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Rezension: Menara

Hochstapeln im Dschungel

Worum geht’s?

Bei Menara handelt es sich um ein kooperatives Geschicklichkeitsspiel in dem 1-4 Spieler gemeinsam an einem Tempel bauen. Langsam entsteht so in den tiefen des Dschungels ein imposantes Bauwerk. Aber Vorsicht, wenn man sich nicht vernünftig abstimmt, kann dies eine wackelige Angelegenheit werden.

Spielaufbau

Das Spiel ist recht schnell aufgebaut. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad erhalten die Spieler eine vorgegebene Anzahl zufälliger Säulen, die aus einem Beutel gezogen werden. Dazu wird noch das „Lager“ mit sechs Säulen bestückt. Mit dem Lager können später Säulen ausgetauscht werden.

Das Lager
Das Lager

Außerdem bestimmt der gewählte Schwierigkeitsgrad, wie viele Etagenkarten ausgelegt werden (3-5). Diese geben an, wie viele Etagen im Laufe des Spiels gebaut werden müssen. Ist dies erledigt werden noch die Auftragskarten bereit gelegt. Diese sind in drei Stapel aufgeteilt. Je nach Stapel gibt es unterschiedlich schwierige Aufträge. Dies geht von  „Platziere eine Säule“ bis zu „entferne drei Säulen und platziere diese in einem höher gelegenen Stockwerk“.

Dei Auftragskarten
Dei Auftragskarten

Außerdem werden die Tempelböden gemischt und bereit gelegt.

Der Nachziehstapel von Bodenteilen
Der Nachziehstapel von Bodenteilen

Die ersten drei werden dann gezogen und aus ihnen das Fundament des Tempels gebildet. Hierbei müssen die Böden so ausgelegt werden, dass sie jeweils die beiden anderen berühren. Und schon kann’s losgehen.

 

Wie spielt sich Menara?

Im Spielzug entscheidet der Spieler zunächst, ob er einige seiner Säulen gegen Säulen aus dem Lager austauschen möchte. Dies können beliebig viele sein. Dies ist wichtig, da auf den Böden des Tempels markiert ist, wo eine Säule aufgestellt wird und welche Farbe sie haben muss.

Danach wählt der Spieler eine Auftragskarte und führt diese aus. Hier gibt es einfache Aufträge, wie z. B. eine Säule zu platzieren. Es gibt aber auch Aufträge, wie ein Bodenteil vollständig zu bebauen oder Säulen von tiefen auf höhere Etagen zu versetzen. Ein Auftrag sieht sogar das komplette Versetzen eines Tempelbodens vor. Je nach Situation muss ich also abwägen, von welchem Stapel ich ziehe – brauche ich gerade einen etwas leichteren Auftrag oder kann es ruhig etwas anspruchsvoller sein. Hierbei ist zu bedenken, dass man einerseits ein paar der schweren Aufträge anfangs gar nicht erfüllen kann, man diese aber auch nicht zu spät im Spiel ziehen möchte – der Tempel wird mit wachsender Höhe ja nicht unbedingt stabiler.

Ein paar der Auftragskarten
Ein paar der Auftragskarten

Sollte es nicht möglich sein, den Auftrag zu erfüllen, weil mir z. B. die entsprechenden Säulen fehlen, dann wird die Karte als Etagenkarte abgelegt und der Tempel muss zum Spielende um eine weitere Etage nach oben gebaut werden. Gelingt das Platzieren, werden die verbauten Säulen aus dem Beutel nachgezogen und der nächste Spieler ist an der Reihe. Wird ein Tempelboden mit der letzten Säule bestückt, so ist sofort ein neuer Tempelboden zu platzieren. Dieser wird im Idealfall auf die aufgestellten Säulen gelegt, um eine Etage dazuzugewinnen. Hier ist durchaus etwas Voraussicht gefordert. Oft macht es Sinn, einen Boden nicht sofort vollständig zu bebauen, sondern erst einmal ein entsprechendes „Säulenbett“ aufzubauen, bevor ich den nächsten Tempelboden verbaue. Hier gilt es auch, die ausliegenden Böden im Auge zu haben und Größe und Form des nächsten Teils zu beachten – schließlich muss dieses im Idealfall auf die gerade verbauten Säulen aufgelegt werden. Alternativ kann ein Tempelboden auch an das Fundament des Tempels angelegt werden. Wird dies gemacht, wird die Auftragskarte allerdings auch zu den Etagenkarten gelegt und der Tempel muss wieder eine Etage höher gebaut werden. Immer wenn ein neuer Tempelboden platziert wird, gibt es auch die Möglichkeit das Lager mit neuen zufälligen Säulen zu bestücken. Auch hier sollte ich stets im Auge behalten, welche Säulen aktuell auf den Böden verbaut werden können und welche Säulen im Lager bzw. bei den Spielern vorrätig sind.

Spielziel

Das Spiel endet sobald entweder die letzte Auftragskarte gespielt wurde, die Säulen nicht mehr aus dem Beutel aufgefüllt werden können oder der letzte Tempelboden verbaut wurde. Zu diesem Zeitpunkt muss der Tempel eine Höhe gemäß Anzahl der Etagenkarten erreicht haben. Ist dies der Fall gewinnen die Spieler.

