Rezension: Great Western Trail
Photo Credit To Pegasus Spiele

Rezension: Great Western Trail

Howdy Cowboys!

Hier, entlang der Great Western Trail, erlebt man noch das richtige Cowboy Leben. Rinder treiben und sich selbst versorgen und dabei so einiges besorgen. Das war ein Reim, das soll nicht sein, in Kansas City bin ich daheim.

Genug der schlechten Einleitungen. Ich bin wirklich nicht gut im reimen. Aber ich behaupte: Ich bin ein guter Cowboy und deswegen hört ihr hier die Geschichte von Lonely Al‘.

Es begann alles mit einer kleinen Herde Rinder. Ein paar Jerseys, Black Angus, Dutch Belt und Guernsey Rinder, eine recht bunte Mischung also, in Europa sicherlich viel Wert. Doch hier in den USA ist es der Standard, nichts mit dem man viel Geld verdienen könnte. Aber irgendwie muss man ja anfangen und so ziehe ich Richtung Kansas City. Dort geht es ab in Great Western Trail um in verschiedenen Städten meine Rinder zu verkaufen. Ich hab allerdings gehört, dass der Weg dahin noch im Aufbau ist. Steinig soll er sein, es gibt sogar einiges an Gefahren die man beachten muss und die den Weg verlängern könnten, aber ich denke ich komme mit Überflutungen und Indianern aus. Dürreperioden und Geröll bin ich sowieso schön gewöhnt, das kann mir nichts.

Und so beginnt meine Reise. Tagelang durch die Steppe. An der ersten Station habe ich die Chance eines meines Rinder für einen vernünftigen Preis zu verkaufen. Es lahmt sowieso etwas, soll es also ruhig geschlachtet werden, dann komm ich auch besser voran. In ungefähr 3 Tagesmärschen sollte ich es bis nach Kansas City schaffen. Hoffentlich hab ich dann auch noch genug wertvolle Rinder. Aus irgend einem Grund hat man den höchsten Erlös, wenn das eigene Angebot möglichst vielfältig ist. Meine Herde besteht aber fast nur aus Jerseys und Black Angus Rindern. Ich hoffe ich kann auf dem Weg ein paar gute Geschäfte machen.

Während ich so durch die Steppe reite und meine Rinder verkaufe, neue dazu bekomme und meine Herde möglichst vielfältig aufstelle, bekomme ich immer wieder die Gelegenheit zu investieren. Die Strecke zur Great Western Trail soll mein neues Zuhause werden, also investiere ich gerne. In den Aufbau neuer Stationen oder in eine Lok um schneller in die profitablen Städte zu kommen.

Alles ganz einfach. Wäre da nicht die Konkurrenz. „Beardy Seb“ und „Old Michael“ investieren ebenfalls fleißig in Stationen auf der Strecke. „Old Michael“ fängt sogar an Zölle einzuführen. Jetzt reicht es nicht, dass mich die Überflutungen und die Dürre Zeit und damit Geld kosten, nein jetzt will der alte Kerl auch noch Geld von mir. Dem könnte ich über Umwege aus dem Weg gehen, aber ich versuche meine Herde so schnell wie möglich nach Kansas City zu treiben. Die Strecke ist mittlerweile gut ausgebaut und mit meinen wertvollen Texas Longhorn Rindern lässt sich in Albuquerque gut Geld verdienen. Ich bin gespannt, wer am Ende der erfolgreichste Cowboy der Great Western Trail wird.

Und nun kurz für alle die noch keinen Schimmer vom Spiel haben: In Great Western Trail sind wir Cowboys und haben eine Viehherde, die wir möglichst divers und möglichst teuer verkaufen wollen. Dazu laufen wir über eine Strecke und führen Aktionen aus. Dabei können wir Arbeiter anheuern um Gebäude zu bauen (Handwerker), die Lok voranzutreiben (Ingenieure) oder weitere Cowboys um auf dem Viehmarkt bessere Deals zu machen. Im Laufe des Spiels schaltet man auf seinem eigenen Tableau Verbesserungen wie mehr Schritte frei.

Sieger ist, wer die meisten Siegpunkte erreicht.

Und wie finde ich es?

Fast perfekt! Nein das ist nicht übertrieben. Das meine ich ernst. Spielmechanisch funktioniert Great Western Trail super. Es lässt viele Möglichkeiten offen, die Züge gehen rasend schnell (keine Downtime) und es bietet durch die Strecke und die „Zölle“ genug Interaktion, so dass man wirklich beachten muss, was die Gegner so machen.

Durch die Benutzung eines Worker-Movement-Mechanismus und dem Deckbuilding-Mechanismus erzeugt Alexander Pfister eine ungewöhnliche Spieltiefe auf taktischem sowie auf strategischem Niveau, welches die nötige Prise Glück enthält um immer spannend zu sein. Sicherlich kann man sein Deck ausdünnen um das Glück zu reduzieren, aber das richtige Rind im richtigen Moment zu ziehen ist immer wieder ein Highlight. Alexander Pfister hat aber auch darauf geachtet, dass alle Wege zum Ziel führen können. Egal ob ich auf Gebäude, auf die Schienen, auf die Rinder oder auf eine Misch.Strategie setze. Alles ist spannend, alles kann gewinnen – zumindest nach meiner Erfahrung.

Ich lese öfter von „5 Stunden Great Western Trail gespielt“ und kann das absolut nicht nachvollziehen. Zu dritt sind wir immer(!) in unter 2 Stunden durchgewesen. Wie man das Spiel 5 Stunden lang spielen kann ist mir ein absolutes Rätsel. Bei uns reicht die Downtime noch nicht Mal um schnell Pipi zu machen.

Die redaktionelle Bearbeitung von eggertspiele ist Mal wieder super. Die Anleitung ist deutlich und toll strukturiert. Der Fehler mit dem Gebäude 8a ist nicht schlimm, wurde aber sofort angesprochen und behoben – Ersatz von Pegasus soll es auch geben: Löblich.

Ebenso interessant ist es zu sehen, wie sich Alexander Pfister als Autor entwickelt. Mombasa war ein Brett. Great Western Trail ist es auch, es spielt sich aber meiner Meinung nach deutlich leichter als Mombasa und ist leichter zu erklären. Das Thema ist angenehm frisch und nicht so Problem behaftet wie das von Mombasa. Great Western Trail ist somit für mich ein absolutes Eurogame Highlight, fernab vom bekannten Einheitsbrei. Hier wurde Pepp und Geschwindigkeit reingebracht und das tut extrem gut.

Aber und das ist wirklich nur ein klitzekleines aber: Zu zweit verliert das Spiel etwas an Reiz, dadurch dass die Interaktion auf dem Spielplan sinkt. Bauplätze sind weniger umkämpft, Zölle sind weniger. Das wird kompensiert durch weniger Bewegungsschritte und höhere Zölle, erreicht aber aufgrund der geringen Downtime auch bei mehr als zwei Spielern nicht das gleiche Spielgefühl. Zu 2. würde ich auf ein sehr gut abwerten, zu 3. und 4. ist es für mich ein hervorragendes Brettspiel.

Bewertung

Sehr gutes Spiel

 

About The Author

Hallo, ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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2 Comments

  1. Failtech

    Huch, das mit dem 8a plättchen ist mir noch gar nicht aufgefallen 🙂
    Treffendes fazut, würd ich so direkt unterschreiben.

    Reply
  2. Pingback: Angespielt: Railroad Revolution - Boardgamejunkies

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