Solorezensionen

Solorezension: Die Blutige Herberge + Schausteller Erweiterung

1831 – irgendwo in Frankreich

Kommse rein, kommse ran, hier werdense genauso beschissen wie nebenan. Die Zimmer sind sauber, die Betten bequem und mit ganz viel Glück verlassen Sie morgen nur um wenige Franc erleichtert das Haus. Mit etwas weniger Glück liegen Sie morgen eine Etage tiefer, neben Graf Bertrand und Gendarm Roux. Der Dorfsheriff hatte unserem werten Hause leider genau zum falschen Zeitpunkt seine Aufwartung gemacht. Gott möge seiner armen Seele gnädig sein!

Als Herbergsmutti bin ich ansonsten immer um das Wohl meiner Gäste bemüht – hauptsächlich natürlich um das Wohl ihres Geldbeutels. So manch ein Gast schwärmt heute noch von dem wohltuenden Schlaf in unserer Unterkunft und dem leckeren Wein in der Stube. Nicht dass da ein Zusammenhang bestünde …

Jeden Abend begrüße ich persönlich die Gäste und begleite sie in ihre Räumlichkeiten. Wertsachen können an der Rezeption abgegeben und im hauseigenen Tresor sicher verwahrt werden. Sehr sicher, darauf gebe ich mein Wort! Anschließend können sich die Reisenden in der Guten Stube bei Wein und Gesang am Kamin erholen oder ein Pläuschchen mit den anderen „Gästen“ halten.

Da wäre beispielsweise mein Cousin, seines Zeichens Schlosser und sehr gewandt mit Schlüsseln aller Art. Er arbeitet in der örtlichen Werkstatt und hilft aus, wenn Not am Mann ist. Mein Bruder Jean-Baptiste, Metzger von Beruf, ist ebenso in das Unternehmen eingebunden, wie mein Neffe Francois, der nebenbei Zeitung austrägt und sehr viel aufschnappt. Unentbehrlich für den betrieblichen Ablauf.

Die blutige Herberge Spielaufbau

Das Ganze läuft so:

Der kaufmännische Teil meiner Familie besorgt Informationen und Handlanger, die bei der Durchführung der „unternehmerischen Tätigkeiten“ helfen. Unter anderem hören sie sich um, wer beispielsweise von den polizeilichen Vertretern gegen ein kleines Entgelt die Augen zudrücken würde oder gar bereit ist, selbst Hand anzulegen.

Die Handwerker führen alle baulichen Maßnahmen aus, die den Geschäftsbetrieb garantieren: Gemüsegarten anlegen, Kiosk reparieren, dem Priester eine Kapelle errichten, Erde schaufeln …

Als Gegenleistung dafür kümmern sich die Geistlichen um die Entsorgung der „betriebsbedingten Ausfälle“. Außerdem natürlich um das Seelenheil unserer werten Gäste.

Der Landadel ist zwar an sich zu nichts nutze, hat aber Geld. Viel Geld! *Augenleuchten


Nachdem die Gäste auf die Zimmer verteilt wurden, darf der Spieler 2 Aktionen durchführen:

  • Gast bestechen und als Komplizen auf die Hand nehmen (blau)
  • Komplizen von der Hand als Anbau auslegen (rot)
  • Gast in den Zimmern umbringen und die Leiche in den Spielbereich legen (schwarz)
  • Leiche unter einem Anbau beerdigen (lila)
  • Passen/Geld wechseln

Die Aktionen müssen natürlich mit Komplizen (Handkarten) bezahlt werden: 0er Gäste kosten nichts, 1er Gäste eine Handkarte, 2er Gäste zwei Handkarten und 3er Gäste drei Handkarten. Der Trick dabei ist, dass grundsätzlich alle Karten für alles genutzt werden können, die jedoch, die der Farbe der jeweiligen Aktion entsprechen, wieder zurück auf die Hand genommen werden dürfen. Doch Vorsicht: am Ende der Runde wollen die verbliebenen Komplizen entlohnt werden. Und oh wehe, es liegt noch eine Leiche unbeerdigt rum, während ein Polizeivertreter im Hause ist!


Naja gar so schlimm wäre selbst das nicht, denn der örtliche Totengräber gehört natürlich auch zur Familie (Vetter 3. Grades mütterlicherseits) und schafft die Überbleibsel für 10 Franc beiseite. Die einzige Problematik besteht eigentlich darin, dass wir nicht zu gierig werden, denn mehr wie 40 Franc sollen wir laut Brigadier-Chef Deux (Oheim meines Gatten) aus Sicherheitsgründen nicht im Hause haben. Alles was darüber hinaus geht, muss erst bei der Wechselstube in Schecks getauscht werden. Das macht den Ablauf manchmal etwas schwierig, gerade wenn die Lei… äh Gäste im Minutentakt kommen und … gehen.

Es gibt Tage, da geht es eher beschaulicher zu, aber in der Hauptreisezeit … ah, mon Dieu! Da bekommt man kaum genug helfende Hände zusammen, um all die Gäste zu verwalten. Je nachdem, wer von der buckligen Verwandschaft auch gerade Zeit hat. Ja ich kann nicht klagen, die Geschäfte laufen gut …


Marie Martin, wenige Tage vor ihrer Verhaftung. Auf dem Grundstück der Familie wurden 53 Leichen gefunden. Das grausige Treiben hatte sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren zugetragen, bevor die Polizei dem Morden ein Ende setzen konnte. Mehr als 10 Mitglieder der Familie wurde festgenommen und fanden später den Tod durch die Guillotine.

