24 November, 2017

  • Boardgamegeek

Materialschlachten und ihre Nachteile

Materialschlachten und ihre Nachteile
Bildrechte bei Alexander Resch

Ich möchte diese Kolumne dazu nutzen, um über etwas nachzudenken, bei dem sich meine Meinung in der letzten Zeit stark geändert hat. Es geht um das Spielmaterial und seine Menge.

Bis vor ca. einem Jahr fand ich es fantastisch, wenn Spiele so viel material wie möglich mitbringen. Am besten alles schön groß und aus Plastik. Je mehr, desto besser. Das auch der Preis der Spiele damit steigt, war mir ziemlich egal. Ich wollte mehr, mehr und mehr!

Es ist ja auch wunderbare. Kartons voller Miniaturen, Pappmarker und mehr. Stundenlang kann man sich Gedanken machen wie man das alles aufbewahrt. Das gehört dazu, das macht Spaß, auch heute noch. Doch da gibt es etwas, das mich zunehmend stört. Es hat mit mehreren Faktoren zu tun. Seit ich BGJ gegründet habe, Spiele ich mehr, schaue mir Spiele auch öfter alleine an, versuche sie zu durchdringen, mache Fotos und Videos. Und was muss ich für all das tun? Ich muss die Spiele aufbauen!

Materialmenge und Spielaufbau(zeit)

Da hat man also diese riesige Menge an Material und muss es jedes Mal aufbauen. Karten in mehrere Stapel trennen, Tokens sortieren, Miniaturen bereitstellen, das Startspielmaterial ausgeben und und und.Das alles natürlich bevor man Spielen kann, bevor man Fotos machen kann, einfach bevor der Spaß los geht. Es gibt Spiele, die bekommen das nach einer guten Sortierung auch mit viel Material toll hin. Bei diesen Spielen ist es aber meist so, dass zwar viel Material, aber nicht viel unterschiedliches Material vorliegt.

Das Gegenbeispiel fällt mir immer wieder in die Hände, ich will es spielen, baue es auf und habe keine Lust mehr. Wie keine Lust mehr? Naja, ich spiele oft und gerne Abends, auch gerne Mal statt vorm PC zu sitzen und dann ist da dieses tolle Solo-Spiel Robinson Crusoe. Würde doch der Aufbau nicht so ewig dauern. Ich hab sortiert was geht. Das Problem ist einfach, man braucht jedes Teil, man muss Kartenstapel zusammenstellen, spielt man mit der Erweiterung „Die Fahrt der Beagle“ muss man auch noch schauen, welches Material ich nun in welchem Szenario brauche. Das alles ist anstrengend und frisst Zeit. Zeit, die ich mittlerweile lieber zum Spielen verwende. Bei Arler Erde habe ich in meiner Rezension die fülle an Material noch gelobt, da geht der Aufbau aber auch immer noch vergleichsweise schnell. Jeder Spieler hat sein Tütchen mit dem Material was er zu Beginn hat und der Rest wird ausgelegt, fertig. Robinson Crusoe braucht da mehr Vorbereitung. Es trifft aber nicht nur Robinson Crusoe, Eclipse (+ Erweiterungen), Pathfinder Abenteuerkartenspiel und viele mehr haben eine verdammt hohe Aufbauzeit.

Robinson Crusoe - Materialübersicht
Robinson Crusoe – Materialübersicht

Dagegen lobe ich mir mittlerweile Spiele wie z.B. Polis (um Mal ein positives Beispiel des gleichen Verlags zu nennen). Verdammt tiefes Spielgefühl, aber sehr wenig Material. Aufbauzeit? 10 Minuten, wenn man weiß, was wohin kommt.

Natürlich kommen äußere Umstände bei mir erschwerend hinzu. Ich kann ein Spiel quasi nicht stehen lassen. Mein Spieltisch ist mein Esstisch, ist mein Foto- und Videotisch und ist oft Mals noch mein Blogger/Uni-Tisch. Ihr seht, ich brauch mehr Tische! Geht nur leider nicht. 🙁

Man muss sich also damit arangieren, was man hat. Das bedeutet für mich, dass immer weniger die wirklich Aufbaulastigen Spiele auf den Tisch kommen. Wie oft hab ich Abends Lust auf eine Runde Arkham Horror! Aber der Aufbau! Argh!

Das soll kein Plädoyer an weniger Spielmaterial sein, es soll nur eine Problematik aufzeigen, die mich mehr und mehr beschäftigt. Genau wegen dieser Aufbauzeit bin ich immer mehr an Inlays und ähnlichen Lösungen interessiert, da diese die Aufbauzeit oft dramatisch verkürzen. Bei einem Robinson Crusoe, wo alles auf den Spielplan muss, wird das aber leider kaum helfen. Und so werden der liebe Robinson und ich noch viele Jahre Spaß haben, allein durch den Aufb- und Abbau.

