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Rezension: Rising Sun

Im Land der aufgehenden Sonne gibt es auch viel Schatten

Das Bündnis zwischen dem Koi-Klan und dem Schildkröten-Klan ist noch recht frisch. Nach einer reichen Ernte sind beide gut aufgestellt für den Krieg gegen den Bonsai-Klan. Es geht um Tokyo. In dieser Jahreszeit eine wichtige Region. Der Entscheidende Kampf steht bevor. Die Kois haben mitbekommen, dass Bonsai versucht, die Schildkröten auf ihre Seite zu bekommen. Alles hängt von diesem einen Moment ab. Wie entscheiden sich die Schildkröten? Begehen sie Verrat, oder halten sie dem Koi-Klan die Treue? Oder kommt alles ganz anders?

Ein Spiel um Betrug, Bluff, und den richtigen Moment

Rising Sun ist ein „Dudes on the Map“-Spiel. Das bedeutet, ein zentraler Punkt des Spiels ist es, Einheiten (Miniaturen / „Dudes“) auf einer Karte (Map), hin und her zu schicken, zu kämpfen und so Gebiete einzunehmen. Das Spiel ist für 3-5 Spieler und kommt mit fünf verschiedenen Klans. Jeder Klan hat seine eigene Spielweise und Fähigkeit. Jeder Klan hat dabei aber die gleichen Einheiten und die gleichen Voraussetzungen, bis auf die Fähigkeiten und das jährliche Einkommen. Gespielt wird in 3 Runden. Jede Runde sind andere Gebiete wichtig. Jede Runde beginnt mit der Teezeremonie in der Bündnisse geschmiedet werden können. Danach werden sieben Aktionen gespielt. Wovon die Spieler reihum eine aus vieren wählen und abhandeln. Nach einer festgelegten Anzahl Aktionen (3,2 und 2) kommt es zur Mehrheitenwertung der Kami (Gottheiten, welche Boni geben). Nach 7 Aktionen kommt es zum Kampf. Jede Aktion hat 2 Effekte. Einen für alle und einen für den aktiven Spieler und seinen Bündnispartner. Bündnisse können nur durch die Aktion Verrat gebrochen werden.

Der Kampf

Sind zwei nicht verbündete Klans in einem Gebiet kommt es zum Kampf. Der Kampf funktioniert über vier Aktionen und einen Biet-Mechanismus. Jeder Spieler legt geheim fest, wie viel Geld er auf eine oder mehrere Aktionen bietet. Hat er mehr Geld als seine Gegner geboten, darf er die Aktion ausführen. Alle anderen gehen leer aus bei dieser Aktion. Die Aktionen erlauben unterschiedliche Taktiken. Seppoku ist der Selbstmord aller eigenen Einheiten, dafür gibt es Siegpunkt und Ehre (eine Art Iniative und Gleichstand-Brecher). Geiseln nehmen ändert das Endergebnis und sorgt in der nächsten Runde für Einkommen. Shinobi anheuern kann den Kampf komplett auf den Kopf stellen, da jeder Shinobimarker des Spielers +1 Stärke gibt. So kann ein einzelner Kämpfer zusammen mit 10 Shinobis eine gegnerische Übermacht locker schlagen. Die Aktionen werden in dieser Reihenfolge abgehandelt. Wurde auf eine Aktion nicht geboten, wird sie übersprungen. Nach dem Einsatz der Shinobis wird das Ergebnis ermittelt. Der unterlegene Spieler verliert alle seine Einheiten. Danach wird noch die Aktion Kaiserlicher Dichter abgehandelt, den man von den eigenen Heldentaten berichten lassen kann. Erobert man ein Gebiet, erhält man den entsprechenden Marker, welcher am Ende Siegpunkte einbringt. Dieser Biet-Mechanismus ist neben den Bündnissen und den Aktionen das zentrale und bestimmende Element von Rising Sun.

