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Rezension: Schadowrift

Ein heroischer kooperativer Deck Builder

Worum geht’s?

Haven Town ist unter Belagerung, wilde Horden unterschiedlichster Monster betreten durch Schattenrisse (Shadowrifts) unsere Welt und wollen die Stadt vernichten. Jetzt ist es an uns zusammenzuhalten und die Armeen der Schatten zurückzudrängen. Um dies zu tun, verbessern wir unser Deck mit mächtigen  Zaubersprüchen, Attacken, Fähigkeiten und Beute und werden so vom einfachen Abenteurer zum mächtigen Magier oder schlagkräftigen Krieger.

Aber auch dann ist man immer noch auf die Unterstützung der Bewohner angewiesen. Viele eilen zur Hilfe und es finden sich Reisende, die uns in unserem Kampf unterstützen. Aber immer wieder gibt es Attacken der Monster, die Dorfbewohner töten, Wälle einreißen oder uns verwunden. Die Monsterhorden werden nicht stoppen bis alle Risse versiegelt oder die Stadt mit mächtigen Wällen komplett geschützt ist. Also gehen wir es an!

Shadowrift ist ein kooperativer Deck Builder für 1 bis 6 Spieler. Wer meine Rezension zu Aeon’s End gelesen hat, wird verstehen, warum ich auf der Suche nach ähnlichen Spielen war. Eines vorweg: Shadowrift ist nicht ganz so großartig, wie Aeon’s End, aber trotzdem ein super Spiel und für alle geeignet, die Deck Building, thematische und kooperative Spiele mögen.

Wie spielt sich Shadowrift?

Jede Spielrunde ist in acht Phasen unterteilt:


1. Karten ziehen
Wie bei einem klassischen Deck Builder hat man in der vergangenen Runde all seine Karten ausgespielt oder abgeworfen und zieht nun fünf Karten. Hierbei werden direkt einige Effekte von gezogenen Karten, wie z. B. „ziehe noch eine Karte“, abgewickelt.

2. Stadt befüllen
Auf dem Spielplan ist auch die Stadt an sich abgebildet und hier tummeln sich im Laufe des Spiels diverse Bewohner, die wir zur Unterstützung anfordern können. Hier werden in dieser Phase immer sechs neue Bewohner ausgelegt.


3. Reisende auslegen
Nicht nur die Bewohner sind unsere ständigen Begleiter, sondern auch Reisende suchen unser Städtchen auf. Hier werden immer zwei neue Reisende aufgedeckt, die man später „kaufen“ kann und den Bewohnern der Stadt hinzufügen kann.


4. Monster greifen an
Im oberen Viertel des Spielfelds sind die Monster aktiv. Die ausliegenden Monster werden anhand der Reihe weiter nach rechts verschoben (z. B. von Feld 1 auf Feld 2) und der dazugehörige Effekt auf der Monsterkarte abgehandelt. So wird z. B. bei einem Monster bei Betreten des ersten Feldes ein Bewohner der Stadt getötet und beim Betreten des zweiten Feldes den Spielern eine Wunde zugefügt.


5. Monster Punkte
Die Monster erhalten Punkte in Höhe der Anzahl der Mitspieler. Dazu kommen noch Punkte für Monster oder andere Karten, die bereits in der Power-Area der Monster liegen.

6. Monster nachfüllen
Für die in Phase 5 erhaltenen Punkte betreten nun neue Monster das Spiel. Sind beispielsweise 9 Punkte im Pool und eine Monsterkarte, die 5 Punkte kostet liegt oben auf, so wird diese ins Spiel gebracht. Danach wird die nächste Karte aufgedeckt. Kann diese für die 4 übrigen Punkte ins Spiel gebracht werden, so wird auch diese aktiviert. So kann es dazu kommen, dass mehrere Monster gleichzeitig erscheinen und einen Ort besetzen.

7. Spielerzug
Jetzt sind die Spieler an der Reihe. Eine Besonderheit hierbei: die Spieler sind nicht im  Uhrzeigersinn an der Reihe, sondern können ihre Karten beliebig ausspielen. So kann z. B. eine Karte gespielt werden, die einen Angriff eines anderen Spielers unterstützt. Alle starten übrigens mit den gleichen Karten.

