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Rezension: Rajas of the Ganges

Würfel-Worker-Tile-Placement in Indien

Worum geht’s?

Rajas of the Ganges ist ein Worker-Placement Spiel für 2-4 Spieler. Thematisch befinden wir uns in Indien zur Zeit des aufstrebenden Mogulreiches. Als Rajas versuchen wir unsere Provinzen zu Reichtum und Ruhm zu führen und betreiben hierzu Handel, befahren den Ganges und bauen prächtige Bauwerke.

Spielaufbau

Der Spielplan wird gut erreichbar für alle Spieler platziert.

Der Spielplan

Zudem werden die Bauplättchen sortiert und in insgesamt 12 Stapeln offen ausgelegt.

Die ausliegenden Plättchen

Jeder Spieler erhält ein Kali-Tableau, ein Provinztableau sowie die Arbeiter/Marker seiner eigenen Farbe. Einige Arbeiter werden auf dem Spielplan platziert und können erst im Verlauf des Spiels durch Fortschritte auf den verschiedenen Leisten hinzugewonnen werden. Außerdem erhält jeder Spieler einen Würfel jeder Farbe (insgesamt 4), würfelt diese und platziert sie auf den freien Plätzen seines Kali-Tableaus – durch das Tableau wird gleichzeitig die maximale Anzahl an Würfeln vorgegeben.

Das Kali-Tableau inkl. der Anfangswürfel

Spielablauf

Rajas of the Ganges ist ein typisches Worker-Placement Spiel. Wenn man an der Reihe ist, setzt man einen seiner Arbeiter auf ein freies Feld des Hauptspielplans und führt die dazugehörige Aktion aus. Je nach Feld wird die Aktion nur durch Einsatz des Arbeiters oder zusätzlich durch die Abgabe von Geld oder einem Würfel ausgelöst. Bei den Aktionen, die Würfel benötigen spielt zudem i. d. R. entweder die Farbe und/oder die Augenzahl des Würfels eine Rolle.

Ohne jetzt jede Aktion im Detail zu erklären, gibt es grundsätzlich folgende Aktionsmöglichkeiten bzw. Felder auf dem gemeinsamen Spielbrett:

Bauaktion (Steinbruch)
Setzt man einen Arbeiter im Steinbruch ein, kann man eine Bauaktion durchführen. Hierzu sucht man sich ein Gebäudeplättchen aus dem offenen liegenden Vorrat aus und platziert dieses auf seinem Provinztableau. Um solch ein Plättchen zu bekommen, müssen neben dem Arbeiter auch Würfel abgegeben werden. Dies richtet sich einerseits nach der Farbe der Würfel und andererseits nach deren Wert. So kann z. B. ein Plättchen die Abgabe von grünen Würfeln im Gesamtwert von mindestens 10 erfordern. Ein Überzahlen ist möglich.

Der Steinbruch und der Marktplatz

Anschließend wird das Plättchen auf dem Provinztableau platziert. Neben dem Worker-Placement Mechanismus kommt hier ein kleines bisschen Legespiel hinzu. Die Spieler bekommen beim Platzieren der Plättchen die für die darauf abgebildeten Märkte oder Gebäude angegebenen Belohnungen. Für Märkte werden die darauf abgebildeten Einnahmen auf der Geldleiste und bei Tempeln bzw. Bauwerken die entsprechenden Ruhmespunkte gutgeschrieben. Außerdem kann man auf dem Provinztableau abgedruckte Boni erhalten, wenn es gelingt den eigenen Palast per durchgängigem Weg mit den entsprechenden Boni-Feldern zu verbinden. Beim Legen der Plättchen sollte man also schauen, welches Boni-Feld man als nächstes erreichen möchte.

Das Provinz-Tableau

Marktaktion (Marktplatz)
Auf dem Markt können die auf dem eigenen Tableau bereits platzierten Märkte aktiviert werden. Einerseits können hier durch Einsatz eines Arbeiters bis zu drei verschiedene Märkte oder durch Einsatz eines Arbeiters inkl. eines Würfels gleiche Märkte ausgelöst werden. Der Spieler erhält dann für jeden gewerteten Markt die entsprechenden Einnahmen gutgeschrieben.

