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Rezension: Revolution of 1828

1828 …was bitte?

Was für ein spezielles Thema! Der amerikanische Wahlkampf ist für uns Europäer ja schon weit weg, aber der Präsidentenwahlkampf 1828 zwischen John Quincy Adams und Andrew Jackson dürfte wohl kaum jemandem ad hoc präsent sein. Ich selber habe eine kleine Sammlung von Spielen, hauptsächlich Wargames, mit dem Thema der amerikanischen Geschichte. Umso mehr war ich deshalb sehr gespannt auf das neue Spiel von Stefan Feld.

Zeitlich befinden wir uns zwischen der Amerikanischen Revolution und dem Bürgerkrieg. In einer Zeit, die geprägt war von Unsicherheit, Spannungen und ersten Konflikten, die im Jahr 1861 in dem „Civil War“ ihren Höhepunkt fand. Was war denn jetzt so besonders an diesem Wahlkampf 1828? Laut Schachtelaufdruck soll es sich dabei um den ersten Wahlkampf gehandelt haben, bei dem die „Schmutzkampagne“ Einzug in die Geschichte fand. Ob der Wahlkampf 1828 tatsächlich der „erste“ Wahlkampf mit Schmutzkampagnen war, wie es in der Beschreibung des Spiels steht, stelle ich mal so dahin. Es gibt auch Stimmen die sagen, dass der Wahlkampf 1800 bereits mit schmutzigen Tricks geführt wurde. Damals verlor übrigens der Vater von Adams gegen den berühmten Thomas Jefferson. Schon bei diesem Wahlkampf hatte zum Beispiel Adams mit veröffentlichten Briefen zu kämpfen. Für das Spiel ist das völlig egal, aber wenn ich so eine Aussage auf der Schachtel treffe, sollte sie auch stimmen.

Transparenzinfo
Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar von Pegasus Spiele. Siehe hierzu unsere Transparenzinformationen.

Spielablauf

Das Spiel selber ist ein simples Mehrheiten-Spiel, ähnlich aufgebaut wie Hanamikoji. Der Spielplan besteht aus fünf farbigen Staatenbereichen der damaligen USA. In jedes dieser Felder werden zufällig drei Wahlplättchen gelegt. Das können in den meisten Fällen farbige Delegierte sein oder Sonderplättchen wie Schmutzkampagnen oder Kampagnenaktionen. Abwechselnd ziehen die Spieler jetzt ein Plättchen, Delegierte werden unter den farblich passenden Staatenbereich gelegt, Schmutzkampagnen sind schlichte Joker was die Farbe angeht und die Aktionsplättchen bieten bestimmte Möglichkeiten, den Verlauf zu verändern. So zwingt zum Beispiel das „Agenda“ Plättchen den gegnerischen Spieler, aus einer bestimmten Region ein Plättchen zu nehmen. Mit „Nachrichten“ kann man eine Schmutzkampagne dem Gegner geben. Wer am Ende der Runde die meisten Schmutzkampagnen hat, verliert Punkte. Insgesamt gibt es sieben verschieden Plättchen.

Der Twist dieser Mechanik ist das letzte genommen Plättchen in einer Reihe. Derjenige der es nimmt, bekommt den Wahlmann der Region (Extrapunkt) und MUSS einen weiteren Zug ausführen. Das ist nicht immer zwingend positiv. Hier entsteht ein angenehmes Taktieren und Vorausdenken der Züge. Wenn ich das nehme, dann nimmt er das und ich das usw.

Am Ende der Runde erfolgt die Wertung der Staatenbereiche. Wer mehr Delegierte auf seiner Seite liegen hat, gewinnt und bekommt Punkte in Form Stimmplättchen. Dazu gibt es Punkte für die meisten Aktionsplättchen und wer die meisten Schmutzkampagnen hat, muss Punkte an den Gegner lassen. Das Ganze geht vier Runden und dann wird abgerechnet.

