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Solorezension: Verflucht!

Es ist schon einige Zeit her, da machte ich Bekanntschaft mit dem beliebten „The Game: spiel solange du kannst!“ von Steffen Benndorf. Eines dieser kleinen Kartenspiele, das in der Spielerszene großen Anklang fand und auch solo spielbar ist. Leider war es bei mir komplett durchgefallen, aus Gründen. Dass auch Qwixx von Steffen Benndorf kommt, ist mir bis eben gar nicht bewusst gewesen (Danke BGG), denn worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass man Autoren durchaus noch mal ein Chance geben sollte, selbst wenn man mal ins Klo gegriffen hat. Leider ist meine Argumentationskette mit Qwixx jetzt hinfällig – das finde ich nämlich durchaus spielenswert. Verflucht!

Spielaufbau Verflucht
Spielaufbau

2nd Try

Verflucht! sollte also eigentlich nur der 2. Versuch sein, Steffen Benndorf spielerisch noch eine Chance zu geben. Da ich es aber nun schon mal gespielt habe, kann ich auch darüber berichten.

Wir schreiben das Jahr 18-irgendwas. Auf dem Anwesen von Lord Somerset (wer denkt sich solche banalen Texte aus?!) treiben irgendwelche seltsamen Kreaturen ihr Unwesen, weil der gute Mann seine Villa unbedingt auf dem Friedhof der Kuscheltiere errichten musste. Und ihr seid jetzt – warum auch immer – derjenige Auserwählte, der die Kreaturen vertreiben soll.

Es gibt nun 2 Kartenstapel, jeweils mit den Werten von 1-40: die gar schrecklichen Kreaturen und deine Gegenstände (Anm. d. Red.: „Waffen“ war wohl zu gewalttätig, aber man kann einem Werwolf ja auch eins mit ’nem Kronleuchter überbraten). Außerdem gibt es noch 3-5 Siegelkarten, mit einer grünen und einer roten Seite (unbenutztes Siegel und benutztes Siegel). Davon interessieren uns solo aber nur drei. Diese werden auf die unbenutzte Seite gelegt und anschließend werden Kreaturen und Gegenstände zusammengemischt. Ordentlich mischen bitte! Das Ganze wird dann verdeckt auf einen wilden Haufen [sic!] gepackt.

Ein Haufen auf dem Tisch

Spätestens jetzt hätte mir klar sein sollen, dass es besser gewesen wäre, wenn ich einen großen Bogen um Verflucht! gemacht hätte. Welcher Redakteur lässt sich denn bitte sowas einfallen? Karten auf einen wilden Haufen schmeißen – das ist Blasphemie! Da krieg ich Zuckungen …  Zumal es spielerisch überhaupt keinen Sinn macht (zumindest nicht in meinen Augen). Ab sofort wird nämlich nur noch eine Karte nach der anderen vom Haufen (in meiner Welt ein peinlichst gut gemischter und fein säuberlichst aufgetürmter KartenSTAPEL) gezogen. Ist es eine Kreatur, wird sie vor dir ausgelegt, ist es ein Gegenstand, nimmst du die Karte auf die Hand.

Verflucht gegenstände
Gegenstände

Wat mache mer nu mit die Karten und die Kreaturens? Bekämpfen wenn möglich, denn tritt einer der folgenden Fälle ein, greifen die Viecher an:

  • die sechste Kreatur wird ausgelegt, dann greift die stärkste Kreatur an
  • es wird eine Kreatur ausgelegt, die zu einer Gruppe aufeinanderfolgenden Zahlenkarten führt (beispielsweise 15,16 oder 14,15,16). Dann greift die Gruppe an

Um das zu verhindern, dürfen wir nach jeder gezogenen Karte beliebig viele Gegenstände ausspielen, um die Kreatur(en) einzeln zu vertreiben. Dazu müssen unsere Karten nur mindestens den Wert der Kreatur erreichen. Gegenstände dürfen also kombiniert werden, aber wir dürfen damit nicht mehrere Kreaturen gleichzeitig angreifen. Immer schön der Reihe nach. Greift uns eine Kreatur an, müssen wir sie vertreiben. Können wir das nicht, wird ein Siegel umgedreht und die Kreatur zurück in den Haufen Stapel gemischt. Selbiges gilt im Solospiel für den Angriff einer Gruppe, nur dass wir hier die Kreaturen auch zusammen angreifen dürfen. Randbemerkung: Im Mehrspielermodus dürften jetzt alle Spieler die Monster der Gruppe einzeln angreifen. Soll uns aber nicht interessieren.