Grundsätzlich haben die Spieler hier folgende Möglichkeiten mit ihren Karten:

Angriff: Es gibt diverse Karten, die für den Angriff auf die Monster genutzt werden können. Jedes Monster bekommt dann entsprechende Schadensmarker bzw. wird wieder unter das Monsterdeck geschoben, wenn es besiegt wurde. Erfolgt dies erhalten die Spieler Belohnungen in Form von Karten.

Einkaufen: Wie bei eigentlich jedem Deck Builder können natürlich auch neue Karten aus der Auslage erworben werden.

Coins: Neben der auf den Karten aufgedruckten Währung „Prowess“ können einige Karten auch mit der Hilfe der Münzen erworben werden. Diese kann man für zwei Prowess kaufen und einem für alle Spieler zugänglichen Pool hinzufügen.

Dauerfähigkeiten: Manche Karten haben einmalige Effekte, die durch Ausgeben bestimmter Ressourcen aber auch in die nächste Runde übernommen werden können.

Nutzen von Stadtbewohnern: Die ausliegenden Stadtbewohner bemühen sich redlich uns zu unterstützen. Man kann diese auf den Ablagestapel legen, um den jeweiligen einmaligen Effekt zu nutzen. So kann man beispielsweise Münzen oder andere Ressourcen erhalten oder Angriffe verstärken.

Reisende: Um das Stadtbewohner-Deck weiter aufzurüsten kann man Reisende anwerben. Diese kann ich wie Karten aus der Auslage kaufen. Nur füge ich diese nicht meiner Hand hinzu, sondern dem Ablagestapel der Dorfbewohner. In künftigen Runden werden diese nun in der Stadt aufgedeckt und können dort eingesetzt werden. Gleiches gilt für Mauern die man errichten kann. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Karten, die dem Stadtbewohner Deck hinzugefügt werden. Aber Vorsicht bei den Reisenden: Es gibt hier auch sogenannte Infiltratoren, die negative Auswirkungen haben. Diese werden beim Aufdecken sofort dem Ablagestapel der Stadt hinzugefügt.

8. Aufräumen
Die übrigen ausliegenden Stadtbewohner und Reisenden werden abgeworfen. Außerdem legen die Spieler ihre ausgespielten Karten (inkl. der übrig gebliebenen Handkarten) ab.

Spielziel

Sieg: Dem Monsterstapel werden Shadowrifts gemäß Spieleranzahl hinzugefügt. Gelingt es diese komplett zu verschließen (mit Hilfe einer Zauberspruchkarte) so gewinnen die Spieler das Spiel. Alternativ können auch alle acht ausliegenden Mauern gebaut werden. Sind alle gleichzeitig im Spiel, so ist die Verteidigung Haven Towns ebenfalls erfolgreich geglückt.

Niederlage: Sollte es jemals dazu kommen, dass keine Stadtbewohner (Infiltratoren nicht mitgerechnet) in der Stadt ausliegen, so ist das Spiel sofort verloren. Hierzu sei noch gesagt, dass wenn immer ein Stadtbewohner getötet wird, dieser aus dem Deck entfernt und unter das Deck für die Reisenden gelegt wird. Stattdessen wird eine Leichen-Karte dem Stadtdeck hinzugefügt.

Spielgefühl

Shadowrift ist regeltechnisch wirklich leicht verständlich. Anhand der klar vorgegebenen Phasen ist es leicht erlernbar und klar strukturiert spielbar. Während der Spielerphase wird’s manchmal etwas chaotisch, da es keine feste Spielerreihenfolge gibt. Aber das macht es eben auch aus. Während einer Belagerung ist es nun mal etwas hektisch und dann gilt es sich zu koordinieren, um das Bestmögliche zu erreichen. Gute Absprachen sind hier unbedingt erforderlich.