Komponenten

Frosted Games und Komponenten, da läuft eigentlich nie was falsch. Nach dem genialen 13 Tage, Eiserner Vorhang, Vetternkrieg und Hochverrat ist es mein fünftes Spiel von dem Verlag und was soll ich sagen, das Material ist top notch. Die Plättchen sind dekadent dick, das Artwork ist toll, ich liebe das Cover, und die Anleitung bietet neben den eigentlichen Regeln mehrere Seiten geschichtlichen Hintergrund.

Fazit

Gunnar meint

Ich hatte mich nach der Ankündigung sehr auf das Spiel gefreut. Trotz Stefan Feld. Nicht böse gemeint, Herr Feld hat eine riesige Fangemeinde. Ich gehöre nicht dazu. Mir sind seine Spiele zu abstrakt / mechanisch. Es gibt genügend thematische, komplexe Euros die mich begeistern. Aber das ist Geschmackssache und nicht wertend gemeint. Wie also geht so ein Auto an so ein Thema heran? Das Thema passt einfach zu gut in meine Sammlung, als das ich nichtmal probieren würde. Ich habe ein Faible für die amerikanische Geschichte. In diesem Spiel erlebe ich aber keine amerikanische Geschichte. Nach drei Spielzügen habe ich vergessen worum es in diesem Spiel thematisch geht. Es ist dermaßen abstrakt und hat zugleich ein dermaßen spezielles Thema. Das passt nicht. Natürlich gibt gerade im Euro-Bereich unzählige Spiele mit einem aufgesetztem Thema. Der Unterschied, hier hat man das Thema mit einem Mikroskop in der Weltgeschichte gesucht und dann bei Implementieren des eigentlichen Spiels nicht mehr auf der Mikro-Ebene weitergearbeitet.

Die Mechanik selber ist grundsolide und ich finde sie sogar besser als bei Hanamikoji. Irgendwo im gehobenen Familienspielbereich angesiedelt, ist kluges Vorrausdenken der Schlüssel zum Sieg. Durch das variable Setup ist kein Spiel wie das andere. Aber wo ist das bitte der Wahlkampf von 1828? Die Schmutzkampagnen, wir erinnern uns, die Aufmacher des Spiels, sind schlichte Joker. Die anderen Aktionsplättchen lassen ganz weit entfernt ein Fitzelchen Thema erkennen. Viel zu wenig, wenn ich das Spiel mit einem derart speziellen und punktuellen Thema versehe.

Man soll ja bei Rezensionen nicht über Zielgruppen sprechen. Ich spreche jetzt trotzdem mal darüber. Für wen ist dieses Spiel? Stefan Feld Fans wird das (nicht vorhandene) Thema abschrecken. Mehrfach gehört in meinem Umfeld. „History“- Fans wie ich lehnen dankend ab, weil keine „History“ in diesem Spiel ist. Also für wen ist dieses Spiel? Ich weiß es nicht. Man hätte besser daran getan, es mit einem nicht so speziellen, Standard Euro Thema zu versehen. Die Feld-Fans hätte es gefreut. So wird es dem selbst auferlegten Thema nicht gerecht und scheitert für mich damit total. Schade!

Wie es besser geht zeigt Hochverrat! von Frosted Games. Super spezielles Thema, kurze Spielzeit und trotzdem trieft es vor Thematik.

Insgesamt habe ich das Spiel 8 mal gespielt. Die Partien dauerten zwischen 30-35 Minuten.

Geschrieben von
Baujahr 76 mit Leidenschaft zu komplexen Euros. Grundsätzlich aber immer offen für fast alles. Hauptsache es wird gespielt! Ein Spiel muss zudem "schön" aussehen, ja das geht auch bei Euros. Stark Abstrakte Spiele kommen mir nicht auf den Tisch, genauso wenig wie Carcassonne und Splendor.

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