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Rezension: Rise to Nobility

Noble Banalitäten

Höhlenborn, die Stadt, die gegründet wurde, um die Völker der Halblinge, Menschen, Elfen, Zwerge, Grünelfen und Trobite zu vereinigen und so für ein friedliches Zusammenleben dieser Völker zu sorgen, braucht dringend einen neuen Stadtschreiber. Kannst du Höhlenborn zu Wachstum und Wohlstand führen und so zum neuen Stadtschreiber aufsteigen?

Rise to Nobility

In „Rise to Nobility“ schlüpfen wir in die Rolle von Landbesitzern, die versuchen in die Adelsränge aufzusteigen, neue Siedler anzulocken und diese in wichtige Positionen der Stadt zu setzen, um am Ende zum Stadtschreiber der Stadt ernannt zu werden.

„Rise to Nobility“ ist ein klassisches dice placement Spiel. Dafür würfeln wir unsere Würfel und setzen sie in der Stadt ein, um bestimmte Aktionen auszulösen. Je nach Höhe des Würfelwertes, ist die Aktion dann stärker oder schwächer oder ermöglicht es erst, die Aktion überhaupt auszulösen.

Da jeder Würfel genau eine Aktion auslöst, ist es natürlich immer von Vorteil, mehr Würfel als die Mitspieler einsetzen zu können. Dabei gibt es hier einen sehr interessanten Mechanismus, der die Anzahl der Würfel bestimmt. Jeder Spieler wirft zu Beginn der Runde seine 5 Würfel und wählt dann eine beliebige Anzahl an Würfeln aus, die er in dieser Runde nutzen möchte. Dabei dürfen die Augenzahlen aber nicht den Wert übersteigen, den man auf der Ansehensleiste hat. Dieser liegt zu Beginn des Spiels bei 9 und kann im Laufe des Spiels erhöht oder verringert werden. So muss man hier schon die erste Entscheidung treffen, ob man die Würfel mit den niedrigsten Werten nimmt, um möglichst viele Aktionen machen zu können oder, ob man die höherwertigen Würfel wählt, um (vermeintlich) stärkere, aber weniger Aktionen auszuführen.

Kommen wir zu den Aktionen, die einem in der Stadt zur Verfügung stehen:

  1. Höhlenschenke: hier können neue Siedler ins eigene Dorf eingeladen werden. Um sie dann wirklich anzusiedeln, benötigt man im Dorf ein Haus und Waren, die die Siedler zum Leben benötigen. Besitzt man ein Haus und die notwendigen Waren, kann man die Siedlerkarte erfüllen und erhält, die dort angegebene Anzahl an Siedlern, die somit zu Arbeitern werden, Siegpunkte für die eingesetzten Waren (dabei kann man zwischen einem Mindest- und Höchstbetrag wählen, um mehr oder weniger SP zu erhalten) und ggf. Punkte auf der Adelsleiste.
  2. Bauplatz: Kauf eines Hauses für Geld
  3. Gilden: In Höhlenborn gibt es 6 Gilden. Alle Gilden haben die gleichen Würfeleinsetzfelder und somit die gleichen Aktionen. In jedem Feld kann die Ware, der jeweiligen Gilde, erworben werden. Außerdem können über 2 Felder Arbeiter in der Gilde platziert werden, die dann Einkommen/Geld generieren und einem eine zusätzliche Ware beim Einkauf einbringen.
  4. Gildenhalle: In der Gildenhalle können Werkstätten und Gemeindegebäude erworben werden. Während die Werkstätten in einer Gilde platziert werden und einen Bonus beim Kauf von Waren bringen, werden die Gemeindegbäude in der eigenen Siedlung platziert. Die Werkstätten ermöglichen dem Besitzer auch, aus einem Lehrling einen Gildenmeister zu machen. Dieser produziert in der Einkommensphase eine Ware der Gilde, aber kein Geld mehr. Außerdem erhält der Besitzer einen Bonus, wenn ein anderer Spieler in dieser Gilde Waren einkauft. Für das Bauen von Werkstätten und Gebäuden erhält man ebenfalls Siegpunkte und Punkte auf der Adelsleiste.
  5. Hafen: Im Hafen legt jede Runde ein Schiff an, welches den Bedarf an Waren in der Stadt symbolisiert. Dort können diese Waren verkauft und in Geld umgewandelt werden.
  6. Steinkonzil: Im Steinkonzil können Bedürfnisse der einzelnen Völker befriedigt werden. Dafür erhält man Siegpunkte, verliert aber bei den anderen Völkern Ansehen (weniger Würfel zu Rundenbeginn)
  7. Büro vom Stadtschreiber: hier kann man Modifikatorplätchen erhalten, mit denen man den Wert eines Würfels ändern kann.
  8. Das weiße Schloss: erhalt von Ansehen (größere Würfelauswahl zum Rundenbeginn)
  9. Die Kanzlei (optional): hier können Lehrlinge eingesetzt werden, die Geld generieren und einen dauerhaften Vorteil, wie z.B. mehr Ertrag beim Verkauf von Waren, einbringen.

Optional kann noch mit Ereigniskarten und Vergütungskarten gespielt werden. Die Ereigniskarten bringen jede Runde ein neues Ereignis, welches einen Effekt auf die Regeln und einzelne Aktionen hat. Die Vergütungskarten können am Ende des Spiels zusätzliche Siegpunkte einbringen. Diese müssen aber erst mit 3 Würfeln aktiviert werden.

