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Rezension: Komanauten

Als Komanaut in das Unterbewusstsein von Dr. Strobel eindringen um ihn vor seinen inneren Dämonen zu retten. Klingt mysteriös? Ist es auch. Komanauten ist alleine von der Geschichte her wieder etwas ganz besonderes und Erwachsenes. Denn das was in Dr. Strobels Unterbewusstsein vor geht ist alles andere als kindgerecht. Doch überzeugt das Spiel auch spielerisch? Ja, wenn es auch kleine Abstriche gibt – aber die Kreativität in diesem Werk ist es wert entdeckt zu werden!

Aller Anfang als Komanaut ist schwer

Bevor es richtig los geht, wird man als Komanaut in seinen Job eingewiesen – schließlich ist man ein ganz normaler Mensch von der Straße, kein speziell ausgebildeter Komanauten-Agent. Also müssen wir uns durch die Anleitung kämpfen. Quasi ein „How to be a Komanaut“ und das scheint gar nicht so einfach zu sein. Würfelfarben, Aktionen die man mit jedem Würfel machen kann, Aktionen für die man einen bestimmten Würfel und einen bestimmten Würfelwert braucht. Verdächtig und nicht verdächtig. Herrje. Das ist in Summe nicht viel, aber die Komanauten-Abteilung hätte das ruhig auch in einfacher Sprache für Normalsterbliche formulieren können. So war unser erster Einsatz von ständigem Blättern im (kurzen) Handbuch geprägt. Das macht die Feuertaufe natürlich nicht gerade einfacher.

Transparenzinfo
Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar von asmodee. Siehe hierzu unsere Transparenzinformationen.

Ab ins Unterbewusstsein

Sind wir erstmal in einen Avatar geschlüpft und in einem von vielen Sektionen von Dr. Strobels Unterbewusstsein angekommen wird es wirklich spannend. Stück für Stück erkunden wir sein inneres – seine Vergangenheit – seine traumatischen Erfahrungen. Als Kind in einer komplizierten Familie aufgewachsen, als Erwachsener die große Liebe verloren. Wir kennen das. Doch bei Dr. Strobel war das ganze nicht nur teilweise etwas dramatischer, sondern das negative wurde durch eine Strahlung noch verstärkt. Also auf geht’s Komanauten! Wir haben eine Mission! Den inneren Oberdämonen finden und eliminieren, der Dr. Strobel quält. Dazu suchen wir Hinweise in Strobels Unterbewusstsein. Hinweise, die uns Tipps geben, welcher innere Dämon Dr. Strobel quälen könnte. Wir wissen, dass es einer von fünf ist und wir kennen die fünf, die es sein können.

Jeder Text, jeder Hinweis – ein Stück Geschichte

Schneller als der Einstieg als Komanaut geht der Sog in die Geschichte von Dr. Strobel. Jedes Feld, jede Karte ist ein Stück Story, nichts wird ausgelassen. Innerhalb der Buchseiten werden kleine Geschichten aus Dr. Strobels leben erzählt und bei den Hinweisen die wir finden oder von Strobels innerem Kind erhalten, bleibt sogar viel Raum um zu diskutieren. Empfand Strobel in der Situation eher Reue oder Angst? Der Schluss den wir aus den Hinweisen ziehen, beeinflusst unsere weitere Entscheidung, welchen inneren Dämonen wir jagen.

Wie ein Rollenspiel?

Wer das Material von Komanauten spielt denkt zuerst an einen DungeonCrawler oder ein Rollenspiel und das ist auch gar nicht so falsch. Spielerisch machen wir vieles, was wir aus diesem Genre kennen und wir haben auch Ausrüstung von Waffen über Rüstungen bis hin zu zusätzlichen Gegenständen die uns während unseres Abenteuer nützen.