Die Illustrationen sind atmosphärisch und das Thema ist gut umgesetzt. Gerade die Verwendung der Stadtbewohner ist innovativ und belebt das Spiel. Man kann quasi von einem imaginären Mitspieler mit einem eigenen Deck sprechen, auf das alle anderen Spieler zurückgreifen können. Durch die Reisenden kann dieses Deck ebenfalls verbessert werden, durch die Leichen wird es verwässert und schwächer. Eine schöne und vor allem stimmige Mechanik.

Anders als z. B. bei Aeon’s End hat man (leider) keine speziellen Charakterfähigkeiten. Auf der anderen Seite lässt dies die Taktik bzw. Entwicklung des eigenen Decks natürlich offen und man kann frei bestimmen, in welche Richtung man sich entwickeln möchte. Aber ich glaube individuelle Fähigkeiten hätten das Spiel noch etwas aufgewertet. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Wiederspielbarkeit

Es gibt verschiedene Monstergruppen, die alle ihr eigenes Deck mitbringen. So trifft man immer wieder auf andere Gegner. Einige Monster bringen sogar noch zusätzliche Decks mit. Die Drachen z. B. haben ein Deck mit Verbrennungen, die man bei Angriffen erhält, die beim ziehen in Phase 1 weitere Wunden verursachen. Die Drows (Nachtelfen) beschwören Totems, die wiederum die ausgespielten Monsterkarten verstärken bzw. einige Effekte erst ermöglichen. Das ist natürlich Atmosphäre pur.

Es gibt gewisse Karten, die in jedem Spiel involviert sind. Die Auslage an sich kann aber variiert werden. So gibt es diverse Karten, die verschiedene Taktiken erlauben. Für die ersten Spiele ist aber eine Aufbauempfehlung für jeden Gegnertyp vorhanden – man kann aber natürlich auch eine zufällige Auslage zusammenstellen. Inwiefern das zu Lasten des Balancing geht’s kann ich noch nicht beurteilen, da ich mich bislang an die Vorgaben gehalten habe.

Auf jeden Fall ist genügend Wiederspielreiz vorhanden und das Spiel bietet ordentlich Abwechslung. Zudem sind bereits zwei Erweiterungen erschienen und eine dritte ist in den Startlöchern.

Erweiterungen

Eve of the Sickle Moon: Durch diese Erweiterung werden neue Karten in Form neuer Gegner und neuer Karten für die Auslage ins Spiel gebracht. Mechanisch ändert sich nichts – einfach mehr von Allem.


Archfiends: Mit der Archfiends Erweiterung kommen Anführer für die Monster ins Spiel. Sie bringen wiederum ein eigenes Deck mit. Zu Beginn der Spielerphase wird hier eine Karte aufgedeckt. Die Spieler können diese dann entweder abhandeln oder unter die Charakterkarte des Anführers legen. In diesem Fall bekommt er dann zusätzliche Kräfte und Leben im Endkampf. Bei Nutzung der Erweiterung müssen nämlich nicht nur die Shadowrifts geschlossen, sondern auch noch der Endgegner besiegt werden.

Ich habe bislang erst einmal mit der Erweiterung gespielt. Es macht das Spiel auf jeden Fall runder – aber auch viel schwerer. Für geübte Spieler bringt es aber definitiv einen neuen Kniff ins Spiel.


Fazit

Michis Meinung

Aus meiner Sicht ist Shadowrift ein wirklich schönes Spiel. Es neigt zwar dazu etwas chaotisch zu werden, aber wenn man das im Griff hat, dann ist es wirklich ein fordernder Deckbuilder. Insbesondere thematisch bzw. atmosphärisch macht das Spiel ordentlich was her. Einziger Kritikpunkt oder aber auch Pluspunkt ist, dass man von Anfang an stark unter Druck steht. So kommt man manchmal gar nicht dazu sein Deck wirklich ausschlaggebend zu verbessern, da man eher mit der Abwehr der Monster beschäftigt ist. Hier muss man sich tatsächlich gut absprechen und sich evtl. von Beginn an festlegen in welche Richtung man sich

spezialisiert. Es macht z. B. keinen Sinn, dass jeder Spieler sich magische Fähigkeiten aneignet, da diese durch andere magische Karten wieder verstärkt werden können. Viel Zeit zum Entfalten gibt es nicht und es gibt Spiele und Phasen, da reagiert man nur.

