Kolumnen

Jahresrückblick 2016

Puh, ist das Jahr wirklich schon wieder vorbei? Zeit also für den obligatorischen BGJ Jahresrückblick – mittlerweile der 3.!

2016 war für BGJ ein Jahr mit vielen Veränderungen, genauso wie für mich persönlich. Jeder der schon länger hier mit liest weiß, in den Jahresrückblicken lass ich auch gerne Mal sehr persönliche Dinge einfließen.

Beginnen wir spielerisch mit 2016. Das erste Spiel an das ich mich 2016 aktiv erinnern kann ist Roll for the Galaxy. Man was hatte ich mich drauf gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Roll for the Galaxy ist bis heute – fast ein ganzes Jahr später – immer noch ein Renner für mich. Hunter & Cron gaben dem Spiel ihr Prädikat, meiner Meinung nach vollkommen zurecht.

2016 begann aber auch mit einem derben Rückschlag für mich: Ich schaffte nicht alle meine Uni-Prüfungen und musste somit um ein Semester verlängern. Wenn man, so wie ich, das Studium eher als Last empfunden hat, kann das einen ziemlich runterziehen. Ich hielt aber am positiven fest. Die neue und erste gemeinsame Wohnung war in Planung – die Zusage des Vermieters in der Tasche. Also ran an den Speck, für die Prüfungen büffeln und nach vorne schauen. Heute weiß ich: Hat funktioniert, war halb so schlimm und ich hatte ein weiteres halbes Jahr mehr Zeit für BGJ.

BGJ plätscherte so etwas vor sich hin. Der Fokus lag immer mehr auf den Videos. Da probiere ich bis heute viel aus und bin bis heute noch nicht zufrieden. Gerade heraus gesagt: Ich hab meinen Stil noch nicht gefunden. Ich bin unstet und viel zu neugierig und interessiert, als dass ich mich mit Stillstand in diesem Bereich zufrieden geben könnte.

Dann kam die neue Wohnung und die RPC 2016. Beginnen wir mit der RPC. Diesmal zu dritt unterwegs machte Ines, Sebastian und mir der Tag auf der Messe viel Spaß. Die RPC war dann auch der Beginn meiner „Karriere“ als Cthulhu Spielleiter und meinem größer werdenden Interesse für Pen&Paper. Wobei das ehrlicher weise schon vorher mit einer Einladung zu einer Shadowrun 5 Runde geweckt wurde. Pen&Paper Spiele sind eine tolle Welt und immer wieder entdecke ich dort Dinge, die ich bei Brettspielen vermisse. Allerdings ist Pen&Paper gefühlt 100 Mal zeitintensiver als Brettspiele.

Die neue Wohnung bezog ich vor der RPC – 1.4.2016 war der Stichtag. Dem Umzug geschuldet ruhte BGJ etwas, doch endlich hatte ich ein Zimmer eigens nur für Spiele und Videos. Die Videos wurden besser und phasenweise zahlreicher. Immer noch probierte ich viel aus. Der Heidelberger Spieleverlag kam als unterstützender Verlag hinzu – vielen Dank an dieser Stelle an Ralf Siedeck und Michelle Reiche – die vorherige und aktuelle Marketing-Leitung bei den Bären. Jeder weiß: Die Bären sind spielerisch meine größte Heimat. Pegasus Spiele legt zwar hart nach, aber die Bären – da hängt mein Herz.

Gleichzeitig musste ich aber eine bittere Pille der Selbsterkenntnis schlucken: Diese ganzen Rezensionen – in der Quantität und Qualität, das schaffe ich nicht. Mit jedem Verlag der dazu kam, wurde das Pensum erstmal höher. Das hat mehrere Gründe: Erstens freut man sich den Zuschauern und Lesern die neuen Spiele präsentieren zu können, zweitens möchte man sich ein Stück weit beim Verlag beweisen. Beweisen, dass die Rezensionen kommen und nicht ewig brauchen.

Dieser Druck, den ich mir hauptsächlich selbst machte, nahm mir phasenweise vollkommen den Spaß an der Sache.

Dann erinnerte ich mich an eine E-Mail: Sebastian Wenzel – Journalist, Leiter von SpieLama und vom Internet als „Imperator des Wenzel-Imperiums“ betitelt – wollte zu Beginn meiner YT-„Karriere“ mit mir zusammenarbeiten.

Kooperation.

Ein viel zu kleines Wort in einer Szene, die selbst ziemlich klein ist (Obwohl es mittlerweile über 100 verschiedene Brettspielblogs gibt).

