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Rezension: Champions of Midgard inkl. Valhalla und The Dark Mountains

Mit Workerplacement nach Valhalla!

Der Jarl ist tot – es lebe der Jarl!

Ganz so einfach ist es im mittelalterlichen (Fantasy-)Norwegen nicht. Der Titel wechselt nicht per Geburtsrecht, sondern will hart erkämpft werden – im wahrsten Sinne des Wortes.

Den Überlieferungen zu Folge war ein Jarl, verwandt mit dem englischen „Earl“, dem deutschen Grafen entsprechend, ab der Germanischen Eisenzeit (375 n. Chr.) bis ins Hochmittelalter ein Fürstentitel in den nordischen Ländern. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jarl).

Champions of Midgard ist – wie der Name schon sagt – in der nordischen Mythologie angesiedelt. Der Jarl von Trondheim ist verstorben und die Siedlung ist daraufhin ohne Führung im Chaos versunken. Trolle, Draugr (Untote), Riesen und andere Monster bedrohen unsere Heimat. Es ist an uns eine tatkräftige Krieger-Truppe zusammenzustellen und die Ordnung wieder herzustellen – die Einwohner brauchen einem neuen Anführer: den Champion of Midgard!

Um Champion zu werden, schlüpfen wir in die Rolle einer der insgesamt neun Anführer (fünf sind im Grundspiel enthalten und jeweils zwei in den Erweiterungen). Diese bieten besondere Fähigkeiten, die – richtig eingesetzt – schon ein wenig das weitere Vorgehen im Spiel mitbestimmen. Ergänzend hierzu gibt es anfänglich eine geheime Schicksalskarte. Hierauf ist vermerkt für was man am Spielende noch weitere Ruhmespunkte erhält. Im Zuge des Spiels kann man hiervon weitere erwerben.

Spielablauf

In acht Runden sammeln wir nun Rohstoffe (Holz, Nahrung, Münzen und Favour-Token), werben Krieger an (verschiedene Würfel für Swordsmen, Spearmen, Axemen, Archer, Beserker, Shield Warrior – die letzten drei sind in den Erweiterungen enthalten) und setzen diese ein, um heroische Taten zu vollbringen – alles was halt möglichst ruhmreich ist. Champions of Midgard vereint hierbei ganz klassisches Workerplacement (eine Mischung aus Lords of Waterdeep und Stoneage), welches für den Kampfteil mit Hilfe von Würfeln aufgepeppt wird.

Die „normalen“ Arbeiter werden in der Siedlung eingesetzt, um neue Rohstoffe zu erhalten, Handel zu treiben oder eben besagte Krieger anzuwerben – wie gesagt, ganz klassisches Workerplacement. Nach dem Einsetzen der Arbeiter werden die vorhanden Krieger einer Aufgabe zugeordnet. Hier kann man beispielsweise den Troll bekämpfen, der in der aktuellen Runde die Siedlung bedroht – wird dieser nämlich nicht besiegt, erhalten die Spieler sogenannte Blame-Token, die später Minuspunkte darstellen. Besiegt man den Troll erhält man Ruhm und kann sogar einen seiner Blame-Token einem Mitspieler zustecken. Da die Minuspunkte hierfür exponentiell steigen, ist dies durchaus ein taktisches Mittel, seine Mitspieler etwas in die Schranken zu weisen. Aber eines sei hier gesagt: besonders interaktiv ist Champions of Midgard nicht. Wie bei Workerplacement üblich werden einem natürlich öfter mal die gerade am lukrativsten Einsetzfelder weggeschnappt, aber ansonsten hat man nicht viel von seinen Mitspielern zu befürchten – aber das ist aus meiner Sicht auch nicht nötig, schließlich gibt es noch genug andere Monster auf dem Spielbrett an denen man sich austoben kann.

Alternativ zum Troll kann man sich auch an den Draugr auslassen, welche unsere Siedlung bedrohen. Hiervon gibt es verschiedene, die offen ausliegen und mit bestimmten Kriegern bekämpft werden können. Außerdem kann man in See stechen um besonders prestigeträchtige Monster zu jagen. Diese bringen in der Regel mehr Ruhmespunkte und liefern zudem Belohnungen. Allerdings muss man hierzu im Vorfeld eine Reise mit dem Boot unternehmen. Hierzu stehen allgemeine Boote zur Verfügung oder man baut einfach selber eines. Diese werden dann mit Kriegern und Nahrung bestückt und ab geht es. Aber Vorsicht: solch eine Seereise ist beschwerlich. Mit Hilfe von Karten stößt man auf Ereignisse, welche die Reise beeinflussen. So verrottet beispielsweise Nahrung während der Reise oder ein Krieger geht über Bord und kommt erst gar nicht am Ziel an.

Der Kampf selber ist recht simpel gehalten. Die Krieger-Würfel werden geworfen und gewürfelte Treffer und Schilder mit den Abwehr- und Angriffwerten der Monster verglichen. Ist es besiegt, bekommt man die Karte inkl. Ruhm und einer evtl. Belohnung. Die Karten sammelt man bei sich in der Auslage – hier kann man über bestimmte Schicksalskarten z. B. für Sets noch zusätzliche Ruhmespunkte einheimsen. Hat man nicht genügend Schilder, treten evtl. einige Krieger den Weg Richtung Valhalla an – sprich man verliert Würfel. Einfach und schnell, aber trotzdem spannend. Zu glückslastig ist es nicht, da man anhand der verschiedenen Kriegerklassen sein Ergebnis etwas steuern kann – so haben Schwertkämpfer andere mögliche Ergebnisse, als z. B. ein Berserker. Somit sind manche Krieger besser gegen bestimmte Monster einsetzbar oder können es beispielsweise gar nicht erst angreifen. Außerdem kann man mit den bereits erwähnten Favour-Tokens auch beliebig viele Würfel neu würfeln.

