26 März, 2017

  • Boardgamegeek
Rezension: Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel (Guns&Steel)
Photo Credit To Pegasus Spiele

Rezension: Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel (Guns&Steel)

Ein weiteres Im Wandel der Zeiten Kartenspiel? Ist im Wandel der Zeiten nicht schon ein Kartenspiel mit ein paar Brettern zum verwalten? Darüber wird man sich vortrefflich streiten können und dass die Marke „Im Wandel der Zeiten“ bei Pegasus Spiele liegt und dort auch benutzt wird, könnte einer der Gründe sein, wieso die Neuauflage eben jenes Klassikers beim Heidelberger Spieleverlag nun „Through the Ages“, nachdem es kurz „Im Wandel der Zeitalter“ (Essen 2015 Ausgabe) hieß. Aber darum soll es nicht gehen. Hier geht es um ein kleineres Spiel, zumindest vom Format her. Damit jeder genau weiß um was es hier geht: Im englischen heißt das Spiel Guns & Steel und die Stand-alone Erweiterung Guns & Steel. Renaissance. Diese bekommen wir nun beide bei Pegasus Spiele für günstige 9,95€ als Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel. Wow, denn beim englischen „Original“ zahlt man gute 30 bis 40$ pro Spiel. Na wenn sich da das warten und die Lokalisierung nicht mal gelohnt haben.

Worum geht es?

Wir bauen eine Zivilisation auf. Dazu haben wir ein paar Startkarten. Jede Karte hat vorne einen Effekt und Kosten und hinten drauf eine Ressource. Vor uns liegt eine Technologiepyramide, aus welcher wir Technologien kaufen können. Liegen noch Karten unter einer Karte, so verteuern diese die Karte. Man forscht quasi über den aktuellen Stand der Technik hinaus. Die Pyramide ist in Ressourcen, welche gewisse Zeitalter der Menschheit repräsentieren aufgeteilt. Die Reihenfolge der Ressourcen ist Nahrung, Eisen, Lastentier, Schwarzpulver, Öl, Erde und Weltall. Gut Erde und Weltall klingen als Ressource komisch, aber das Ausbeuten der Erde und das erkunden des Weltraums sind eindeutige Epochen der Menschheit. Die Technologien sind an die jeweiligen Effekte thematisch verknüpft, so dass hier durchaus Zivilisationsfeeling aufkommt. Dazu gibt es noch Weltwunder, welche „Siegpunkte“ darstellen. Das Grundspiel und die Renaissance Erweiterung sind zwei unterschiedliche Kartensets, welche sich durchaus in der Mechanik unterscheiden. Während das Grundspiel aggressiv ist und das abnehmen von Wundern durch Militär gestattet, gehts im Zeitalter der Aufklärung gesitteter zu und wir wollen Siegpunkte erreichen, Wunder können hier nicht abgenommen werden. Perfekt für Fans von indirekterer Interaktion.

Technologiepyramide
Technologiepyramide

Im eigenen Spielzug spielt man eine Karte als Ressource und eine für ihren Effekt aus, dann darf man Technologien für vor sich liegende Ressourcen (also Karten auf der Rückseite) kaufen. Kauft man eine Karte, dreht man benutzte Ressourcen auf die vorderseite, sie sind nun, so lange sie vor einem liegen nutzlos. Beim Kaufen darf man tauschen: 2 Nahrung in 1 Eisen, 2 Eisen in 1 Lastentier usw. bis hin zu 1 Weltall = 2 Erde und 1 Erde = Joker. Das kann ganz schön in die hintersten Hirnwendungen gehen!

Der Kern des Spiels besteht also daraus, Effekte möglichst sinnvoll zu nutzen, zu schauen welche Karten der Gegner kauft (MILITÄR!) und die eigenen Ressourcen möglichst effektiv nutzen. Das artet manchmal in Knobelei aus und könnte einigen Eurogame Fans gefallen.

Illustrationen

Kein Franz, kein Vohwinkel, kein Menzel, kein Resch (nein nicht ich, sondern mein Namensvetter Andreas Resch – ich wünschte ich könnte so malen!), gibt es sowas noch in Deutschland? Ja! Und Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel traut sich etwas, von dem ich prophezeie, dass es zwar mutig, aber nicht klug war: Es behält die Illustrationen des Originals. Klar, sowas ist immer ein Kostenfaktor, und ich mag die Illustrationen des Originals sehr, aber es sind japanisch angehauchte Manga Illustrationen. Sowas kommt in Deutschland nicht gut an, ist nicht Massenkompatibel genug. Gibt dem Spiel aber einen charmanten Look! Der Mut an dieser Stelle wird von mir definitiv honoriert, denn Pegasus Spiele geht damit die Gefahr ein, dass ein Spiel aufgrund der Optik floppt.

