18 November, 2017

  • Boardgamegeek
Rezension: Magic Maze

Rezension: Magic Maze

Barbar, Zauberer, Zwerg Krieger und Waldläufer. Diese Kombination findet man sonst im klassischen Fantasy-DungeonCrawler. Und eigentlich sind wir auch auf dem Weg dorthin – tief in den Dungeon um böse Monster zu verkloppen. Doch unseren tapferen Recken ist ein Missgeschick passiert – sie wurden bestohlen. All die wertvolle Ausrüstung ist weg, all das Gold ist weg, einzig der Ehrgeiz ist geblieben. Und weil man ohne Gold schlecht an neue Ausrüstung kommt, lassen unsere 4 tapferen Recken den Heldenkodex Mal beiseite und brechen in ein Einkaufszentrum ein – Willkommen im Magic Maze!

Magic Maze ist ein kooperatives Echtzeitspiel bei dem nicht gesprochen werden darf. Jeder Spieler hat 1 bis 2 Aktionen vor sich liegen, die er ausführen darf. Zum Beispiel nach rechts laufen. Also darf dieser Spieler alle Spielfiguren nach rechts bewegen. Andere dürfen nach oben, unten, links, rolltreppen oder teleportert benutzen. Der Clou an der Sache ist, dass man sich eben koordinieren muss, ohne sich abzusprechen. Die Helden müssen nämlich zu den jeweiligen Shops und wieder raus. Dass dabei einiges an Hindernissen im Laufe des Spiels dazu kommt ist klar oder?

Magic Maze baut den Schwierigkeitsgrad schön auf. Es beginnt ganz einfach und Szenario für Szenario kommen weitere Regeln dazu. Die Echtzeitkomponente sorgt für Stress, Hektik und Spaß. Der Tu-Was-Pöppel – ein großer Pöppel mit dem man einen Spieler darauf aufmerksam machen kann, er solle doch bitte seine Aktion nutzen, wird zwischenzeitlich wie bei Hau-den-Lukas auf den Tisch gehauen. Eine Runde dauert aufgrund der Echtzeitbegrenzung maximal ca. 15 Minuten (wenn ich mich grade nicht verrechnet habe). Die Echtzeit wird mit einer Sanduhr gemessen und auch hierbei gilt es sich zu koordinieren. Mittels eines Feldes auf dem Spielplan darf man die Sanduhr umdrehen, das will man aber natürlich erst, wenn sie kurz vorm ablaufen ist. (Dreht Man sie zu früh um, verliert man logischerweise Zeit). Wurde die Sanduhr umgedreht, darf gesprochen und geflucht werden. So lange man will! Oder doch nicht? Naja, sobald jemand eine Spielfigur in die Hand nimmt, ist wieder Redeverbot und es wird gespielt. Und so lange man will war aus noch einem Grund etwas optimistisch ausgedrückt: Die Zeit läuft natürlich weiter! Also los! Schnell absprechen! Keine Zeit für meckern, lästern und fluchen! Es geht weiter! Go!

Das Spielkonzept von Magic Maze ist in dieser Konstellation neu. Kooperativ und trotzdem schweigsam kannte ich vorher noch nicht. Und genau da ist auch das Problem. Während das Spiel in vielen meiner Runden bei „Vielspielern“ der gewünschte Kick zwischendurch war, wurde die angesprochene Familienspielgruppe oft enttäuscht. Das Feedback war vielseitig.

Einerseits wird bemängelt, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen man sich wie der Depp vom Dienst fühlt. Es hängt an der eigenen Aktion, die eine Figur nach links bewegen, doch man sieht es einfach nicht. Alle starren einen an, der Tu-Was-Pöppel wird wie wild auf den Tisch gehauen, die Zeit läuft. Stress, Angst und Frust sind Gefühle die hierbei ganz schnell mitspielen und einzelnen Personen zumindest episodisch das Spiel verderben können. Man muss sich bewusst sein: Diese negativen Emotionen spielen mit. Wer diese nicht aushalten kann, kann mit Magic Maze definitiv ein Problem haben.

Kooperativ und schweigsam war der nächste Kritikpunkt. Die Familien wollen eine gute Zeit, wollen sich beim spielen sticheln, loben und einfach nur Unterhalten. Das fällt bei Magic Maze komplett weg. Von Runden die den ganzen Abend Magic Maze gespielt haben, habe ich immer nur von anderen gehört, gesehen habe ich diese nie.

Langzeitmotivation. Ein schwieriger Punkt bei einem Spiel wie diesem. Tatsächlich war es bei mir so, dass in 90% der Fälle niemand nach dem ersten Szenario weiter machen wollte. Alle fanden die 15 Minuten Mal ganz abwechslungsreich und interessant, aber jetzt doch bitte wieder ein normales Spiel (bei dem wir reden dürfen).

So muss ich am Ende feststellen, dass ich den Reiz von Magic Maze persönlich durchaus sehe und sogar teile. Die Spielgruppen (privat und Spieletreff) diesen aber nicht teilten und es alle nur als interessante Abwechslung sahen. Die Nominierung zum SdJ ist meiner Meinung nach trotzdem gerechtfertigt, denn es ist ein interessantes und spannendes Konzept.

Empfehlen kann ich Magic Maze aber nur, wenn die Spielgruppe auf Echtzeit, geballte Emotionen und eine Portion Schweigen steht.

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Über den Autor

Hallo,
ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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1 Kommentar

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