Verflucht Angriff
Angriff

Ziel des Spiels

Ziel ist es, sich durch den gesamten Haufen Stapel zu wühlen und am Ende auch die letzte Karte aufzudecken. Kann man dann alle Angriffe abwehren, hat man gewonnen. Liegen noch Monster auf dem Tisch, kann man noch welche mit den restlichen Siegeln abwehren und zählt dann die Werte der verbliebenen Monster als „Highscore“ zusammen. Blöd ist, wenn ausgerechnet die allerletzte Karte eine Kreatur ist, die zu einer Gruppe führt, welche man nicht mehr abwehren kann. Da kannste noch alle Siegel unbenutzt haben, dann biste trotzdem am Arsch. Das führt nämlich dummerweise zu einer Schleife (Angriff, Siegel umdrehen, Monster wieder reinmischen, Monster greift sofort nochmal an … bis alle Siegel aufgebraucht sind). Keine Ahnung, ob das zum Gamedesign gehört, aber wenn ich was nicht ausstehen kann, dann sind das Schleifen. ARGH!

Vielleicht ist es also manchmal doch besser, wenn der Autor NICHT mit dem Werk genannt wird, damit man unvoreingenommen an ein Spiel herangehen kann. Hätte, hätte, Fahrradkette … hätte Steffen Benndorf in diesem Fall auch nicht genutzt, da ich fast alles von AMIGO im kleinen Kartenschachtelformat spiele. Ich bin nämlich großer Fan von kleinen Kartenspielen und was man mit nur 54 Karten aus einem Spiel rausholen kann, hat Jacob Fryxelius ja erst kürzlich bewiesen.

Verflucht Kreaturen
Kreaturen

Ines' Solo Spieler Meinung

Steffen Benndorf kann da in meinen Augen einfach nicht mithalten. Obwohl eine Altersangabe von 10+ auf der Schachtel prangt (was wohl eher dem Addieren von größeren Zahlen geschuldet ist, vermute ich zumindest), fehlt mir da einfach die Spieltiefe. Kommunikativ im Mehrspielermodus mag es einigen Leuten Spaß machen, irgendwelche Zahlenkarten zu addieren (ich werd ’n Teufel tun und das ausprobieren), ohne dabei direkt Werte zu nennen, aber solo? Nein Danke! Das ist einfach nicht meine Welt.

Das einzige, was ich dem Spiel wirklich zugutehalten kann, ist die kurze Spieldauer (5-10 Minuten solo) und die Grafik. Dem gegenüber stehen Zufall (welche Karte zieh ich wann), fehlende Spieltiefe und mögliche Schleifen am Spielende. Sorry Steffen, ich befürchte, so kommen wir nicht mehr zusammen. Aber Jan Bintakies (Illustrator) hat einen guten Job gemacht und zumindest gefallen mir sowohl Spiel als auch Grafik von Verflucht! minimal besser als The Game. Hilft dir nun leider auch nicht weiter … macht aber ja nix. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Spiel allen gefällt, die auch The Game schon mochten, ist ja doch gegeben.

Zusammenfassend

Spielspaß

Was für Fans

Definitiv nicht meine erste Wahl für Solo-Spieler, wenn auch etwas besser als The Game. Die fehlende Spieltiefe und der Zufall trüben hier solo einfach zu sehr den Spielspaß.

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Ines B.

Howdy da draußen. Ich spiele fast alles. Am liebsten mit Miniaturen und/oder vielen Karten: Tabletop, LCGs, Partyspiele, Ameritrash ... Feldsalat mag ich grundsätzlich nicht, aber als Kolonist hat man mich auch schon gesehen. Thematisch bin ich meistens in Arkham unterwegs oder mache den Westen unsicher. Hin und wieder reise ich auch mal nach Gondor, wenn Gegner in Malifaux gerade aus sind.

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