Und jetzt bist du dran. Ja du, genau du vor dem Bildschirm! Wie hältst du es mit dem Spielaufbau und materiallastigen Spielen. Was hast du für positive und negative Beispiele? Lass hören, dafür sind die Kommentare da!

Über den Autor

Hallo,
ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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13 Kommentare

  1. Ines

    Meine Meinung ist da eindeutig: Ich liebe umfangreiche Spiele wie Twilight Imperium/Runewars etc. und ich liebe die Fülle an Material, die sie mitbringen. Das Aufbauen macht mir meistens sogar richtig Spaß, da es für haufenweise Vorfreude sorgt. Ich mache das immer bevor meine Mitspieler hier eintrudeln, dann kann direkt losgelegt werden. Das gehört meiner Meinung einfach zu diesen großen Spielen dazu (Btw Eclipse gehört für mich absolut nicht rein. Es dauert doch nicht lange im Aufbau..).

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    1. Alexander

      Ich finde schon, dass Eclipse + Erweiterungen einen recht Zeitintensiven Aufbau hat. Alleine das zurechtlegen der Steinchen auf dem Tableau bringt mich jedes Mal zum verzweifel (nein, die Teile von eRaptor sind es mir preislich nicht wert). Aber das kann natürlich jeder anders sehen.

      Den Spielaufbau empfinde ich aber so gut wie nie als Spaß, sondern als lästiges Muss.

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  2. TieMoe

    Mich stört die Materialfülle bei umfangreichen Spielen nicht. Es gehört halt dazu. Wenn ich keine Lust darauf habe, kommt halt „was Kleineres“ auf den Tisch. Wobei ich bei RC – Fahrt der Beagle auch tatsächlich etwas genervt war. Da die Bezeichnungen sich zum Teil ähneln oder sich zum Hauptspiel verändern. Hinzu kam ja noch für jedes Szenario das Regel lesen/verstehen.

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  3. Georg

    Ich hab genau das gleiche Problem, auch wenn ich keinen Studientisch brauche, ein aufgebautes Spiel ist einfach nicht mit den Vorstellungen meiner Frau über dauerhafte Tischnutzung in Einklang zu bringen. Ich mag Spiele mit viel Material, aber wenn das dann langwierige Aufbauten sind, wird doch schon wieder ärgerlich. Wobei das stark davon abhängt, ob ich alleine spiele oder mit einer Gruppe: Robinson Crusoe bin ich ja noch bereit den Aufbau für ein Solo-Spiel zu leisten, aber zum Beispiel Pathfinder ACG ist mir der Spießspaß im Vergleich zum Aufbau einfach zu dünn. P:ACG fühlt sich einfach eher an wie ein 5-Minuten-Setup-Maximum Spiel an, aber das Raussuchen aus der Kiste dauert ewig. Und ist einfach nicht sinnvoll zu beschleunigen. Sehr schade. Wenn es hingegen sowas wie Legenden von Andor ist, das wir eigentlich immer in der Gruppe spielen, dann wird der Aufbau auf alle Verteilt (einer ist für den Shop zuständig, einer für die Bank, einer für die Monster) und schon geht das ganze viel schneller. Aber für mich alleine als Solospiel würde ich mir das auch nicht antun.

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  4. Boardgame Bandit

    Moin,

    Materialfülle heisst nicht unbedingt, dass ein Spiel besser oder schlechter ist. Fakt ist aber, dass Spiele mit viel Geschichte nunmal Karten brauchen. Deswegen haben eher mechanische Spiele meist weniger Material und eher story-lastige Spiele mehr. Robinson Crusoe ist de facto ein Mix aus Eurogame und Ameritrash und hat deswegen so viel Material. Und für Robinson ist das auch wichtig. Davon lebt RC. Sonst wäre es ein reines Workerplacement-Spiel. Und wäre damit eins unter vielen.

    Gott sei Dank stellen sich mir solche Fragen nicht, ich hab 3 große Spieltische, kann also auch 3 Spiele stehenlassen, wenn ich will. Nervig finde ich nur, wenn wirklich das gesamte Material gebraucht wird (Descent, Shadows of Brimstone etc.) und somit den Platz blockiert. Oder wenn -wie z.B. bei Kingsport Festival- der Spielaufbau einen 1,20m BREITEN Tisch verlangt. Da lobe ich mir Spiele, bei denen alternative Aufbauweisen angeboten werden. Noch nerviger finde ich aber, wenn man Spielmaterial nicht schnell sortieren kann. Negativ-Beispiel sind die „Großen Alten“ bei Eldritch Horror, da kann man die verschiedenen Kartenarten kaum auseinanderhalten.