Es ist ein langer Weg…

… wenn man gegen alle inneren Dämonen kämpfen möchte. Pro Spielsitzung ist ein zufälliger innerer Dämon fällig. Spielen wir Komanauten als Kampagne, sortieren wir nun alle aus, die wir schon besiegt haben – so dass Partie für Partie weniger innere Dämonen als Oberbösewichte in Frage kommen. Das ist einerseits thematisch, andererseits schränkt es das Spiel auch erheblich ein. Wenn ich Angst und Reue ausschließen kann, weil diese schon besiegt sind, fällt es mir deutlich leichter, die Hinweise zu deuten um den richtigen zu finden. Das Auschlussverfahren ist einfacher, je mehr ich schon ausgeschlossen habe. Und so sehe ich Komanauten tatsächlich nicht als ernstzunehmendes Kampagnenspiel an. Doch auch in den einzelnen Szenarien (Sektionen des Unterbewusstseins) gibt es Tücken, was die Wiederspielbarkeit angeht.

Dazu muss man wissen, dass bei jeder Partie fünf zufällige Komazonen gezogen werden. Sind das nun Sektionen, die man als Spieler schon gespielt hat, wird es sehr repetetiv, denn Zufallselemente kennt das Spiel nicht. Die einzelnen Komazonen in Komanauten laufen immer gleich ab. An der gleichen Stelle, passieren immer die gleichen Dinge. Strobels Unterbewusstsein ist wie eine Videokassette, die immer wieder zurückgespult wird.

Wo bleibt also der Reiz, wenn ich alle Sektionen Mal gesehen habe? Nun, man könnte sagen, dann ist das Spiel durchgespielt. Oder der Reiz ist es, mit anderen Spielern auf die Jagd nach inneren Dämonen zu gehen und sich selbst etwas zurückzuhalten (wollen wir das? Ich will das nicht). Elf Komazonen haben wir insgesamt im Spiel, pro Partie sieht man ca. drei, maximal vier. lassen wir Wiederholungen unbeachtet hat man also ca. 4 Partien lang jedes Mal ein neues Erlebnis. Das ist mir persönlich an der Stelle zu wenig und auch der Grund, warum ich diese Rezension doch recht zugügig verfassen konnte. Verglichen mit dem Vorgänger – Der Herr der Träume – ist das nun aber auch nicht verwunderlich. Vier bis sieben Partien voller Spaß springen auf jeden Fall heraus!

Das Erlebnis ist es durchaus wert

Auf diesem Weg durch die vier bis sieben Partien erlebeb wir unterschiedliche Geschichten, teils tragisch, teils spannend und immer emotional. Wir reisen durch die unterschiedlichen Komazonen – von dem Haus seiner Kindheit, durch eine futuristische Stadt über eine Western Stadt bis hin zu einem Dungeons&Dragons Abenteuer (Die Hass-Spitze – geiler Name!). Jede dieser Komazonen ist es wert besucht und erlebt zu werden. Die Gestaltung ist ganz unterschiedlich, die Anforderungen an die Spieler sind unterschiedlich. Da steckt eine unfassbare Menge an Kreativität drinnen und diese Kreativität ist es wert gewürdigt zu werden. Sie zeigt, was in Brettspielen abseits vom Mittelalter möglich ist.

Eine ernsthafte Geschichte, funktionierende Mechaniken und ein etwas sperriges Regelwerk. Ja sicher gibt es Gründe zu sagen, man spielt dieses Spiel nicht – der größte wäre für mich, dass man weder das Setting (die negative Grundstimmung) oder die Mechanismen (Würfel aus einem Beutel ziehen und damit Aktionen abhandeln) mag. Dies ist übrigens eines der Spiele, wo ich froh bin, das wir nicht mehr mit Zahlen bewerten. Das was dieses Spiel macht, lässt sich nicht in Zahlen fassen. Es ist ein Erlebnis und dieses Erlebnis wird jeder anders erleben – die Frage ist nur: Lässt du dich darauf ein?

Geschrieben von
Hi ich bin Alex '91 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Rezension – auf dieses Spiel wäre ich nie gekommen, aber es klingt von der Idee her richtig toll!

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    • Gerne doch – danke für deinen Kommentar :)

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