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Solorezension: Legendary Encounters: An Alien Deckbuilding Game

ALIEN das Brettspiel!

Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld oder Wahnvorstellungen ethischer Art. -Ash

Wir schreiben das Jahr 2122. Der Raumfrachter „Nostromo“ ist gerade auf dem Rückweg zur Erde, als MU/TH/UR (Mother, der Zentralcomputer des Raumschiffs) weit ab vom Kurs ein Funksignal empfängt. Das Protokoll sieht in diesem Fall vor, dass dem Notruf nachgegangen wird. Deshalb weckt Mother die Besatzung aus ihrem Kälteschlaf und nimmt Kurs auf den Planetoiden LV 426. Dort findet die Crew das Wrack eines außerirdischen Raumschiffes vor. Ein Mitglied der Besatzung stößt beim weiteren Vordringen auf seltsam aussehende Eier. In der Zwischenzeit kommen dem dritten Offizier, Ellen Ripley, die an Board des Raumfrachters geblieben ist, Bedenken …

Ash, das Signal … Es scheint mir mehr eine Warnung als ein Notruf zu sein. Ich werde sie zurückholen!
Warnhinweis
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es für die Immersion des Spiels wichtig wäre, wenn du dir vorher alle 4 Teile der Alien-Saga anschauen würdest. Abgesehen davon, dass du damit eine große Wissenslücke auf dem Gebiet „Filmwissen“ schließt und endlich mitreden kannst, könntest du dann auch den nun folgenden Spoiler anklicken. Da Legendary Encounters Alien sich wirklich sehr eng an die Filmvorlage hält, bin ich leider gezwungen diese zu verwenden, um niemandem im Vorfeld den Spaß zu nehmen.
Achtung Spoiler: bitte nur anklicken, wenn du Teil 1 der Alien-Saga schon gesehen hast
Hätte man auf Ellen Ripley gehört, wäre die Geschichte an dieser Stelle zu Ende gewesen. Alle wären zurück ins Raumschiff, hätte sich wieder schlafen gelegt und nix wäre passiert. Aber nein, wer hört schon auf Frauen! Statt dem weisen Ratschlag des drittes Offiziers zu folgen, muss Kane seine Nase natürlich tiefer in die Eier stecken – was an sich schon eine Facepalm wert wäre, wenn man 3 Trillionen Kilometer abseits der Erde auf das Wrack von Außerirdischen und pulsierende Eier(!) stößt – und die trägt er dann auch fast den kompletten Rest seines traurigen (Film-)Lebens im Gesicht. Kaum ist er den Facehugger wieder los, bekommt er einen Hustenanfall, röchelt vor sich hin, krümmt sich unter Schmerzen dramatisch dem Ende zu und stirbt letztendlich den traurigen Statistentod, bevor der eigentliche Star des Films „Little Alien“ seinen großen Auftritt hat. Wat muss dat frustrierend sein, wenn man so eine Rolle spielt?

LEA Facepalm
Facepalm
LEA PLaymat
Playmat

Legendary Encounters Alien setzt genau da an: Im ersten Teil des Spiels befinden wir uns an Board der Nostromo und alles scheint ruhig – doch der Schein trügt. Die Decks von Ripley und drei ihrer Mitstreiter werden als Kartenstapel zusammengemischt und zunächst einmal in den Barracken untergebracht. Wir bekommen nämlich anfangs nur Statisten auf die Hand, mit denen wir wahlweise Schauspieler unsere Filmhelden rekrutieren (Sternsymbol) oder Aliengestrüpp angreifen bzw. Locations scannen können (Krallensymbol). Das erste Ziel ist auch noch recht einfach zu erfüllen, denn wir müssen uns lediglich etwas durch den Alien-Bienenstock wühlen. Dazu bekommen wir 6 Karten auf die Hand, die wir nacheinander ausspielen.

„Ich kann Ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht, aber Sie haben mein Mitgefühl.“

Wir rekrutieren also erstmal Unterstützung in den Barracken und scannen die verschiedenen Locations. Doch Obacht! Man sollte sich gut überlegen, ob man wirklich einen Blick in die Lüftungsschächte wirft. Nicht immer gefällt einem, was man da sieht, und wehe, du hast dann keine Munition mehr dabei. So ein Facehugger ist kein Spaß auf nüchternen Magen! Es macht übrigens durchaus einen Unterschied, ob man sich allein oder zu zweit auf Erkundungstour durch den riesigen Raumfrachter begibt. Deshalb würde ich dringend empfehlen, LEA immer mit 2 Kartenhänden zu spielen, wenn man solo unterwegs ist. Niemand hat behauptet, dass es einfach werden würde!

