Kolumnen

Kolumne: Spiel-Themen die gar nicht gehen

Ich bin ja ein riesiger Fan von sehr thematischen Spielen. Wenn ein Thema gut umgesetzt ist und glaubwürdig rüber gebracht wird kann ich mich oft dafür begeistern. Positive Beispiele sind Arkham Horror, Der Eiserne Thron und Civilization (ja alle drei von Fantasy Flight Games, die habens einfach drauf). Doch was ist mit Themen, die für mich bei Spielen gar nicht gehen?

Anstoß des Themas

Zu der Idee dieser Kolumne kam ich durch das SpieLama-Forum. Dort diskutieren wir User gerade über genau diese Thematik (Link zum Beitrag). Nun beschäftige ich mich etwas ausführlicher mit der Thematik über die Thematik von spielen.

Pauschalisierungen – Eher nicht!

Ich denke bei der Frage nach der Thematik eines Brettspiels kann man auf jeden Fall nicht pauschalisieren, weswegen im Grunde der Einzelfall bewertet werden muss. Denn neben dem Thema eines Spiels kommt es auf die Persepektive und die Umsetzung an. Jedes Thema kann man schließlich von unterschiedlichen Seiten betrachten. Besonders im Kontext von historischen Themen ist das eine wichtige Sache, denn gerade da gibt es immer zwei Seiten der Medaille.

Themen die gar nicht gehen

Welche Themen gehen nun also gar nicht? Ich hab mir mal ein paar Gedanken gemacht und habe ein paar Themen gefunden, unabhängig von ihrer Umsetzung, die ich nicht als Spiel haben wollen würde.

Historisch: Nazis jagen Juden

Nazis die Juden jagen, ganz eindeutig ein Thema das abhängig vom Betrachtungswinkel ist. Solange es aber in einem Spiel darum gehen sollte, als Nazi im zweiten Weltkrieg jüdische Bevölkerung zu jagen, zu töten oder zu deportieren – was auf töten hinaus läuft. Wöllte ich es nicht als Spiel haben. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob solch ein Spiel in Deutschland erscheinen dürfte, schließlich ist die Grenze zum Straftatbestand der Volksverhetzung extrem schmal.

Anderer Blickwinkel

Von der anderen Seite aus, also als Jude vor Nazis fliehen, könnte ich mir durchaus ein spannendes und historisch lehrreiches „Spiel“ vorstellen. Meiner Meinung nach erfüllen Spiele deutlich mehr Zwecke als nur zu unterhalten. Ein Spiel kann auf eine ganz wunderbare aktive Weise einen Teil zur Bildung und Begeisterung für ein Thema beitragen. Wobei Begeisterung hier natürlich als generelles Interesse an der schwierigen Thematik zu verstehen ist.

Sind CoSims im 2. Weltkrieg dann ok?

Für alle die es nicht wissen, CoSims sind Konflikt Simulationen (engl. Conflict Simulations), meistens in Form von taktischen und strategischen Kriegsspielen. Ein bekannter Vertreter ist die Axis&Allies Reihe. Streng genommen müsste man hier nein sagen, zumindest so lange Nazi-Deutschland eine Rolle spielt. Denn natürlich wurden nicht nur die Juden gejagt, sondern der zweite Weltkrieg war besonders von der deutschen Seite aus erbarmungslos. Allerdings sehe ich die Sache hier ein bisschen unproblematischer. Man spielt bei den meisten Spielen nur ein Land in einer bestimmten Epoche. Es ist nicht an die Ideologie gekoppelt so wie es eben der Holocaust ist. Ein Land erobert ein anderes auf der politischen Karte des 20. Jahrhunderts. Die ganze Sache ist also abstrakter und nicht an menschenverachtende Vorstellungen geknüpft.

Trotzdem frage ich mich oft: Muss man sowas nachspielen? Was reizt an der Thematik realer Krieg und besonders am zweiten Weltkrieg? Ich selbst liebe Geschichte als Wissenschaft. Quellen lesen, analysieren und Zusammenhänge und Ereignisse rekonstruieren bereitet mir große Freude, besonders die Zeit der Weltkriege gehört zu meinen Steckenpferden, insofern kann ich daraus mein Interesse für das Setting des zweiten Weltkriegs ableiten. Ich finde es aber wichtig, dass man sich selbst solche Fragen stellt und damit das eigene Verhalten und die eigenen Vorlieben reflektiert.