Aktionen im Palast

Die Aktionen im Palast sind grundsätzlich in drei verschiedene Bereiche aufgeteilt. Für jeder der Aktionen muss natürlich ein Arbeiter eingesetzt werden. Zusätzlich müssen für einige Aktionen auch Würfel abgegeben werden. Hierbei gilt, dass für manche Aktionen ein Würfel mit einer bestimmten Augenanzahl bzw. einer bestimmten Farbe abgegeben werden muss.

Aktionen für Würfel mit bestimmter Augenzahl
Aktionen für Würfel mit bestimmter Farbe

Flussaktion (Hafen)
Über die Flussaktionen kann man sein Schiff um 1 bis 3 Felder (je nach eingesetzter Würfelzahl) auf dem Flussfeld fortbewegen. Schiffe anderer Spieler werden hier einfach übersprungen ohne das Feld mitzuzählen. Auf jedem Feld des Flusses ist ein Bonus abgedruckt, den der Spieler dann erhält. Zudem kann über den Fluss – beim Unterqueren der Brücke – der dort abgelegte zusätzliche Arbeiter erworben werden.

Der Blick auf den Ganges

Die Aufwertung der Gebäude
Hier wird festgehalten, wie viele Ruhmespunkte der Spieler bei der Platzierung eines Plättchens mit dem entsprechenden Gebäude erhält. Durch Boni oder Aktionen kann dieser Wert erhöht werden.

Karma
Über das Karma (Wert 0-3) kann der Spieler seine Würfel manipulieren. Für die Ausgabe eines Karma-Punktes kann ein beliebiger Würfel auf die gegenüberliegende Seite gedreht werden.

Spielziel
Wie sooft geht es auch bei Rajas of the Ganges darum, die meisten Punkte zu erreichen. Rajas of the Ganges bietet hierbei aber einen besonderen Kniff. Siegpunktleisten sind ja in Spielen durchaus Gang und Gäbe, und auch bei diesem Spiel werden Leisten für Ruhmespunkte und für Geld genutzt. Die Besonderheit hierbei ist jedoch, dass beide Leisten gegenläufig verlaufen und das Spielende ausgelöst wird, sobald sich die Marker eines Spielers auf diesen Leisten „treffen“. Gewonnen hat dann der Spieler, der nach dem „Treffen“ seiner Marker die größte Distanz zwischen seine Marker bringen konnte. Neben dem Anreiz Siegpunkte über die Leisten zu sammeln, sind hier auf beiden Leisten einige Boni abgedruckt sowie neue Arbeiter abgelegt, die man mit erreichen des entsprechenden Feldes bekommt.

Wie spielt sich Rajas of the Ganges?

Rajas of the Ganges ist für mich – obwohl nicht nominiert – ein typisches Kennerspiel des Jahres. Es bietet eine überschaubare Komplexität, ohne dabei kompliziert zu sein. Hierbei verzahnt Rajas of the Ganges gekonnt einige schöne Spielelemente. Bestimmend ist natürlich das Worker-Placement Element – ganz klassisch. Zudem kommt auf dem Provinz-Tableau beim Bauen ein kleines Legespiel hinzu und da als Rohstoffe Würfel dienen, ist auch ein bisschen Würfel-Management integriert. Alles nichts Neues und schon gar nicht Innovatives, aber in der Kombination harmonisch zusammengefügt und zu einem tollen Spiel geformt.

Die beiden gegenläufigen Leisten für Geld und Ruhm bieten zudem noch einen kleinen Kniff, der das Spiel interessant macht und von der Masse abhebt. Es gibt hiermit zwei Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen und insbesondere Geldleiste ist hier sehr variabel, da ja auch für viele Aktionen wieder Geld ausgegeben werden muss. So bekommt man beispielsweise in einer Runde ein Ruhmespunkte hinzu, muss hierfür aber Geld ausgeben, so dass man dem Sieg nicht unbedingt näher gekommen ist. Hier eine gute Balance zu finden, ist der entscheidende Punkt im Spiel. Aufgrund der variablen Bedingungen, die durch die Augenzahl der Würfel, die Würfelfarbe und natürlich auch den belegten Plätzen durch die Mitspieler vorgegeben werden, spielt sich doch jedes Spiel ein bisschen anders und man muss seine Taktik jeweils spontan anpassen und das Beste aus seinen Möglichkeiten machen.

