Ägyptische Pfund, je nachdem welches Etappenplättchen er hat. Denn von jeder Farbe gibt es nur 3 Etappenplättchen (15 Stück insgesamt). Je früher man sich eines nimmt, desto mehr Wert ist es. Der Spieler der sich als erstes für beispielsweise Gründ entscheidet, hat die Chance auf 5 Ägyptische Pfund. Der zweite Spieler der Grün wählt auf 3 und der letzte immerhin auf 2. Wird das Kamel wider erwarten nur zweiter statt erster, erhält man 1 Ägyptisches Pfund. Wird das Kamel aber 3. bis 5. verliert man ein Pfund – das war eine wirklich miese Wette!

Genauso sieht es bei der Wette auf den Endsieger bzw. Verlierer aus. Je früher man sich entscheidet und verdeckt seine Wettkarte ablegt, desto mehr Geld kann man gewinnen. 8 Ägyptische Pfund für den ersten, 5 für den zweiten usw. Hier gewinnt man aber wirklich nur, wenn man richtig liegt. Hat man sich verschätzt, so verliert man Geld.

Der Kern-Mechanismus ist das Würfeln und Wetten. Jeder Würfel hat eine Farbe, die anzeigt, welches Kamel bewegt wird. Es gibt also zu jedem Kamel genau einen Würfel. Dadurch kann man abschätzen welche Kamele sich noch bewegen werden und welche Position sie erreichen können. Auf jedem Würfel (sechsseitig) ist zweimal eine 1, zweimal eine 2 und zweimal eine 3. Eine Chance von 33,33% für jede Zahl. Warum ich das erwähne? Man kann Camel Up aus dem Bauch heraus spielen und es macht tierisch Spaß, man kann aber auch mit Wahrscheinlichkeiten spielen. Das tolle ist: Es macht trotzdem Spaß! Ich habe nun einige Runden hinter mir – zuletzt 4 am Stück und habe verschiedene Taktiken durchprobiert. Vom reinen Bauchgefühl (das sich natürlich nie ganz vom Kopf entkoppeln lässt) bis zum wirklichen „ausrechnen“ der Chancen. Tja was soll ich sagen, gewonnen habe ich trotzdem nur einmal und da habe ich einen Misch-Masch aus beiden gespielt.

Richtig Chaos in die Sache bringen zwei weitere Komponenten, die Oasen- und Wüstenplättchen und das Stapeln. Beginnen wir mit den Oasen- und Wüstenplättchen. Ein Spieler kann einmal pro Spiel sein Plättchen auf das Spielfeld legen. Dabei muss er entscheiden, ob auf die Oasen- oder die Wüstenseite. Betritt ein Kamel durch Würfelwurf solch ein Plättchen, erhält der Besitzer des Plättchens 1 Ägyptisches Pfund. Danach wird das Kamel ein Feld vor – und auf alle auf diesem Feld stehenden Kamele drauf – gesetzt, oder bei Wüste ein Feld zurück und unter alle auf diesem Feld stehenden Kamele. Das kann für ganz schönes Chaos sorgen!

Gestapelte Kamele bei Camel Up
Gestapelte Kamele

Das Stapeln der Kamele ist neben der Würfelpyramide der wirkliche Kracher in Camel Up. Betritt ein Kamel ein Feld, auf dem bereits ein Kamel steht, setzt es sich oben drauf und gilt nun als weiter vorne. Bewegt sich ein Kamel auf dem bereits Kamele sitzen, bewegen sich alle obendrauf mit und gelten natürlich immer noch als weiter vorn. Wenn sich mal 4 von 5 Kamelen gestapelt haben wird es wirklich interessant. Welches bewegt sich zuerst und nimmt die anderen mit – wie und ob werden Sie sich auf dem neuen Feld stapeln? Das macht Camel Up sehr schwer zu berechnen und sorgt für eine Menge Chaos.


Fazit zu Camel Up

Die Mechanismen bei Camel Up sind sehr einfach und das Spiel sehr schnell ohne wirkliche Downtime. Doch was bedeutet das? Das Spiel ist sehr einfach, ja eigentlich schon simpel. Woher kommt also der Spaß? Der Spaß kommt meiner Meinung nach, von der tollen Umsetzung und dem Chaos. Das Spiel steht und fällt mit den Emotionen der Menschen die es spielen. Wir spielten Camel Up schon einmal als wir recht müde waren, da war nichtmehr viel mit Emotionen und das Spiel machte nicht sonderlich viel Spaß. Das ist aber nicht die Schuld des Spiels. Denn es weiß zu begeistern. Ich konnte mir vorher wirklich nicht vorstellen, dass Camel Up einem Vielspieler wie mir Spaß macht, doch ich  mag es, es ist super, es brachte meine Mutter, meinen Onkel, meine Partnerin und mich an einen Tisch für mehrere Stunden. Nicht falsch verstehen, wir sitzen oft an einem Tisch, doch war dass das erste Mal seit ich älter als 10 bin, dass wir dabei spielten und besonders meine Mutter und mein Onkel erzählen seit Tagen jedem dass sie „Kamele rennen“ gespielt haben.

Des Weiteren finde ich es für ein Familienspiel super, dass man es mit bis zu 8 Personen spielen kann. Je mehr Personen es sind, je weniger hat man natürlich die Chance zu würfeln, trotzdem funktioniert Camel Up in jeder Spielerzahl. Zu zweit würde ich es allerdings nicht unbedingt spielen.

Von mir also eine klare Kaufempfehlung, wenn man ein Familienspiel für Jung und Alt sucht.

Damit erreicht Camel Up bei uns eine 9,6 (das zum Testzeitpunkt bestbewertete Spiel bei uns). Trotzdem steht es natürlich nicht in Konkurrenz zu unseren Vielspieler-Spielen, es zeigt aber, dass Camel Up ein herausragendes Familienspiel ist und den Preis Spiel des Jahres wirklich verdient hat.

Der Spielspaß ist mit den richtigen Personen eine eindeutige 10/10. Die Qualität des Materials und das Preis/Leistungsverhältnis (nach dem Spiel des Jahres Preis) ebenfalls. Das simple Regelwerk auf deutsch und englisch sollte jeder ohne Probleme verstehen können und ist schön bebildert und mit Beispielen erläutert. Die einzige „Abwertung“ gibt es bei dem Einfluss auf das Spiel. Manchmal kann es recht wahllos sein, sei es die einzig sinnvolle und offensichtliche Entscheidung ein Etappenplättchen zu nehmen oder das totale Chaos der Würfel. Das macht Spaß, aber man hat doch nicht immer die Wahl aus mehreren Optionen. Daher „nur“ 8 von 10 Punkten. Die Kategorie Einfluss steht aber intern bei uns auf dem Prüfstand und hier wird besonders deutlich, dass sie schwer anzuwenden ist.

Übrigens: Ich liebe die Grafik, die Kamele auf dem Cover sind einfach genial und lustig. Ich würde das Cover jederzeit auch als Bild an die Wand hängen.


Bewertung von Camel Up

Herausragendes Spiel

 


Video-Rezension zu Camel Up


Weitere Empfehlung:

Wer in einem Video sehen möchte, wie viel Spaß Camel Up machen kann, schaut sich am besten den Brettspielclub Folge 2 von Hunter & Cron an:

About The Author

Hallo, ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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