Location Nostromo LEA
Objective

Dummerweise hat man nicht ewig Zeit seine Kumpels zu rekrutieren. Irgendwas rumpelt da im Stahlgebälk und so langsam aber sicher sollte man vielleicht mal in die Puschen kommen, bevor die Viecher es sich vollends heimisch auf dem fliegenden Erzcontainer machen. Außerdem gilt es ja noch seine Missionsziele zu erfüllen, um die Geschichte voranzutreiben. Und so läuft es im Endeffekt darauf hinaus, wo es immer drauf hinausläuft: Verstärken, Rudelbumms und Kasalla! Also Deck verstärken, Räume scannen und draufhalten mein ich. Zwischendurch meldet sich Alien-Mama mal mit einem Ereignis oder einer zufälligen Gefahr, damit man nicht vereinsamt oder gar vergisst, dass sie auch noch da ist.

Barracken LEA
Barracken
„Jetzt hab ich dich, du Miststück!“

Es kommt, was kommen muss: die Munition wird knapper, die Besatzung reduziert sich und irgendwann klopft Alien-Mama persönlich an die Tür. Spätestens jetzt sollte man sein Deck soweit verstärkt haben, dass man Angriffe abwehren kann. Zwar sind unsere Protagonisten einigermaßen leidensfähig, aber hast du erstmal ’n Facehugger abbekommen, wird’s in der nächsten Runde wirklich ungemütlich. Und es wird nicht besser, glaub mir! Bis zu diesem Punkt sollte man die Synergien zwischen den einzelnen Charakteren verstanden haben. Da LEA aber mit nur 2 Ressourcen auskommt und der Rest sich auf KartenTEXTE bezieht, wird man peu à peu in das Deckkonstruieren eingeführt. Es hilft natürlich, wenn man die Karten kennt und anfangs kann es durchaus mal passieren, dass man nicht das letzte Lebewesen auf der guten, alten Nostromo ist.

LEA Objective 1

Mit jeder weiteren Mission folgt LEA den Teilen 1-4 der Alien-Saga. Die verschiedenen Ziele sind genau auf die Filme abgestimmt; ebenso die Kartendecks der einzelnen Hauptfiguren, die sich mit jedem Teil ändern. Das macht schon unheimlich Spaß, wenn einem die Filme noch gut in Erinnerung sind. Rein vom Gefühl her hat Legendary Encounters Alien das auch noch einen Ticken besser hingekriegt als das Marvel-Pendant und ich bin ansonsten immer 3x mehr für Superhelden in Strumpfhosen als für Conehead-Außerirdische mit merkwürdigen Beisswerkzeugen. Es macht schon einen Unterschied, ob man sein Deck einfach nur stärker macht oder eher Karten opfert. Die richtige Strategie muss man natürlich erst finden.

LEA Complex
Complex
„Sie scheinen immer noch nicht zu begreifen, womit Sie es zu tun haben: Mit einem perfekten Organismus.“

Ich weiß nicht, ob ich die einzige bin, die das so sieht, aber ich empfinde die Facehugger, die eigentlich ja nur Statisten sind, auch im Spiel als wesentlich ekelhafter als die Alien selbst. Ein Alien greift wohl mal an und dann kriegt man halt ’n Schlag ab. Den Facehugger musst du sofort abwehren (im Spiel zu zweit Gott sei Dank mit Unterstützung) und wenn du schon direkt zu Beginn einen abbekommst, kann es durchaus mal sein, dass du den nicht abwehren kannst, weil du nur Rekrutierungskarten auf die Hand bekommst. Das ist deswegen schlecht, weil das dann deine vorletzte Runde ist.