Wo Würfel im Spiel sind, spielt das Glück natürlich auch eine Rolle. So benötigt man beispielsweise für das Bauen eher hohe Augenwerte und für das Reisen mit dem Schiff eher kleine Würfelwerte. So wird man auch durch die eigenen Würfel in seinen Aktionen etwas limitiert. Man kann die Augenzahl zwar durch Karma beeinflussen, allerdings ist das Karma oft auch eher Mangelware. In einigen Phasen fühlt man sich teilweise dadurch etwas gespielt. Aber mich stört das z. B. gar nicht. Man muss halt aus den vorhandenen Gegebenheiten das Bester herausholen. Zudem kann man sich durch gutes Würfel-Management viele Optionen schaffen. Außerdem geht es den anderen Spielern ja nicht anders. Ein kleiner aber feiner Nebeneffekt davon ist, dass man sich keine erfolgsversprechende Standard-Winning-Strategie verfolgen kann, sondern sich jedes mal wieder neu auf die Situation einstellen muss. So fühlt sich jedes Spiel doch etwas anders an. Mal versucht man mehr auf Ruhmespunkte als auf Geld zu setzen, mal mehr mit dem Schiff zu reisen, mal mehr auf Märkte oder mehr auf Gebäude zu setzen.

Wiederspielbarkeit

Aus meiner Sicht bietet Rajas of the Ganges eine hohe Wiederspielbarkeit. Wie schon erwähnt verläuft jede Partie für mich gefühlt immer etwas anders. Zusätzlich sind in der Anleitung gleich ein paar Varianten enthalten.
Es gibt einerseits Plättchen für den Fluss, so dass hier einige Felder ausgetauscht werden können. Außerdem haben die Provinztableaus eine Rückseite. Hier kommen dann neue Boni ins Spiel, die über eine Aktion im Palast aufgewertet werden können.

Gerade durch die zweite Variante werden aus meiner Sicht die Boni bzw. das Feld der Tänzerin (2) etwas abgeschwächt. Zumindest ist dies in unseren Runden immer sehr beliebt, da man neben zwei Würfeln auch noch ein Bonusplättchen erhält. Dies macht das Spiel gefühlt etwas langsamer, da die aufgedruckten Boni des Provinztableaus nicht so attraktiv sind und man diese gerne aufwerten möchte.

Qualität

Das Material macht einen wirklich guten Eindruck. Insbesondere die vielen Würfel schauen toll aus. In den ersten Auflagen soll es wohl ein Problem mit den Würfeln gegeben haben, da sich hier wohl die Farbe der Augenzahlen löste. Dies scheint man aber in den Griff bekommen zu haben, da ich solch ein Verhalten nicht feststellen konnte.

Das Spielbrett ist schön designed, bietet aber trotzdem noch eine gute Übersichtlichkeit. Außerdem wird eine gute Iconographie verwendet, die einen durch das Spiel leitet, so dass während des Spiels kaum Regelfragen entstehen. Die Regel an sich ist gut strukturiert und lässt keine Fragen offen.

Fazit

Michis Meinung

Rajas of the Ganges ist ein tolles Spiel auf Kennerspiel-Niveau. Die Regeln sind leicht erklärt und das Spiel spielt sich durchaus flott. Wer Worker-Placement und ein bisschen – durchaus beeinflussbares – Glück durch Würfel mag, der kann bedenkenlos zuschlagen. Für mich eines der Highlights des Spielejahres – nicht im Sinne von Überspiel, aber eines dieser Spiele, die eigentlich jeder mag.

Zusammenfassend

Spielspaß

Gutes Spiel!

Rajas of the Ganges hat für mich das Zeug zum zeitlosen Klassiker. Es ist eines dieser Spiele, dass fast jeder mag und das man immer wieder gerne auf den Tisch bringt - eigentlich ein typisches Kennerspiel des Jahres. Nicht zu komplex, aber viele Optionen und das ohne Verkopft zu sein.

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Michi

Hallo, ich bin Michi, 1980 geboren und aus der Nähe von Bremen und relativ frisch hier dabei. Egal ob Eurogame oder feinster Ameritrash, ich mag Spiele, die auch eine Geschichte erzählen und ein cooles Thema/Artwork haben. Ich mag die Szene und den Umgang miteinander und hoffe euch hier gute Tipps geben zu können. Möge nicht nur nein Geldbeutel schrumofen ;) Viel Spaß beim Lesen.

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