Variabilität und Wiederspielreiz

Champions of Midgard entpuppt sich als recht variables Spiel. Es gibt zwar einige feste Orte, die auf dem Spielplan aufgedruckt sind, aber in jedem Spiel werden auch einige zufällige Orte für das Einsetzen der Arbeiter ausgelegt. Dazu gibt es verschiedene Reiseevents, diverse Monster/Trolle/Draugr/Riesen und verschiedene Schicksalskarten, die steuern für welche Aktionen man später zusätzliche Punkte bekommt. Gerade die Schicksalskarten – von denen im Dorf auch neue erworben werden können – machen zusammen mit den verschiedenen Wikinger-Anführern einen Großteil der Variabilität aus. So fühlt sich jede Partie Champions of Midgard doch immer etwas anders an und macht es immer wieder reizvoll es auf den Tisch zu bringen.

Die Erweiterungen

Apropos Wiederspielreiz und Variabiliät: was bringen eigentlich die beiden Erweiterungen?

Einerseits erstmal mehr von Allem. So liefern beide Erweiterungen beispielsweise neue Anführer (jeweils zwei), neue Schicksals-Karten und neue Gebäude.

The Dark Mountains

The Dark Mountains bringt zunächst das Material für einen fünften Mitspieler mit. Außerdem kommen die dunklen Berge – die Heimat der Riesen – in Form eines neuen kleinen Spielbretts ins Spiel. Außerdem sind neue Würfel für die neue Kriegerklasse der Bogenschützen enthalten.

Grob gesagt entsprechen die Berge in etwa der Seereise. Auch hier gibt es Karten, die die Reise beeinflussen und am Ende kann man sich in den ruhmreichen Kampf gegen einen Riesen einlassen. Mechanisch kommt hiermit eigentlich keine Neuerung ins Spiel, sondern es werden nur weitere Möglichkeiten für den Kampf geschaffen – besonders für das Spiel in voller Besetzung wird hier mehr Platz geschaffen.

Valhalla

Valhalla, der Ruheort für im Kampf gefallene Krieger, kommt ebenfalls als neues kleines Spielbrett daher. Zusätzlich sind drei neue Würfelarten enthalten: zwei neue Kriegerklassen (Berserker und Schildkrieger) sowie Würfel für euren Anführer – jetzt schmeißt ihr euch selber in den Kampf. Mit den neuen Würfeln erhalten alle Anführer neue Fähigkeiten, die mit den Würfeln ausgelöst werden.

Der Clou an Valhalla ist, dass man nun für gefallene Krieger entsprechende Plättchen bekommt. Diese kann man wiederum in Valhalla einlösen, um Belohnungen zu erhalten. So erhält man einen schönen Ausgleich für seine gefallenen Krieger und das Erlebnis bei einer verheerenden Schlacht ist nicht ganz so bitter – im Gegenteil: manchmal geht man bei der Schlacht etwas mehr Risiko ein, weil man doch gerade jetzt ein weißes Plättchen braucht, um eine passende Belohnung in Valhalla abzustauben. Letzendlich macht die Erweiterung das Spiel noch etwas runder und ist für mich gar nicht mehr wegzudenken.

Fazit

Für mich ist Champions of Midgard der neue Jarl unter den Workerplacement-Spielen. Neben Anachrony derzeit mein absoluter Workerplacement-Liebling. Hier stimmt für mich das gesamte Setting – ich mag einfach die nordische Mythologie. Die Variabilität sorgt für den entsprechenden Wiederspielreiz und das doch vorhandene Glück kann man bedingt beeinflussen. Die beiden Erweiterungen fügen sich wunderbar in das Spiel ein und runden es ab. Außerdem bringen sie nicht so viel zusätzliche Komplexität hinein, dass man sie nicht direkt ab dem ersten Spiel verwenden könnte. Vom Grundsatz her einfache Regeln, aber dennoch ein forderndes Spiel. Bisher kam es in allen Runden und im Spiel zu zweit oder in voller Besetzung immer gut an.

Champions of Midgard ist derzeit nur in der englischen Version erhältlich, aber das Spielmaterial ist weitestgehend sprachneutral. Alle Karten und Gebäude weisen darüber hinaus eine gut verständliche Ikonographie auf – man muss also kein Englisch-Experte sein, um trotzdem in den vollen Spielgenuss zu kommen.

Also: Füllt eure Met-Hörner und auf in den Kampf – Valhalla erwartet euch schon.

Zusammenfassend

Spielspaß

Sehr gutes Spiel!

Champions of Midgard ist besonders zusammen mit seinen Erweiterungen eine Perle unter den thematischen Workerplacement-Spielen

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Michi

Hallo, ich bin Michi, 1980 geboren und aus der Nähe von Bremen und relativ frisch hier dabei. Egal ob Eurogame oder feinster Ameritrash, ich mag Spiele, die auch eine Geschichte erzählen und ein cooles Thema/Artwork haben. Ich mag die Szene und den Umgang miteinander und hoffe euch hier gute Tipps geben zu können. Möge nicht nur nein Geldbeutel schrumofen ;) Viel Spaß beim Lesen.

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