Sklavenhandel ja oder nein?

Ein weiteres Beispiel welches mir einfällt ist das neue Brettspiel Five Tribes. Bei diesem Spiel wird von einigen Spielern der Umgang mit der Thematik der Sklaverei kritisiert. Für mich persönlich ist in solch einem Fall wichtig, dass es historisch richtig begründet wird oder das es eine Fantasy-Welt und somit der direkte Bezug zum Menschen fehlt.

Es ist nun Mal auch so, dass es Sklaverei gab und noch immer gibt, das ist nicht wegzureden. Wobei man meistens das Thema Sklaverei umgehen könnte. Archipelago hat dies sehr schön gelöst. Hier kolonialisiert man ein Archipel – wie bekannt ging das selten friedlich von statten. Die Ur-Einwohner benötigt man als Arbeitskräfte, aber anstatt von Sklaven und Sklavenaufständen zu sprechen – welches historisch deutlich korrekter wäre – sind es Arbeiter welche eingestellt werden und unzufrieden sind wenn sie keine Arbeit haben. Die ganze Thematik wird damit wesentlich freundlicher. Zu kritisieren habe ich an diesem Punkt nur, dass bei Archipelago die Aufständischen durch einen schwarzen Meeple dargestellt werden, dies ruft bei uns sofort die Konotation zu schwarzen Sklavenaufständen hervor, das hätte nicht sein müssen, wenn man die Thematik eh schon umgeht.

Dies bringt mich zum nächsten Punkt, diskriminierendes Spielmaterial

Diskriminierendes Spielmaterial

Nicht nur ein Thema kann diskriminieren und damit unpassend sein, sondern auch das Spielmaterial. Ein Beispiel nannte ich bereits mit Archipelago, wo die Aufständischen Ur-Einwohner mit einem schwarzen Meeple dargstellt werden und damit die Verknüpfung zu schwarzen Sklavenaufständen gemacht wird. Und so ist es oft, Schwarz wird als die Farbe der Aufständischen, der Arbeitskräfte oder der Bösen verwendet. Muss das wirklich sein? Es gibt weit mehr Farben als nur Schwarz die keine Verbindung zur afroamerikanischen Geschichte herstellen. Viele werden mir nun Vorwerfen ich sei kleinkariert – vielleicht bin ich das auch – doch oft wäre es so leicht zu umgehen gewesen, dass man sich fragen muss, wieso sich für diese Farbe entschieden wurde. Es gibt nun einmal Farben, die im historischen und politischen Kontext eine Bedeutung haben und wenn ein Spiel sich mit seinem Thema in einen politischen oder historischen Kontext stellt, muss so etwas bedacht werden.

Diskriminierende Thematiken

Ein Brettspiel das diskriminiert? Ja sicherlich vorstellbar und meinerseits unerwünscht. Schwierig finde ich es bereits bei dem relativ bekannten Minderheiten-Quartett. Hierbei bekommt so gut wie jede Minderheit mit zynischen Kommentaren über sie ihr Fett weg. Das ist aber genau das, was es noch im Rahmen hält es ist Satire und lässt quasi keine Minderheit aus. Ein Spiel welches aber nur auf körperlich oder geistig eingeschränkten Menschen rumhackt, wäre für mich nicht mehr tolerierbar. Ich spreche hier ganz bewusst von Toleranz, denn so lange so etwas toleriert wird, ist es gesellschaftsfähig.

Wichtig ist also für mich, dass eine Thematik nicht darauf abzielt sich über Personen und Personengruppen, welche nichts für ihr Schicksal können, lustig zu machen.

Fazit

Wie bei jeder Thematik welche von moralischen Entscheidungen abhängig ist, ist es extrem Schwierig nicht in Doppelmoral zu verfallen. Besonders schwierig wird es, wenn man Satire zulässt. Denn was nun Satire ist und was nicht, ist nicht klar definierbar. Wo hört Satire auf und wo fängt böswillige Beleidigung an?

Ich wollte mit diesem Beitrag hauptsächlich Anregen über die eigenen Vorlieben an Thematiken nachzudenken. Ich möchte keinem etwas vorschreiben und ehrlich gesagt denke ich beim Kauf eines Spiels nicht wirklich darüber nach ob es andere diskriminieren könnte – sofern dies nicht schon auf der Hand liegt.

Alexander

Hallo,
ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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