Falls die Etagen nicht entsprechend hoch gebaut worden sind, verliert man. Außerdem verliert man, wenn der Tempel irgendwann im Laufe des Spiels zusammenbrechen sollte. Fallen nur einige Säulen um, so können diese wieder platziert werden, stürzt allerdings ein Tempelboden ein, ist das Spiel vorzeitig verloren.

Spielgefühl

Wer mich kennt, der weiß, dass ich auf thematische Spiele stehe. Besonders thematisch ist Menara nicht. Ich habe jetzt nicht das Gefühl, der Baumeister einer Tempelanlage zu sein – wobei schon teilweise beeindruckende kleine Kunstwerke auf dem Tisch entstehen. Aber das ist auch vollkommen egal, denn Menara macht einfach Spaß. Man tüftelt gemeinsam die beste Strategie aus und egal ob man selber an der Reihe ist oder nicht, ist man eigentlich immer im Spiel drin. Man schaut, was der andere gerade so verbauen muss, gibt Tipps, welche Säule wohin sollte und wo der Tempelboden hingelegt werden sollte. Langeweile bzw. Downtime kommt nicht auf. Zudem ist das Spiel relativ flott gespielt. In der Regel endet ein Spiel nach gut 30-45 Minuten. Und in dieser Zeit wird man bestens unterhalten.

Das Material ist wirklich hochwertig und vor allem schön. Der Tempel, der langsam auf dem Tisch entsteht, ist doch irgendwie auch immer ein kleines Kunstwerk. Nicht selten werden die Handys gezückt, um ein Foto zu machen und bei Spieleabenden mit mehreren Tischen stehen immer wieder Spieler der anderen Tische am Menara-Tisch, um sich das Bauwerk anzuschauen.

Fazit

Michis Meinung

Menara ist ein wirklich schönes kooperatives Geschicklichkeitsspiel. Ich muss zugeben, dass ich zwar ein „nettes“ Spiel erwartet habe, aber zwei Dinge haben mich absolut positiv überrascht:

Kooperation bzw. Taktik: Ja, ich wusste natürlich, dass es sich um ein kooperatives Spiel handelt. Aber ich habe nicht erwartet, dass man schon eine gewisse Taktik entwickeln muss und Abstimmung mit den Mitspielern unbedingt gefordert ist. Meine Erwartung ging eher in die Richtung, dass man seinen Spielzug macht und danach einfach der nächste dran ist.

Aber bei Menara muss man auch schauen, welche Säulen seine Mitspieler zur Verfügung haben und welche Säulen man überhaupt platzieren sollte, so dass der nächste Spieler auch noch gut handlungsfähig ist. Einfach drauf losbauen ist nicht möglich. Von daher bin ich positiv überrascht, dass doch eine gewisse taktische Tiefe vorhanden ist – sicherlich steht das nicht im Vordergrund und man muss auch nicht Unmengen an Hirnschmalz verbrennen, aber etwas gefordert wird man.

Geschicklichkeit: Ich mag kooperative Spiele und ein kooperatives Geschicklichkeitsspiel fehlte mir noch in meiner Sammlung. Von daher war ich sehr gespannt auf das Spiel – muss aber sagen, dass ich auch Bedenken hatte, da ich eigentlich nicht der fingerfertigste Spieler bin. Aber ich kann alle Skeptiker beruhigen: Ja, Menara ist ein Geschicklichkeitsspiel, aber man muss jetzt nicht der Filigranste sein, um es spielen zu können. Darüber hinaus bietet Menara einfache und schnell verinnerlichte Regeln und lädt somit auch Gelegenheits- oder Nicht-Spieler auf eine Partie ein. Aus meiner Sicht wäre ich nicht verwundert gewesen, wenn Menara auch für das Spiel des Jahres nominiert worden wäre – aber ich vermute mal, dass die Ähnlichkeit zu einem ehemaligen Spiel des Jahres dann doch zu erheblich war: Villa Paletti.

Immer wieder wird der Vergleich zu Villa Paletti gezogen. Ich selbst habe Villa Paletti nie gespielt. Mitspieler berichteten mir aber, dass Menara schon recht ähnlich ist – nur halt kooperativ. Ich persönlich finde Menara optisch auch viel schöner. Außerdem denke ich, dass der kooperative Bau – und somit ja auch der Versuch höher zu bauen – anspruchsvoller und spaßiger ist, als gegen seine Mitspieler zu spielen – aber das ist wirklich reine Vermutung.

Zusammenfassend

Spielspaß

Sehr gutes Spiel!

Menara ist für mich im Moment das beste Geschicklichkeitsspiel - vorausgesetzt, man mag es kooperativ. Bei einfachen Regeln bietet es doch eine gewisse Tiefe an taktischen Überlegungen, ohne dabei wirklich zum Grübeln anzuregen. Es ist zwar manchmal ein ruhiges Händchen gefragt, aber allzu filigran wird es nicht. Wer gerne mal kooperativ einen eindrucksvollen Tempel bauen möchte, der ist bei Menara sehr gut aufgehoben.

Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar vom Zoch Verlag.
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Michi

Hallo, ich bin Michi, 1980 geboren und aus der Nähe von Bremen und relativ frisch hier dabei. Egal ob Eurogame oder feinster Ameritrash, ich mag Spiele, die auch eine Geschichte erzählen und ein cooles Thema/Artwork haben. Ich mag die Szene und den Umgang miteinander und hoffe euch hier gute Tipps geben zu können. Möge nicht nur nein Geldbeutel schrumofen ;) Viel Spaß beim Lesen.

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