Rezensionen

Rezension: The Game

Kurzbeschreibung:

The Game… Spiel‘ so lange du kannst. Ein Spiel um Leben und Tod. Naja nicht ganz, aber 1 bis 5 Spieler kämpfen darum das Spiel zu besiegen. Unweigerlich muss man an die SAW Filme und die Jigsaw-Puppe denken, welche ein Spiel mit einem Spielen möchte. Doch was bietet das kooperative Kartenspiel mit 98 Spielkarten und kurzer Anleitung? Nicht zu vergessen: Es ist zum Spiel des Jahres 2015 nominiert.


Spielmaterial von The Game

Das Material bei The Game besteht aus dünnen Leinenspielkarten. Für meinen Geschmack etwas zu dünn, dafür ist das Spiel aber sehr günstig – man muss dies also in Relation sehen. Mehr Material als 102 Karten und eine Anleitung hat das Spiel nicht – und braucht es auch nicht.


Spielablauf von The Game

Reihenkarten von The Game (absteigend und aufsteigend)
Reihenkarten von The Game (absteigend und aufsteigend)

Bei The Game geht es darum das Spiel zu besiegen, in dem wir den Kartenstapel und unsere Handkarten leer spielen. Dazu gibt es 4 Stapel, auf die wir Karten legen müssen. 2 Stapel zählen von 1 bis 100 hoch. Die zwei anderen Stapel zählen von 100 bis 1 runter. Auf den Spielkarten ist neben einem angedeuteten Totenkopf in jeder Ecke eine Zahl zu sehen. Wir müssen also geschickt unsere Handkarten loswerden. Die Krux an der Sache? Wir spielen zusammen, dürfen nicht über konkrete Zahlenwerte kommunizieren und müssen(!) immer zwei Karten ausspielen. Man muss mit seinen Mitspielern also geschickt kommunizieren wo Karten hingelegt werden und welche Werte diese haben – ohne Werte nennen zu dürfen. Denn legt man bei einem runterzählenden Stapel nach der 50 eine 40 und ein Mitspieler hatte ganz viele Karten im Bereich 41-49 ist das eher schlecht. Die Regel dass man zwei Karten ausspielen muss sorgt dabei für eine Zwangssituation, die Manchmal nur Entscheidungen nach dem Motto „Das geringste Übel wählen“ zulässt.

Neben dem reinen runter und hoch zählen gibt es noch die sogenannten Sprünge. Man kann nämlich immer um genau 10 in die entgegengesetzte Richtung springen. So kann man einen Stapel, der runter zählt, von der 48 wieder auf die 58 bringen. Genau diese Sprünge sind extrem wichtig und erfordern zusätzliche Kommunikation.

Jeder Spieler darf aber auch mehr als 2 Handkarten ausspielen. Zwei ist nur immer das Minimum – diese müssen ausgespielt werden. Hat ein Spieler seine Karten ausgespielt, zieht er so viele nach, wie er ausgespielt hat. Die Anzahl der Handkarten richtet sich nach der Anzahl der Spieler. Bei 2-Spieler sind es z.B. 7 Handkarten.

Ist der Nachziehstapel leer, muss jeder Spieler nur noch eine Handkarte ablegen. Dann ist das Ziel so viele Karten wie möglich abzulegen in greifbarer Nähe.


Was mir an The Game nicht gefällt

Es gibt ein paar Punkte die mich an The Game stören, sie sind aber so „wenig“ störend, dass sie fast unter „Was ich neutral sehe“ stehen könnten.
Beginnen wir mit der Kommunikation. The Game ist ein kooperatives Kartenspiel bei de es um das Kommunizieren geht. Es steht und fällt mit der Kommunikation. Damit es nicht zu einfach ist, wird diese eingeschränkt. Da liegt aber auch das Problem. Sprache hat nicht nur ein Wort für Dinge und Menschen können Dinge und Sachverhalte sehr leicht umschreiben. Dass das Nennen konkreter Zahlenwerte verboten ist, ist sinnvoll und ohne diese Regel wäre das Spiel geradezu absurd, aber in einer Spielgruppe entwickeln sich sehr schnell andere Ausdrücke für die Zahlenwerte. Ein Zehnerbereich (z.B. 30 – 40) ist dann ein Bereich und die Mitte dieses Bereich ist dann natürlich die 5er Zahl. Die Fähigkeit Zehn vor oder zurück gehen zu können bekommt den Namen „Sprung“, „Zeitreise“ oder ähnliches. Kurzum: Die Kommunikation ist nur sehr begrenzt eingeschränkt, sie wird – zumindest in meinen Spielrunden – nur ausschweifender und umschreibender. Natürlich kann jede Gruppe für sich selbst festlegen, welche Art Begriffe etc. sie verbietet. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass sich immer Synonyme und Beschreibungen finden lassen, so dass man quasi Arten der Kommunikation verbieten muss und ob das dann noch zielführend ist vage ich zu bezweifeln. Verbietet man etwa die Kommunikation über Zahlen – egal mit welchen sprachlichen Mitteln, bleibt nur noch die Konversation über die Stapel. Man könnte also sagen: „Stop, auf diesen Stapel möchte ich legen!“ und ähnliches. Damit nimmt man dem Spiel aber auch wieder eine ganze Menge, denn das Kommunizieren macht Spaß. Man sitzt also in einer Zwickmühle.