Links: Übersicht der politischen Mandate. Rechts: Kampf-Aktionen
Links: Übersicht der politischen Mandate. Rechts: Kampf-Aktionen

Das Spielmaterial

Hey! Es ist CMON. Muss ich da wirklich was zum Spielmaterial schreiben? Auch in der Retail Version von Asmodee ist das Material über jeden Zweifel erhaben. Miniaturen in geiler Qualität. Dicke Pappe. Rundum sorglos Paket.

Die Spielregel

Die Spielregel erklärt das Spielprinzip gut und schlüssig. Leider lässt sie in Detailfragen, besonders was Fähigkeiten und Kartentexte angeht Wünsche übrig. Wie ist das denn mit dem Schildkröten-Klan. Wird ein Kampf ausgelöst, wenn deren Festung in einem gegnerischen Gebiet stehen? Aus der Spielregel geht das nicht hervor. Ich hätte mir wirklich noch Mal eine Übersicht für die einzelnen Spieler gewünscht. Die Lokalisation ist gut gelungen.

Spieleranzahl

Ein Spiel, welches Bündnisse beinhaltet, klingt ja erst Mal problematisch bei ungeraden Spielerzahlen. Rising Sun löst dieses Problem durch die Aktion Verrat. So lange die beiden Bündnis-Spieler ihr Bündnis behalten wollen, ist diese Aktion optimal für den „einsamen Wolf“. Er ersetzt je eine Einheit jedes anderen Spielers, was sich als sehr mächtig erwiesen hat. Und da in Rising Sun alles während der Politikphase verhandelbar ist, müssen Bündnisse auch nicht dauerhaft bestand haben. Jede Runde wird so ein Bündnis sowieso neu verhandelt. Einzig die Bewegungen der Einheiten auf der Karte sind bei 3 Spielern nicht ganz so spannend. Dafür ist die Downtime in der Kampfphase geringer.

Mit vier Spielern und fünf Spielern gewinnt das Spiel deutlich hinzu. Es dauert aber eben auch länger und die Kampfphase kann auch Mal zur Pipi-Pause oder zum Kaffee machen genutzt werden.

Fazit

Alex' Meinung

Mein Fazit zu Rising Sun ist gespalten. In einer stark extravertierten Gruppe mit Spaß an der Meta-Ebene kann Rising Sun äußerst interessant werden. Der Mix an Mechanismen muss einem aber liegen. Ich persönlich kann z. B. eine Menge mit der Meta-Ebene anfangen, hasse Biet-Mechaniken aber wie die Pest. Ich bin da einfach grotten schlecht. Also stört mich die Kampfphase. Was mich ebenfalls stört, und das rein thematisch, sind die Monster. Nicht das sie nicht passen würden. Aber die meisten Monster sind dermaßen schwach, dass die riesen Miniaturen in keiner Relation zum Effekt stehen. Es wirkt als wären sie einfach nur für die Optik da.

Ebenso muss ich sagen, dass das Spiel deutlich weniger strategisch ist als ähnliche Vertreter dieses Genres. Ein Der Eiserne Thron oder CryHavoc haben da einfach andere Schwerpunkte. Während bei Cry Havoc der Bluff im Kampf stattfindet, hebt sich Der Eiserne Thron auf die Meta-Ebene bei den Bündnissen. So findet aber jeder seinen passenden Titel.

Zusammenfassend

Spielspaß

Gutes Spiel

Rising Sun ist irgendwie seltsam. Toll produziert, grandiose Minis, riesige Monster. Und dann ein Kampfsystem das auf Bluff basiert, in dem die Monster einen recht kleinen Einfluss haben. Das Spiel ist dadurch recht chaotisch. Toll ist, dass jeder Klan sich anders spielt und damit ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Nicht mein Fall, aber trotzdem ein gutes Spiel!

Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar von asmodee.
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Alexander

Hallo, ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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