Die wunderschönen Weltwunder
Die wunderschönen Weltwunder

Ach wo wir bei der Optik sind. Ich hätte es fast verdrängt. In einer Rezension geht es um Meinung und ich hab eine ganz dicke Meinung zum Cover des Spiels: Pottenhässlich! Sorry dass ich das so sage, aber die Farbgebung und dann die Art wie da einfach 4 Wunder in ein Rechteck geklatscht wurden. Ein tolles Cover sieht anders aus.

Taugt es was?

Guns & Steel taugt was und ist ein tolles kompetitives Kartenspiel, dass zu zweit wie zu 4. gut funktioniert. Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel hat leider mehrere Macken, nicht spielerischer Natur, sondern redaktioneller Natur und das bin ich von Pegasus Spiele absolut nicht gewohnt.

  1. In der Anleitung ist ein wichtiger Teil des Spiels sehr versteckt und auf den Übersichtskarten fehlt es komplett: 1 Ressource „Weltall“ zählt als 2 Ressourcen „Erde“, welche wiederum einen Joker darstellt. Es steht ziemlich am Anfang der Anleitung in einem kleinen Satz versteckt. Bei der entsprechenden Übersicht in der Anleitung sowie auf der Übersichtskarte ist die Ressource Weltall plötzlich einfach verschwunden. Auf Seite 5 steht die entscheidende Regel für Erde und Weltall: Erde gilt als Joker für beliebige Ressourcen und 1 Weltall gilt als 2 Erde. Auf Seite 12 ist in einem anderen Kontext die Rede davon, dass ein Weltall zwei Erde gibt, auf Seite 14 haben wir es wieder „Muss 1 besiegter Mitspieler 2 Ressourcen erschöpfen, darf er dafür 1 Weltall in seiner Auslage erschöpfen, das als 2 Erde zählt.“ Dann Seite 16. Dort ist die Kaufphase erläutert. Hier sehen wir die Tauschkurse der Ressourcen. An dieser Stelle würde ich definitiv erwarten es zu erfahren – auch um es später leicht nachschauen zu können.
  2. Auf die Übersichtskarte zu den Tauschkursen hätte das ganze auch gehört.
  3. Die Kartentexte und das Layout. Da wurde geschlampt, aber nicht zu wenig. Die Texte sind unterschiedlich gesetzt, manchmal eindeutig zu lang für die Karte. So sieht man bei der Karte Nationalismus (C51), dass der Text in das Kostenfeld rechts hineinragt. Sowas geht halt überhaupt nicht und hätte auffallen müssen beim Proof. Der nächste Patzer im Layout fällt nur bei genauem Hinsehen auf. Die Ressourcenfelder links oben auf der Karte sind unterschiedlich Groß. Hält man die Karten aufgefächert genau Kante an Kante nebeneinander sieht man, dass manche Felder mehr nach unten ragen als andere – obwohl die Symbole immer gleich groß sein sollten. Auch hier wurde also im Layout leicht geschlampt.
  4. Die Bezeichnung „Spielablauf“ für die Übersichtskarte. Ein Spielablauf, bezeichnet für mich die Struktur einer ganzen Partie. Darin ist definiert wie beginnt das Spiel und wann endet es. Die Übersichtskarten, welche Pegasus Spiele „Spielablauf“ getauft hat, sind eigentlich „Zugablauf“ oder „Zugübersicht“-Karten. Sie beschreiben wie ein einzelner Zug abläuft und enden folgerichtig mit „Ende des Zuges“. Auch das hätte doch auffallen müssen und ist nicht das, was ich an Standard von Pegasus Spiele kenne.
  5. Das Spiel ist mit dem Themenset Zeitalter der Vernunft nach 15 Siegpunkten vorbei. Warum wurde das nicht auf der Zählkarte für Siegpunkte markiert? Das wäre ein leichtes gewesen und würde es einfach noch Mal besser machen.
  6. Dann noch ein Mal meckern auf hohem Niveau – quasi wo wir gerade dabei sind. Wir haben zwei verschiedene Themensets im Spiel. Eines von beiden ist mit einem kleinen Symbol markiert. Na wer findet das Symbol? Da kann man in jeder Runde ein lustiges Suchspiel draus machen. „Ich sehe was, was du nicht siehst und das sagt mir, zu welchem Set die Karte gehört.“

