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Rezension: Indian Summer

Ein herbstlicher Spaziergang

Indian Summer, der nordamerikanische trockene Herbst. Farbenpracht. Rot, orange, gelb und grün. Diese Stimmung gefangen in einem Brettspiel. Kann der Nachfolger von Cottage Garden überzeugen?

Puzzle dir deinen Waldweg

Indian Summer erzählt die Geschichte eines gemütlichen Spaziergangs durch den herbstlichen Wald. Wenn man genau hinschaut, kann man auf einem Waldspaziergang eine ganze Menge entdecken. Nüsse, Pilze, Beeren und Federn. Und praktischerweise locken Nüsse Eichhörnchen an. Doch leider liegt das alles zu Spielbeginn nur auf einem kargen Erdboden. Und was ist schon ein Spaziergang auf braunem Erdboden, auf dem allerlei Zeug rumliegt? Es ist also unser Job dafür zu sorgen, dass der Waldboden in den Farben des Indian Summer „erstrahlt“. Wie? Durch das puzzlen verschiedener Waldbodenteile und das nutzen von Spezialaktionen mittels Beeren, Nüssen, Pilzen und Federn.

Das Thema gibt nur die Gestaltung vor. Wirklich viel übrig bleibt davon nicht, wie wir gleich sehen werden.

Die mechanische Seite eines Waldbodens

Der Waldboden ist eingeteilt in 6 Bereiche. Ist ein Bereich voll gepuzzlet, bekommt man alle mit Löchern in den Waldbodenteilen freigelassenen Fundsachen. Die Puzzleteile sind 3, 4 und 5 Felder groß und haben natürlich unterschiedlichste Formen. Ist man am Zug, nimmt man eines seiner Puzzleteile und puzzlet es an. Wenn möglich nutzt man Zusatz- oder Spezialaktionen um möglichst schnell und mögichst effektiv ans Ziel zu kommen.

Gewinnen? Als erster seinen Waldboden fertig gepuzzlet haben. Verlieren? Später fertig werden.

Mechanischer Anspruch: Überblick behalten. Die richtigen Teile im richtigen Moment besorgen. Glücksanteil? Vorhanden, aber niedrig. Mit zwei Spielern ist weniger Glück im Spiel. Zu dritt und viert steigt der Glücksanteil die passenden Plättchen zu bekommen. Die Interaktion steigt bei mehr Spielern ebenfalls. Bei uns wurde diese oft destruktiv wahrgenommen, da man anderen Spielern etwas wegnimmt und dies sehr gezielt einsetzen kann. Die Spielzeit ist angenehm kurz.

Erlebe ich einen Indian Summer?

Alex Meinung

Glücksgefühle wie beim betrachten eines echten Indian Summers kommen bei der Brettspiel-Adaption leider nicht auf. Es geht konzentriert zu am Tisch. Jeder achtet darauf, die richtigen Puzzleteile zu bekommen, den anderen wegzuschnappen oder gezielt per Zusatzaktion wegzunehmen. Es ist ein Wettrennen. Wer Züge und Zusatzaktionen vergeudet verliert. Am Ende wird nicht mehr gepuzzlet, sondern der eigene Spielplan von einer Invasion Eichhörnchen überschwemmt, nur damit man fertig ist. Ästethen haben hier das nachsehen. Es geht eben nicht darum einen schönen Waldboden zu gestaltet, sondern ihn schnell zu gestaltet. Ein bisschen entspricht das dem heutigen Zeitgeist – Quantität statt Qualität. Nach ca. 45 Minuten zu zweit ist das gepuzzle vorbei. Durch die Interaktion im Spiel ist die Downtime erträglich, da man auf die Mitspieler achtet. Am Ende bleibt aber eben ein Puzzle übrig. Ein Rätsel, das schnellstmöglich gelöst werden will. Immerhin sieht dieses Rätsel gut aus.