Der Ablauf der einzelnen Runden sieht dann wie folgt aus:

  1. Würfeln und Auswahl der Würfel
  2. Ausführen von Aktionen reihum, bis alle gepasst haben
  3. Einkommensphase
  4. Vorbereitung der nächsten Runde

Nach 10 Runden endet das Spiel und der Spieler mit den meisten Punkten wird zum neuen Stadtschreiber ernannt und gewinnt das Spiel.

Fazit:

Thorstens Meinung

Rise to Nobility ist ein gut funktionierendes Spiel. Die Auswahl der Würfel zu Beginn der Runde finde ich großartig. Hier muss man schon planen, welche Aktionen man mit welchem Wert machen möchte, oder ob ich vielleicht auf das ein oder andere verzichte und dafür lieber eine Aktion mehr mache. Im späteren Teil des Spiels ist man aber eigentlich immer in der Lage, alle Würfel nehmen zu können.

Die anfängliche Fülle an Aktions- und Entscheidungsmöglichkeiten, überfordern einen anfangs auch ein wenig und man meint ein sehr komplexes Spiel vor sich zu haben, bei dem man viele Strategien hat, die zum Sieg führen. Im Endeffekt ist das Spiel aber sehr einfach und der Spielablauf immer der gleiche. Man holt sich Siedler, dann Waren und ein Haus, um die Siedler zu aktivieren und setzt diese ein, um Einkommen und Waren zu erhalten, mit denen man dann wieder Siedler holt…

Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob man auf den Bau von Werkstätten bzw. Gebäude setzt oder seine Schwerpunkte auf den Erhalt von vielen Waren oder etwas ganz anderes setzt. Denn die Belohnungen, die man aus den einzelnen Boni bekommt, sind zwar nett, aber nicht spielentscheidend. Auch das Erfüllen der Vergütungskarten, die einem eigentlich eine Strategie vorgeben, wird viel zu schwach belohnt, als das es sich lohnt, wirklich genau darauf zu spielen. Zumal dies auch oft schwierig ist, wenn man zum Beispiel Siegpunkte für Werkstätten, in bestimmten Gilden, bekommt, aber eigentlich gerade ganz andere Gilden benötigt. Dabei fällt mir ein, dass ich ganz vergessen habe zu erwähnen, dass jeder Spieler zu Beginn eine Charakterkarte erhält, die einem einen zusätzlichen Vorteil bringt. Aber auch der ist so gering, dass es sich nicht lohnt darauf gezielt zu spielen. Ich habe auch schon gewonnen, ohne den Vorteil ein einziges Mal eingesetzt zu haben.

Am Material des Spiels gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Wobei ich die Deluxe Version besitze und da ist das Material absolut top.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich Rise to Nobility wirklich mögen möchte. Die Optik und das Material sprechen mich voll an und auch einige Mechaniken finde ich wirklich klasse. Nach der Einführungspartie, wenn die Abläufe schneller werden, macht es auch Spaß (unsere erste Partie dauerte über 3 Stunden, danach waren wir bei ca. 2 Stunden). Aber alle Belohnungen und Vorteile, die man sich hart erarbeiten muss, fühlen sich so schwach an, dass es einem ziemlich egal erscheint, ob man darauf spielt oder nicht und das schwächt das Spielvergnügen bei mir unheimlich ab. Ich würde es in die Kategorie „ich werde es nicht vorschlagen, aber wenn es jemand vorschlägt, spiele ich (noch) gerne mit“ stecken und da es meinen Mitspielern besser gefallen hat als mir, werde ich wohl noch einige Partien spielen…

Zusammenfassend

Spielspaß

Mittelmäßiges Spiel

Tolles Material und auf den Ersteindruck interessantes Spiel mit toller Würfeleinsetz-Mechanik (dice placement). Allerdings zeigt sich, dass wenig Spieltiefe vorhanden ist. Schade =/

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Thorsten

Hallo, ich bin der Thorsten und bin Jahrgang '73. Am liebsten spiele ich Eurogames, aber auch Ameritrash findet man zu Hauf bei mir im Regal. In meiner Sammlung ist vom Familienspiel bis zu den Expertenkrachern, alles dabei. Alleine schon, weil das die Chance erhöht, passende Mitspieler zu finden. Denn was gibt´s Schöneres, als in geselliger Runde zu zocken?

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3 Kommentare

  1. Leider trägt das Layout der Seite nicht positiv zum Leseerlebnis bei.
    Der dunkelgraue, breite Balken wander beim Lesen mit nach unten und verkleinert damit den Lesebereich.
    Dazu kommt noch das liegende L (Text: Bewertung) direkt unter dem Balken.

    Ist das so beabsichtigt?

    1. Hallo ediFanoB,

      Der dunkelgraue breite Balken ist die Navigation. Dieser läuft am Bildrand oben mit, um dir die Benutzung der Seite zu erleichtern. Ehrlich gesagt, bist du der erste der das nicht positiv erwähnt. Genau das gleiche mit dem „L“ an der linken Seite. Darüber kommst du schnell zur Bewertung des Spiels. Ist, sofern es bei dir aussieht wie bei allen meiner Testsysteme, genau so beabsichtig.

      Liebe Grüße,
      Alex

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