Abgesehen von den redaktionellen Mängeln haben wir mit Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel ein interessantes, zivilisatorisches Wettrennen mit kniffligen Entscheidungen und mehr Interaktion als man erst vermuten würde vor uns liegen. Mir macht das Spielprinzip Spaß. Ich finde es spannend und interessant. Besonders toll finde ich, dass Pegasus gleich die Erweiterung integriert hat. So kommen auch Spieler, die nicht gerne direkt aggressiv spielen mit dem Spiel auf ihre Kosten.

Anbei natürlich noch ein paar Bilder der „Mängel“

Was die Bewertung angeht, so bewerten wir das Gesamtprodukt und da kann ich die redaktionellen Mängel nicht ignorieren. Das Spiel an sich würde von mir 4 Würfel – gut – bekommen. Das vorliegende Produkt erhält aber nur 3 Würfel, bis die Fehler ausgebügelt sind.

Bewertung

Mittelmässiges Spiel

Im Wandel der Zeiten: Das Kartenspiel
Jesse Li
2-4 Spieler
45-60 Minuten
10+ Jahren

About The Author

Hallo, ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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3 Comments

  1. Sebastian

    Eine Anmerkung zu deinen Kritikpunkten bezüglich der redaktionellen Arbeit:

    Die ersten beiden Kritikpunkte sind genau genommen eigentlich einer. Da wurde offensichtlich geschlampt!
    Die Kritikpunkte 3, 4 und 5 dürften für die meisten Spieler irrelevant sein.
    Und zu Punkt 6… Zwei Kartensets: Bedeutet das, dass man beim Spielen der enthaltenen Erweiterung ein komplett anderes Set Karten verwendet als im Grundspiel? Es gibt also keine Karten, die man in beiden Varianten nutzen bzw. mit einem der Kartensets mischt? Wenn es also eine richtige Stand-Alone-Variante ist, dass fällt das leicht zu übersehende Themenset-Symbol noch weniger ins Gewicht.
    Alles in allem würde ich dir zustimmen, dass es da redaktionelle Versäumnisse gegeben hat. Ich halte den Punktabzug in der Gesamtwertung dafür aber nicht für gerechtfertigt.

    Erwähnen und kritisieren: Ja, auf jeden Fall! Das Spiel deswegen anstatt mit „gut“ nur als „mittelmäßig“ bewerten halte ich allerdings für zu hart.

    Aber das ist meine Meinung, und ich habe die Pegasus-Version noch nicht gespielt! 🙂

    Reply
    1. Alexander

      Zu den Themensets: Nicht ganz. Man kann sie mischen, man kann sie aber auch getrennt voneinander spielen. Bei mir sind die Karten mittlerweile so oft durcheinander gekommen, dass ich mir da etwas eindeutigeres wünschen würde, aber deswegen hab ich das ja als meckern auf hohem Niveau bezeichnet.

      Die Punkte 3,4 und 5 sind vielleicht nicht für das Spielen an sich relevant, gehören aber zu einem guten Endprodukt und das ist mir wichtig und ich weiß, dass das auch der Anspruch der Pegasus Spiele Redaktion ist.

      Die Bezeichnung „mittelmäßiges Spiel“ ist an dieser Stelle dann vielleicht auch irreführend und sollte überdacht werden. Mir geht es nicht nur um das Spiel an sich, also das rein spielerische – wobei das durch meine genannten auf jeden Fall besser wird. Fragen wie „Wann endet das Spiel?“ Kommen dann während dem Spiel nicht mehr auf, sondern man würde durch die Karte dran erinnert werden. Schlampige Arbeit beim Layout ist einfach etwas, das optisch stört und eben nicht in ein Endprodukt gehört.

      Der Punkt mit Spielablauf: Okay, das kann man auch noch als Kleinlich bezeichnen, ändert aber nichts daran, dass diese Bezeichnung nicht passt und eine bessere hätte gewählt werden können.

      Und wir müssens Mal spielen! 😀

      Reply
    2. Alexander

      Und das schönste an der Sache ist: Jeder kann selbst entscheiden, ob es einen stört oder nicht. Für 9,95€ macht man definitiv nichts falsch!

      Reply

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