18 November, 2017

  • Boardgamegeek

Rezension: Inis

Rezension: Inis
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Wer wird der Brenn aller Clans? Hauen, Stechen, Verhandeln und Ausbreiten sind dabei unsere Mittel um den Titel des Brenn – des obersten aller Clans zu erreichen. Das besondere an Inis fällt sofort ins Auge: Es ist das Artwork, welches von Jim Fitzpatrick gestaltet wurde. Jim kennt quasi jeder auf der Welt ohne es zu Wissen. Er ist der Künstler des berühmten Ché Guevarra Konterfeis, welches weltweite Berühmtheit erlangte. Doch reicht ein unkonventionelles Artwork zu einem guten Spiel?

Wie wird man Brenn?

Die Hauptmechaniken von Inis sind das Drafting der Aktionskarten und das bewegen eigener Figuren um mind. 1 von 3 Siegbedingungen zu erreichen. Das Drafting hat einen besonderen Aspekt: Die gedrafteten Karten dürfen zu jeder Zeit weitergegeben werden. Wichtig ist nur, dass die Anzahl die man weitergibt bei jedem weiter geben um 1 sinkt, so dass man erst 4, dann 3,2 und zuletzt eben nur noch eine Karte weiter gibt. Dadurch bestimmt die zuerst behaltene Karte nicht die Strategie für die ganze Draft-Runde, sondern man ist flexibel.

Jeder Spieler startet mit 2 Clans im schottisch angehauchten Inis. Die 6 ist die magische Zahl, denn sie zieht sich durch alle möglichen Siegbedingungen: Häuptling von 6 Clans anderer Spieler; In 6 verschiedenen Gebieten Clans haben und zu guter Letzt: In Gebieten mit mind. 6 Heiligtümern vertreten sein.

Während der Kontakt zu anderen Clans immer erst einmal feindlich ist, können sich die Spieler auf Frieden verständigen. Der Spieler mit den meisten Clans in einem Gebiet ist Häutpling des Gebiets. Nur durch das Schließen von Frieden kann man die Siegbedingung als Häuptling über andere Clans überhaupt erreichen. Insofern gehört Krieg und Frieden zum Spielkonzept. Diese Situation ist brüchig, Mal herrscht offener Konflikt, Mal Kalter Krieg. Inis macht es spannend.

Spannung ist ein wesentlicher Punkt bei jedem Spielbericht und besonders bei Inis ein heikles Thema. Einerseits erzeugt Inis schnelle Runde und tiefgreifende Entscheidungen vom Draft bis zum ausspielen. Doch dieser Punkt kippt gerne Mal in den letzten Zügen des Spiels, denn dadurch, dass man seinen Sieg ankündigen muss, passiert eine Situation, die andere Spieldesigns meist zu vermeiden versuchen.

Einer gegen Alle

Brenn zu werden ist die Kunst des richtigen Timings. Ist man der einzige Spieler der überhaupt Brenn werden kann und nimmt man sich das Anwärter-Plättchen haben wir sofort die Alle gegen Einen-Situation. In dieser werden einzelne Spieler auch gerne Mal zum Königsmacher. Sei es durch Ausweglosigkeit oder Unachtsamkeit. Brenn wird, wer die Situation lesen kann und zu seinem Nutzen entscheiden kann. Es ist eben meistens nicht der Spieler der offen vorprescht, sondern die, die sich im Windschatten verstecken und den führenden von hinten erdolchen, nur um sich dann selbst zum Brenn zu krönen.

Doch solche Intrigen werden nicht von jetzt auf gleich gesponnen. Sie dauern ihre Zeit. Oder anders ausgedrückt: Das Spiel kann sich am Ende ziehen wie Kaugummi, besonders wenn ein Spieler gerade nicht um den Sieg mitspielt. Denn es gibt kein „gut“ gespielt, es gibt Sieg oder Niederlage. Das binäre trifft hart. 0 oder 1, ein dazwischen gibt es nicht. Das ist der Vorteil von Spielen auf Siegpunkte, da gibt es etwas zwischen 0 und 1, nämlich das eigene Optimum. Inis demonstriert das oft sehr grausam. Allerdings zeigt Inis auch, wie kurz der Asbstand zwischen Sieg und Niederlage sein kann. Wer vor 2 Runden noch sicher verloren hat, spielt in der 3. Runde um den Sieg mit. Dieses „von hinten anpirschen“ funktioniert bei Inis erstaunlich gut und ist eine eigene Kunst.

Köpfchen statt rohe Gewalt

Inis ist ein Spiel das Köpfchen belohnt. Sei es beim Draften, bei der Planung, beim merken der Karten oder beim verhindern eines Sieges, respektive dem eigenen Sieg. Inis lässt sich sehr selten mit roher Gewalt gewinnen und das ist gut so und bildet die Clan-Situation auch gut ab. Die Clans wollen keinen Krieg, sie wollen einen Brenn (was auch immer das ist – googled Mal Brenn, das gibt’s gar nicht). Spielt man Inis das erste Mal, erwartet man oft etwas anderes. Blood Rage und Chaos in der alten Welt haben das Genre aktuell sehr geprägt und Erwartungen geschürt. Inis ist anders. Inis ist meiner Meinung nach kopflastiger, taktischer, strategischer.

Meine Erfahrungen

Mein Weg zum Brenn war selten erfolgreich, selten kurz, oft von Längen geprägt aber immer unterhaltsam. Inis spaltet. Es spaltet sogar extrem. Ein Teil meiner Gruppe möchte es gar nicht mehr spielen. Zu lang, zu kopflastig, zu wenig „Rumms“. Andere lieben dieses bedächtlich, den tollen Draft-Mechanismus und die Illustrationen. Und ich selbst? Ich bin hin und her gerissen und muss ehrlich sagen: Aufgrund der Unsicherheit, dem Polarisierenden würde ich selbst Inis selten in einer Runde vorschlagen. Ich würde eine Partie aber auch selten ablehnen. Inis ist originell, es ist anders, es ist sogar ein Stück weit innovativ. Und wenn wir ehrlich sind: Das Polarisieren beginnt schon bei dem Artwork der Schachtel und geht bei den Karten weiter. Brenn zu werden ist eben nicht für jeden geeignet. Sei es drumm, je weniger Konkurrenz, desto eher bin ich vielleicht auch Mal erfolgreich?

Apropos Konkurrenz: Inis spielt sich am besten zu viert, aber auch zu dritt gut und zu zweit sind die Partien nett um das Spiel und die Karten kennen zulernen. Den wahren Tiefgang und die wirklichen Längen gibt es aber eben nur im Spiel zu viert.

Bewertung

Gutes Spiel

Aufgrund der Königsmacher-Problematik und den Längen „leider“ nur ein gutes Spiel. Aber ein Blick lohnt sich alle Mal!

An die Redaktion

Liebe Pegasus-Redaktion,

ich selbst bin sicher nicht der Sorgfältigste, aber ich betreue auch keine Spiele. So etwas wie Weideland und Wiese, das muss einfach beim Proof-Reading und Lektorieren auffallen und es ärgert mich, dass in letzter Zeit gefühlt wieder mehr Spiele auffällige Fehler hatten. Nichts was das Spiel zerstört, aber auch nichts was nicht auffällt.

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Über den Autor

Hallo,
ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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