Die blutige Herberge Komplizen
Komplizen

Fazit

[author title=“Ines‘ Solo Spieler Meinung“ image=“https://secure.gravatar.com/avatar/d1c01c262ce410670814c8b1b4e00fae?s=180&d=mm&r=g“]Ja so oder so ähnlich hat es sich damals zugetragen in der Blutigen Herberge, denn, so abstrus das auch klingen mag: das Spiel beruht auf einer wahren Begebenheit. Das heißt: genau genommen beruht das Spiel auf einem Film von 1951, der wiederum auf der wahren Begebenheit beruht. Das soll die Laune aber nicht trüben oder uns gar vom munteren Meucheln abhalten. Das Spiel ist herrlich schräg, der Grafikstil unverbraucht (wenn auch Geschmackssache) und mit der kurzen Spieldauer von 25 Minuten solo (langes Spiel) lädt es geradezu ein, mehrere Runden hintereinander zu spielen.

Mechanisch hat es einen hohen Wiederspielreiz, da zu Spielbeginn immer Karten aussortiert werden. Dann kommt es darauf an, wann welche Gäste in der Herberge einkehren. Man kann also nicht immer dieselbe Taktik fahren, sondern muss schauen, welche der Gäste aktuell am ehesten weiterhelfen. Die Regeln sind übrigens schnell gelernt und verinnerlicht.

Mir macht es unheimlich Spaß zu überlegen, wie ich die Karten denn nun nutze, da ich ja prinzipiell jede Karte für alles nutzen darf, aber nur 2 Aktionen habe. Und dann besteht natürlich auch immer etwas Spannung: kann ich den gut betuchten Gast noch umbringen? Beerdigen geht nicht mehr und wer weiß, ob in der nächsten Runde nicht ein Gendarm ins Haus kommt. Zumal meine Taschen schon voller Geld sind und ich eigentlich erst wechseln müsste …

Wiederspielreiz

Der einzige Nachteil sind die nur 70 enthaltenen Gäste. Wer – wie ich – solo mal eben 15 Partien in zwei Tagen spielt, wünscht sich da etwas Abwechslung auf Dauer. Ich hatte meine Hoffnung auf die neue Schausteller-Erweiterung gesetzt, obwohl die für 2-4 Spieler ausgewiesen ist, wurde aber leider enttäuscht. Zwar bezieht sich nur 1/5 der Karten direkt auf Mitspieler, ein großer Teil der Karten sind aber Bonuskarten, ein Teil Negativkarten. Also größtenteils nichts, wo man irgendwie neue Kombinationen und/oder Taktiken mit bauen könnte. Für Mehrspieler aber bestimmt eine willkommene Abwechslung. Finde ich sehr schade, denn so muss Die Blutige Herberge nach einigen Spielen für eine Pause in den Schrank, obwohl sie eigentlich verdient hätte, regelmäßiger gespielt zu werden. Spielt aber ja auch nicht jeder 15 Partien hintereinander.

Die blutige Herberge Schausteller
Schausteller- Erweiterung

Die Schausteller

Die Neuerungen in der Schausteller-Erweiterung sind:

  • Gäste mit zwei Werten: der obere Wert bezieht sich auf Bestechung und Mord, der untere Wert auf Beerdigung und Anbau. Beispielsweise könnte man einen Gast kostenlos töten, muss aber die Beerdigung bezahlen.
  • Dann haben die Schausteller natürlich spezielle Fähigkeiten, wie z.B. dass sie keinen Platz beim Beerdigen wegnehmen oder mit einem Wohnwagen (extra Zimmer) angereist kommen. Die Bärtige Dame  „Muss unter dem Anbau eines Mitspielers beerdigt werden“ bringt uns im Solospiel leider nicht weiter und muss aussortiert werden
  • Die Prominenz ersetzt den Adel des Grundspiels, besteht aber nur aus zwei verschiedenen KartenARTEN (8 Karten insgesamt), die solo überhaupt Sinn machen. Außerdem eher langweilig
  • Ereigniskarten bedeuten meistens Mali, wie beispielsweise „Verliere am Ende der Runde die Hälfte deines Geldes“ und werden immer dann gespielt, wenn ein Schausteller die Herberge besucht.
  • Tante Nannettes Tipps & Tricks sind Bonuskarten, die gedraftet werden sollen, was für uns leider auch nicht von Interesse ist. Man kann aber 4 zufällig ziehen, bezahlen und sie dann während des Spiels nutzen
Die blutiger Herberge Schausteller Ereigniskarten
Schausteller-Erweiterung: Ereigniskarten

Für Solospieler kann ich deshalb nur das Grundspiel wirklich empfehlen, wenn man Kartenspiele mit schrägem Charakter und ungewöhnlicher Optik mag und etwas Schnelles für Zwischendurch sucht. Die Schausteller-Erweiterung eignet sich eher für Spieler, die das Spiel mit mehreren Leuten spielen wollen. Insgesamt aber nichts, was man als Solospieler unbedingt bräuchte. Da wäre es für uns besser gewesen, wenn mehr Schausteller in der Schachtel gewesen wären, denn gerade das Kombinieren der Anbau-Fähigkeiten macht ja den Reiz der Blutigen Herberge aus.

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Ines B.

Howdy da draußen. Ich spiele fast alles. Am liebsten mit Miniaturen und/oder vielen Karten: Tabletop, LCGs, Partyspiele, Ameritrash ... Feldsalat mag ich grundsätzlich nicht, aber als Kolonist hat man mich auch schon gesehen. Thematisch bin ich meistens in Arkham unterwegs oder mache den Westen unsicher. Hin und wieder reise ich auch mal nach Gondor, wenn Gegner in Malifaux gerade aus sind.

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