LEA Facehugger
Facehugger
Achtung Spoiler
Wie auch schon im Film, setzt sich der Facehugger nämlich auf dein hübsches Gesicht und implantiert dir einen kleinen Mini-Alien, liebevoll auch Chestburster genannt. Für die Muttersprachler: Brustkorbbrecher. Auf den Karten übrigens ebenso hübsch dargestellt, wie der Name es schon vermuten lässt. Dieselbige Karten kommt in dein Kartendeck und wenn du sie in der nächsten Runde aufdeckst, bist du sofort tot. God bless America!
„Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur.“

Das Schöne an Legendary Encounters Alien sind die einfachen Mechaniken. Die Tiefe kommt erst durch den Deckbau und durch die Story, ohne dass es mechanisch überladen würde. Es ist allerdings etwas ausführlicher als Marvel. Sollte man deshalb sogar als Nicht-Englisch-Muttersprachler hinbekommen. Alien hat nämlich nur wenig Fluff-Text. Das Spiel schafft es tatsächlich, fast die komplette Immersion aus der Anlehnung der Ziele und Protagonisten an den Film zu holen. Interessant wäre in dieser Hinsicht, wie es für jemanden ist, der die Filme nicht kennt.

LEA Xenomorph
Xenomorph

Trotzdem nochmal von mir der Tipp: schaut euch vorher die Filme an! Fun-Fact am Rande: wer Bilbo Beutlin findet, darf ihn behalten …

„Einige haben sicher schon gemerkt, dass wir noch nicht wieder zu Hause sind, sondern erst auf halber Strecke.“
LEA Strike kopie
Strike

Es gibt übrigens die Möglichkeit, die Kartendecks der Charaktere frei zu kombinieren, wenn man die Ziele durchgespielt hat, und auch der Schwierigkeitsgrad kann optional angepasst werden. So macht das Spiel auch noch Spaß, wenn man die Missionen einmal durch hat, weil sich jedes Deck anders spielt. Trotzdem freue ich mich natürlich wie ein Kind an Weihnachten auf die Erweiterung. Außerdem könnte man im Mehrspielermodus sogar die Aliens spielen, sobald ein Spieler gestorben ist. Wer also auch mal die Sau rauslassen will … Wahlweise gibt es noch eine Art Verrätervariante, wo einer der Spieler gegen die anderen Spieler spielen muss. Das hab ich allerdings noch nicht getestet und kann uns Solospielern auch egal sein.

Wenn ich überhaupt irgendetwas an diesem Spiel bemängeln möchte, dann wäre das die typische Legendary-Kartenqualität. Die ist mehr so mittelprächtig, was bei einem Spiel, wo die Karten permanent gemischt und/oder getappt werden, natürlich eher suboptimal ist. Da hilft nur sleeven, was bei 600 Karten eine abendfüllende Nebenbeschäftigung werden kann. Sollte man deshalb vor dem ersten Spiel machen, aber keine Objectives spoilern! Pro-Tipp: im Kleingedruckten unten auf der Karte steht, zu welchem Deck die Karten gehören. Bei den Charakteren steht es oben unter dem Kartennamen; zusätzlich haben diese oben links ein rundes Symbol, das verrät, zu welcher Mission sie gehören, wenn man das Spiel missionsgetreu nach Filmen spielt. Als Ausgleich für die mittelmäßige Kartenqualität bekommt man übrigens eine überdimensionale Playmat. Derzeit für mich das beste thematische Deckbauspiel auf dem Markt und deswegen 5 Sterne.

LEA Officer Riplay
Officer Ripley
[author title=“Spiele Legendary Encounters Alien wenn du …“ image=“https://secure.gravatar.com/avatar/d1c01c262ce410670814c8b1b4e00fae?s=180&d=mm&r=g“]

– Deckbau für die großartigste aller Erfindungen hälst
– findest, dass Ellen Ripley dringend mal zum Friseur dürfte
– der Meinung bist, dass Facehugger viel schlimmer sind als Alienmama
– ein Nerd bist
– Playmats sammelst
– Kartensleeven dein Hobby ist, weil du dabei immer deine Lieblingsserie schaust (Unsere kleine Farm)

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Ines B.

Howdy da draußen. Ich spiele fast alles. Am liebsten mit Miniaturen und/oder vielen Karten: Tabletop, LCGs, Partyspiele, Ameritrash ... Feldsalat mag ich grundsätzlich nicht, aber als Kolonist hat man mich auch schon gesehen. Thematisch bin ich meistens in Arkham unterwegs oder mache den Westen unsicher. Hin und wieder reise ich auch mal nach Gondor, wenn Gegner in Malifaux gerade aus sind.

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