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    1. Alexander

      Zum Glück habe ich (hoffentlich) nirgendwo behauptet, dass die Qualität des Spiels von der Menge des Spielmaterials abhängt. Shadows of Brimstone, Arkham Horror, Eclipse und viele mehr sind meine absoluten Lieblinge.

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  5. Alexander

    Danke für eure Kommentare bis jetzt. Ich möchte noch Mal betonen: Mir geht es nicht nur um die Menge des Spielmaterials an sich, sondern auch um die Zeit, die der Aufbau benötigt. Es gibt Spiele, die haben viel Material und sind trotzdem schnell aufgebaut z.B. Arler Erde oder der Ringkrieg, dann gibt es Spiele wie Robinson Crusoe, da gibt es viel Material und der Aufbau dauert gefühlt ewig.

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  6. Ben Ken

    Hi,
    ich kann mich Ines nur Anschließen. Ich liebe die großen vollen Packungen mit viel Material. Das Aufbauen übernehme ich ebenfalls bevor die Spieler eintrudeln. Meistens wird es dann etwas knapp mit dem Platz, da wir meisten ein Spiel zum „Aufwärmen“ spielen. Es gibt aber tolle Vertreter wir King of Tokyo, die einfach wenig brauchen. 😉
    Dann kann es direkt losgehn.
    Früher haben wir immer gemeinsam aufgebaut, das dauerte aber wirklich lange (inkl. Regeln auffrischen oder erklären) und ich habe den einen Spieler dabei, der sehr ungeduldig ist und mich dann einfach ank***t (bevor jetzt der Einwand kommt: Kick in!… Es ist mein Bruder.^^)
    So übernehme ich das Aufbauen seit gut einem halben Jahr und wir haben spürbar mehr (Spiel) von unserem Abend.
    Stehen lassen wäre ein Traum. Geht leider nicht. Zusätlich opfere ich meine Spiele auch nicht dem Staub im Zimmer. Eine Abdeckung müsste also drüber, denn unsere großen Spieleabende kommen nur so einmal im Monat zustande.

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  7. Sascha 36

    Ich bin überhaupt kein Freund mehr von Unmengen an Spielmaterial, Karten etc genau der Grund warum ich immer weniger große Spiele Solo spiele.
    Alles was längeren Aufbau benötigt als 15 Minuten ist raus, Eurospiele passen da noch gut rein, Eldritch oder Arkham Horror wurden aufgrund dessen verkauft.
    Arctic Scavengers, Star Realms, Agricola, Freitag sind Solo fix aufgebaut, ab und an hilft aber auch etwas Vorbereitung.
    Als ich mit Brettspielen anfing war ich auch noch fasziniert von der Masse an Msterial, mittlerweile hat sich das erschöpft und ich finde weniger Material ist oft mehr.
    In den Ferien Bau ich auch mal ein Robinson Crusoe auf mit der Beagle zusammen, aber an normalen Tagen ist mir das Zuviel.

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  8. Achim

    Grundsätzlich empfinde ich auch Spaß und Vorfreude beim Aufbau. Eclipse und Arkham Horror sind im Vergleich zu anderen Spielen noch flott aufgebaut. Civilization, Magic Realm, Age of Empires, Mage Knight krachen richtig rein.
    Um diese Spiele in den Griff zu kriegen, habe ich die Schachtelinlays entsorgt und durch alternative Lösungen ersetzt. Das reicht von kommerziellen Sortiereinsätzen zu selbstgefalteten. Auch die Geschenkdose MonCherie ist nach dem Konsumieren des Inhalts perfekt geeignet. Wenn die Schachteln für Karten dann noch ordentlich beschriftet werden, macht auch das Aufräumen Spaß.

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  9. Weiti

    Wo Eclipse angesprochen wurde: ich habe die Schiffsbauteile in einer Baumarkt-Schrauben-Box in der sie auch zum spielen bleiben und je Spieler ein Tütchen. Die ganzen Marker stellt jeder selber auf. Zeit mit erfahrenen Spielern 10-15 min. Echt ok. Viel schlimmer als die Zeit ist der Platzbedarf. Wo ich mit vier Spielern einen riesigen, ausgezogenen Esstisch brauche muss ich bei sechs Spielern schon einen zweiten Tisch haben, Da ist in vielen Studentenbuden kein Platz für.

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  10. Paul

    Wie bereits erwähnt, ist die Menge des Materials nicht ausschlaggebend.
    Bei einem Eclipse- oder Arkham-Horror-Tag mit 6 Spielern sortiert jeder mit. Viele Hände – schnelles Ende. Gerade die Spiele mit entsprechendem Material verbreiten doch gerade Atmosphäre. Sie kommen vielleicht nicht so häufig auf den Tisch, wie die „simplen“ Spiele, bleiben jedoch auch länger in Erinnerung…

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