Ich schrieb Sebastian. Wir telefonierten und die Sache war klar: Alex steigt als Rezensent bei SpieLama ein. So sehr und so oft ich Sebastian für seine Arbeit wegen spielen.de, der Datenbank und dem Forum kritisiert habe, so sehr kann ich heute sagen: Danke Sebastian. Sebastian kümmert sich um seine Truppe. Alles nette Menschen. Basti, Fabi und Jan, auch wenn ich ihre Meinung nicht immer Teile. Das muss ja aber nicht sein. Zusammen bringen wir SpieLama weiter.

SpieLama weiter bringen… Das bedeutete für mich auch jegliche eigenen Ambitionen begraben. Denn mit meinem begrenzten Zeitbudget geht nur eines von beiden – zumindest auf die Videos beschränkt. Natürlich kommen hier auf Boardgamejunkies.de noch neue Artikel, das ist ja schließlich mein Baby, aber Videos für zwei Kanäle, das schaffe ich definitiv nicht.

Aber noch ein paar Worte zur Szene. Da hat sich ja einiges getan. Hunter&Cron haben neue Gast-Rezensenten, neue Blogs kamen auf die Idee der Brettagogen mit ihrem Adventskalender erblickte das Licht der Welt. Ich wollte erst mitmachen, hab es zeitlich dann aber absolut nicht geschafft und das, obwohl ne Menge Vorlaufzeit da war. Aber der neue (und erste) richtige Job nimmt gerade in der Anfangszeit mehr mit, als ich es hätte vermuten können.

Die nächste Sau die (erneut) durchs Dorf getrieben wurde, war der „New Boardgame Journalism„. Erneut das Wort Journalismus… Wobei ich sagen muss, setzt man es so um, wie Guido Heinecke sich das vorstellt, könnte man es durchaus als Journalismus bezeichnen. Geschichten erzählen, Erlebnisse und Emotionen rüberbringen und nicht trocken die Spielregel abschreiben. Ich für meinen Teil denke dazu folgendes: Jeder hat seine Schreibe, jeder verfolgt ein anderes Ziel mit seinem Blog. Guidos Schreibe auf TricTrac war sehr erfrischend und abwechslungsreich, hätte jeder Berichte dieser Art geschrieben, hätte ich deutsche Blogs schnell als Informationsquelle für Kaufentscheidungen abgehakt. Die trockenen Fakten sind nicht alles, doch mir waren sie schon immer mit am wichtigsten. Klar im Laufe der Zeit hab auch ich erkannt: Regeln abschreiben, das kann’s nicht sein. Trotzdem will ich – ähnlich einer Erörterung aus der Schulzeit- mit Pro und Contra Begründen warum ich ein Spiel so oder so einschätze.

Aber an dieser Stelle sei gesagt: Guido, danke für deine Arbeit bei TricTrac, danke für deine Arbeit in der SdJ-Jury, jetzt zieh die richtigen Fäden als Geschäftsführer!

Doch wo wir gerade bei Rezensionen sind – wie hat sich das bei mir entwickelt? Ich bin kritischer und härter geworden. Schlechte Spielregeln nerven mich am allermeisten. Rezensionen wie zu Shadows over Normandie und jüngst Myth mögen für manchen nicht den Anspruch einer vollständigen Rezension genügen, das ist ok für mich, aber es ist alles, was ich solchen Produkten entgegnen kann. Für mich sind schlechte – wir sprechen hier von wirklich schlechten – Spielanleitungen nicht bloß keine Fehler, sondern ich unterstelle Mutwilligkeit. Ob eine Anleitung einigermaßen funktioniert oder nicht, lässt sich ganz leicht testen: Man gibt das Spiel mit der Anleitung in eine jungfräuliche Gruppe. Die beiden genannten Spiele haben da von mir schon wesentlich mehr Zeit und Versuche bekommen, als ich im privaten Rahmen in ein Spiel stecken würde und das frustriert. Es frustriert die begrenzte Zeit die man hat, mit solch einem Mist zu verbringen. Natürlich kann man sagen, warum rezensierst du dann Spiele? Und 2 Spiele in einem ganzen Jahr, das ist ja im total im Rahmen. Und ja, da gebe ich Recht, es ärgert so sehr, weil es meiner Meinung nach nicht sein müsste.

Apropos Spiel des Jahres. Da gab es dieses Jahr einen Beitrag von Christoph Schlewinski zu dem ich mich öffentlich geäußert habe. Auf der SPIEL 16 versprach er mir eine Antwort. Lieber Herr Schlewinski: Ich warte immer noch! 🙂

So plätscherte 2016 so vor sich hin.

Die SPIEL16 kam und ich hatte dieses Jahr wesentlich mehr Routine als letztes Jahr. Ja das neue Parkleitsystem ist Mist, gängelte mich und meine Begleiter aber nur wenig. Der Presseausweis macht die Messe sehr angenehm und Termine sind stressig. Ich muss sagen: Ich versuche die Messe so weit es geht zu genießen und wirklich viel hab ich eh nicht zu Besprechen, daher halten sich die Termine in Grenzen. Es hat mich gefreut Sebastian und die anderen Lamas zu treffen und mit Ben am Portal Stand abzuhängen bzw. durch die Hallen zu schlendern. Nächstes Jahr gerne wieder!