Das Spiel regt definitiv zur ausgiebigen Kommunikation an, um kooperativ am cleversten vorzugehen. Allerdings artet es – zumindest in unseren Runden – nicht in endlose Diskussionen aus. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass das „Durcheinander“ beim Ausspielen der Karten auch schon dazu geführt hat, dass einige Mitspieler das Spiel ganz schrecklich fanden. Wenn jemand zum Beispiel nur für sich seinen Zug runterspielt, dann kommt schlecht diese Dynamik auf, die das Spiel eigentlich ausmacht. Wenn dann auch noch die Phasen nicht korrekt beachtet werden und Leute teilweise schon Karten ausspielen, wenn noch jemand das Monsterdeck abhandelt, dann ist Chaos und Frust vorprogrammiert – hier sollte man unbedingt immer Step-by-Step vorgehen.

Das Material ist ok. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Karten habe ich jedenfalls gesleeved. Das Design der Karten bzw. die Illustrationen sind wirklich schön. Ich persönlich hätte es nur noch schöner gefunden, wenn man den Text-Part etwas kleiner gefasst hätte und dafür den Illustrationen etwas mehr Platz auf der Karte gegönnt hätte.

Alles in Allem ein schöner kooperativer Deck Builder. Für Spieler die thematische Spiele mögen, ist Shadowrift auf jeden Fall einen Blick wert. An Aeon’s End kommt es aus meiner Sicht trotzdem nicht heran. Das spielt sich dann doch etwas flüssiger und spannender. Wer Aeon’s End schon hat und wie ich auf den Geschmack gekommen ist, der sollte sich Shadowrift aber mal anschauen – alle anderen sollten sich erst einmal meine Rezension zu Aeon’s End ansehen.

Das Spiel ist derzeit nur auf Englisch erhältlich. Von Übersetzungsplänen habe ich bislang noch nichts gehört. Kann ich mir im Moment auch nicht wirklich vorstellen, da Shadowrift derzeit doch eher ein etwas unbeachtetes Spiel ist.

Da es für viele immer interessanter wird: Es gibt spezielle Regeln für das Solo-Spiel. Diese habe ich aber noch nicht probiert. Im Zweifel übernimmt man auch einfach die Rolle von zwei oder drei Spielern, um etwas mehr zu experimentieren.

Zusammenfassend

Spielspaß

Gutes Spiel

Shadowrift ist ein toller kooperativer Deck Builder - atmosphärisch dicht und fordernd. Die Mechaniken mit den Dorfbewohnern und Reisenden ist innovativ und fügt sich super ein. Die verschiedenen Gegner und Karten für die Auslage garantieren einen hohen Wiederspielreiz. Bis man hier erstmal alles ausprobiert hat, vergehen schon einige Partien. Der kooperative Aspekt kommt stark durch - eine Absprache der Spielzüge ist notwendig. Dies kann allerdings auch mal etwas chaotisch werden. Alles in allem in grundsolider Deck Builder, der insbesondere thematisch punkten kann. Allerdings steht man teilweise so unter Druck, dass man sich manchmal "gespielt" fühlt und sein Deck kaum weiterentwickeln kann. Wer Aeon's End schon kennt und ähnliche Spiele sucht, findet hier ein durchaus forderndes Spiel - mit Aeon's End, kann es aber nicht ganz mithalten. Wer Aeon's End noch nicht kennt, sollte hierzu erst meine Rezension lesen und erstmal dort zuschlagen. [taq_review]

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Michi

Hallo, ich bin Michi, 1980 geboren und aus der Nähe von Bremen und relativ frisch hier dabei. Egal ob Eurogame oder feinster Ameritrash, ich mag Spiele, die auch eine Geschichte erzählen und ein cooles Thema/Artwork haben. Ich mag die Szene und den Umgang miteinander und hoffe euch hier gute Tipps geben zu können. Möge nicht nur nein Geldbeutel schrumofen ;) Viel Spaß beim Lesen.

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