Die Spielanleitung muss ich an dieser Stelle Mal wieder erwähnen. Ich bin froh, dass es von Edition Spielwiese ein Erklärvideo zu Indian Summer gibt. Dieses ist auch super gemacht. Nicht so die Anleitung. Diese lässt Lücken, wo keine sein dürfen. Sie lässt Platz für eigene Vorstellungen und Interpretationen, wo klare Anweisungen nötig sind. Der Aufbau des Spiels war für mich anfangs nicht zu bewältigen. Das klingt lachhaft und geht sicher nicht jedem so. Ohne das Video hätte ich das Spiel frustriert weggepackt. In kurz meine Gedankengänge beim Lesen der Anleitung:

Anleitung: E) Mischt die Laubplättchen. Jeder Spieler zieht 5 zufällige Laubplättchen (2 grüne Dreier, 2 gelbe Vierer, 1 roten Fünfer) […] Mein Gedanke: Mischen und zufällig ziehen, dann aber bestimmte ziehen? Was passiert mit denen, die nicht dazu passen? Was ist, wenn ich 3 grüne ziehen?

Anleitung: Lasst dabei an einer beliebigen Stelle 1 Handbreit Platz.
Mein Gedanke: Eine Handbreit? Meine Hand oder die meiner Mitspielerin? Warum eigentlich? Wieso eine so ungenaue Angabe? Für was soll ich da PLatz lassen? Ist es schlimm, wenn ich weniger Platz habe? Verdammt, der Tisch ist zu klein für eine Handbreit!

Anleitung: H) Legt die restlichen Laubplättchen gut erreichbar in 1 Ecke des Tisches.
Mein Gedanke: Warum ist da kein Beutel dabei. Ich zieh doch daraus immer zufällig. Das kann ich doch beim auffüllen total manipulieren. Da gehört ein Beutel dazu!

Sicher, die Gedanken eines Nerds ,der zu viel denkt während er liest. Manchmal ist einfach machen einfacher. Doch ich erhebe immer den Anspruch, dass eine Anleitung bei jedem funktionieren muss. Auch bei mir ;).

Ohne den Vergleich zu Cottage Garden zu ziehen, kann Indian Summer nicht besprochen werden. Das Auffälligste Merkmal von Indian Summer im Vergleich zu Cottage Garden ist die direkte Interaktion. Bei Indian Summer können wir direkten Einfluss auf den Gegner nehmen. Bei Cottage Garden ging das nur indirekt, nur mit zufällig und war meist nicht sehr lohnenswert. Indian Summer bietet also nicht nur mehr direkte Interaktion, es bietet überhaupt erst direkte Interaktion durch die Zusatzaktion des Wegnehmens. Dadurch macht mir Indian Summer schon Mal mehr Spaß als Cottage Garden, welches mir zu langweilig, interaktionsarm, verkopft und dröge ist. Allerdings gibt es bei Indian Summer mehr zu bedenken als bei Cottage Garden. Dadurch ist das Spiel noch anfälliger für Grübler. Der Puzzlemechanismus an sich ist sowieso prädestiniert für Grübler.

Was mich bei Indian Summer stört sind die Eichhörnchen. Am Ende pflastert man damit alles zu. Das war bei Cottage Garden mit den Salatglocken und Blumentöpfen wesentlich schöner gelöst. Sie waren gern gesehen, aber ein Zug in dem man nur eine Salatglocke oder einen Blumentopf legt, war meist eher suboptimal.

Alles in allem ist Indian Summer gemeiner, etwas anspruchsvoller und für mich optisch ansprechender. In jeder Hinsicht eine Verbesserung zu Cottage Garden.

Leider hat die Schachtel von Indian Summer nun eine Nummer und ist nicht mehr genau so groß wie die Edition Spielwiese Version von Cottage Garden. Was soll das? Ich sammel gerne Reihen, aber ich möchte das dass Gesamtbild passt.

Zusammenfassend

Spielspaß

Gutes Spiel!

Immer noch unthematisch am puzzlen. Doch Indian Summer gefällt mir persönlich besser als sein Vorgänger. Etwas Interaktion schadet dem gemächlichen puzzlen meiner Meinung nach nicht. Doch die Note "Gutes Spiel" hat sich Indian Summer nur knapp verdient, denn die Invasion ist der Eichhörnchen hat fast dafür gesorgt, dass es auf einer Stufe mit Cottage Garden steht.

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Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar von Pegasus Spiele.
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Alexander

Hallo, ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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