The Game Spielaufbau
The Game Spielaufbau

Nimmt man The Game nun so, wie es laut Regel explizit vorgeschrieben ist, ist nur das Kommunizieren über konkrete(!) Zahlenwerte verboten. Da stellt sich die Frage, wie ist konkret zu verstehen? Wenn man sagt: „Die Mitte eines des Bereiches“ ist klar, dass die 5er Zahl im entsprechenden 10er Bereich gemeint ist, aber ist das „kommunizieren über einen konkreten Zahlenwert“? Während ich das hier schreibe, denke ich schon, dass es das ist. Aber ohne Konversation in diese Richtung kann The Game auch wiederum sehr schwer werden.

Wie man es dreht und wendet: Jede Gruppe muss für sich ausmachen, wie sie dies auslegt. Ich finde, es hätte in den Regeln etwas mehr erläutert werden können. Nehmt dies als schwachen Negativpunkt auf, denn die Regel erfüllt ihren Zweck.

Was mir gar nicht gefällt ist das Solo-Spiel. Wer The Game kauft, weil man es alleine spielen kann, wird enttäuscht sein. Alleine ist es nicht mehr als einfach Zahlen von der Hand auf den Tisch zu legen. Da kann man auch 32-Heb-Auf spielen.


Was ich an The Game neutral sehe

Die Kartenqualität. Eigentlich würde diese unter „Was mir nicht gefällt“ stehen. Doch angesichts des Preises, ist es ein wirklich kleiner Wermutstropfen, denn sie erfüllen ihren Zweck und wenn diese dünnen Karten irgendwann kaputt sind, kauft man sich einfach ein neues The Game.
Hinweis des Verlages: Das Material ist 320/330g Leinengeprägt.

Was mir persönlich ebenfalls nicht gefällt, aber als neutral angesehen werden muss, ist die Illustration. Ich verstehe nicht, was man sich bei dieser Illustration gedacht hat. Warum dieses düstere, der Totenkopf, wenn The Game doch ein Familienspiel darstellt, was auch super für Kinder und in der mathematischen Frühförderung (Zahlenreihen) geeignet ist? Was hat man davon ein kooperatives Kartenspiel als böse und düster darzustellen?

Der Name. Was soll The Game bitte für ein Name sein? War man da etwas unkreativ? Ich verbinde mit The Game so etwas wie „Das Spiel der Spiele“. Ich könnte euch jetzt mit Spieltheorie und Begriffsgeschichte zu schreiben, aber das Wort Game – to game – steht sehr direkt mit dem aktiven Spielen in Verbindung. Nunja, wenn man kein Thema hat, dann wohl auch keinen kreativen Namen. Der Name ändert aber zum Glück nichts am Spielprinzip.


Was mir an The Game gut gefällt

Denn trotz allem meckerns: The Game ist ein wirklich gutes Spiel. Es macht Spaß und funktioniert mit jedem. Der Schwierigkeitsgrad ist durch die Art der Einschränkung der Kommunikation leicht zu steuern und dadurch kann man es jeder Gruppe und jedem Niveau anpassen. Kinder können so z.B. mehr kommunizieren als Erwachsene, ohne dass The Game etwas von seinem Reiz verliert. Denn es passt sich dem Anforderungsniveau an. Dadurch halte ich The Game auch für ein Spiel, dass sich in Grund- und weiterführenden Schulen sehr gut eignet (wenn da die Illustration nicht so unpassend wäre). Das Spielprinzip mit den Zahlenreihen wirkt nicht neu, durch den kooperativen Aspekt und die Möglichkeit zu springen wurde aber etwas einfaches, neues und sehr spaßiges geschaffen.


Fazit zu The Game

The Game ein tolles Spiel im Jahre 2015 und zurecht nominiert zum Spiel des Jahres. Trotzdem bin ich hin- und hergerissen. Ich finde nicht, dass es ein herausragendes Spiel ist. Dazu ist es zu kurzweilig und durch den Fehlgriff in Illustration und Namensgebung eben nicht herausragend genug. Doch ist es nun ein sehr gutes oder nur ein gutes Spiel? Wir haben alle – ausnahmslos – Spaß mit The Game und das ist es, was für mich ein sehr gutes Spiel auszeichnet. Daher vorweg: The Game ist ein sehr gutes Spiel. Der Spielspaß kommt durch die Einfachheit und Schnelligkeit des Spiels.


Pro & Contra:

+ Schnell und einfach
 konkrete Zahlenworte werden einfach ersetzt
+ Sehr gutes Preis- / Leistungsverhältnis
  unpassende Illustration und Name
+ Passt sich den Anforderungen der Gruppe an
  Macht alleine keinen Spaß

Änderungshinweis: Vorher (24.06.2015) stand unter Contra: „Kein Solo-Spiel!“ das ist natürlich faktisch falsch, gemeint war damit – und dazu wurde es nun auch geändert – dass uns The Game alleine jeweils keinen Spaß bereitet. Ich entschuldige mich für das missverständnis.


Bewertung

Sehr gutes Spiel


Video Rezension zu The Game

Spielgefühl

Tags

Alexander

Hallo,
ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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1 thought on “Rezension: The Game”

  1. abgesehen davon dass ich einige grundsatzprobleme mit dem spiel des jahres in der heutigen form habe, muss ich sagen dass the game wirklich das schwächste unter den nominierten ist.
    nach 15 runden gibt es für mich keinen grund, das spiel noch mal raus zu holen.
    machi koro ist für mich immer noch der stille gewinner, gerade weil die erweiterungen da noch einiges rausholen wird ohne das spiel zu sehr zu verkomplizieren.
    aber the game is wirklich fix durch.
    hebt sich von der masse der 9€ kartenspiel ab, aber kommt nicht mal im ansatz an geistige vorgänger wie hanabi ran.

    [EDIT]: rechtschreibprüfung hat ergeben, dass ich beim verfassen des posts nicht mehr nüchtern war -.-

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