Spielerisch wusste es mich genauso zu enttäuschen wie zu überraschen. Dazu aber mehr in meinem Video auf dem SpieLama-Kanal. Nur so viel: Das Highlight 2016 kam für mich kurz vor dessen Ende: Villen des Wahnsinns 2. Edition. Wow, was für ein Storytelling!

Und damit schließen wir auch. Wie war dein 2016? Was hat dich bewegt? Überrascht? Welches Spiel hat dir am besten gefallen? Ab damit in die Kommentare!

 

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Alexander

Hallo,
ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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1 thought on “Jahresrückblick 2016”

  1. Danke für die Zusammenfassung.

    Überrascht haben mich nur ein paar Spiele. Mansions of Madness und das Arkham Horror LCG waren sicher die größten Überraschungen. An beide hatte ich nich so hohe Erwartungen gesteckt. Vom Arkham Horror LCG musste ich mir mittlerweile noch ein zweites Core Set holen und da werd ich wohl mit jeder Erweiterung mitziehen. Beide Spiele sind von der Story her so großartig aufgebaut, dass ich wirklich keine Motivation mehr habe Arkham oder Eldritch Horror weiter zu spielen.

    Flamme Rouge hat mich auch sehr überrascht. Super simples und elegantes Design, das nach der ersten Partie einen etwas belanglosen Eindruck hinterlässt aber mit der Zeit seine Tiefe zeigt. Und da gibt es massig Potential für Erweiterungen. Vielleicht ein Top 10 Spiel für mich das einfach so aus dem Nichts kam.

    Die neue Version von Robo Rally stand Ende des Jahres plötzlich im Laden und ändert eines meiner Lieblingsspiele doch auf ganz viele unerwartete Arten ab und funktioniert wunderbar (nachdem man Hausregeln und Varianten eingebaut hat, was für Robo Rally ja aber eh standard ist).

    Mechs vs Minions kam ja auch recht schnell um die Ecke und hat hier auch super eingeschlagen.

    Ich dachte, New Angeles würde ein viel zu komplexes Spiel werden, das man eh nie auf den Tisch kriegt, weil zu wenig Hardcore Spieler dazu bereit sind. Ist dann aber doch anders gekommen und wird evtl. sogar Battlestar ersetzen.

    Die Exit Spiele haben mich an der ein oder anderen Stelle auch hart überrascht und insgesamt mehr Spaß bereitet als erwartet.

    Ansonsten halt ne Menge guter Spiele, von denen man vorher aber eh schon wusste was einen erwartet. Terraforming Mars, Star Wars Rebellion, Scythe, Fest für Odin, Kolonisten, Junk Art. Lässt sich sicher beliebig erweitern, waren ja einige gute Spiele dies Jahr dabei.

    Ich gucke mir weniger Videorezensionen an. Ich habe von jedem jetzt schon 300+ Videos gesehen und kenne deren Spielegeschmack. Ich spare mir die Zeit die alle zu gucken. Ich skippe in die letzte Minute und erhasche noch zwei drei Sätze mit Endgedanken und das reicht mir meist. Bei DiceTower versuche ich mittlerweile sogar nur noch zu gucken ob am Ende ein silber oder gold Logo bei rum kommt. Kommt selten vor, dass ich einem Youtube Video mehr als 40 Sekunden widme. Manchmal denke ich, es wär für mich sinnvoller wenn alle Rezensenten mir einfach eine Excel Tabelle schicken in denen hinter jedem Spiel „cool“, „nicht cool“ oder „meh“ steht. Wahrscheinlich finde ich das Schema mittlerweile ermüdend.
    Shut Up and Sit down und No Pun Included sind da die einzigen, die ich noch gucke. Die aber wirklich gerne.
    Und Videos, die vom Renzensionsschema abweichen, z.b. Essen Videos, Top Ten Listen, Jahresrückblicke, Diskussionsrunden (wie z.b. dein Video mit Basti und Ben). Also ja, ich versteh was Guido meint.
    Aber ich gucke son Kram vielleicht auch schon ein paar Jahre länger als der Durchschnitt. Ich hab das Gefühl, dass das Format für viele Brettspieler in Deutschland jetzt erst entdeckt wird und natürlich findet die breite Masse das noch total spannend. Wahrscheinlich ist Guido da auch schon ein paar Schritte weiter als der Markt es erfordert.
    Oder kurz gesagt: Mich persönlich würden mehr Videos abseits der Rezensionen sehr freuen 🙂

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