Kolumnen

Rückblick 2018 – Ausblick 2019

Ein Blick zurück und nach vorn in die Kristallkugel

Wow. Ist wirklich schon wieder ein Jahr vorbei? Das ging verdammt schnell. Aber ist es nicht jedes Jahr so? Natürlich. Im Rückblick ist alles schnell vergangen, vieles wurde vergessen, manches wird aufgebauscht, anderes verdrängt. Doch wie war mein 2018? Wie ihr mittlerweile sicher wisst, ist das nicht nur ein reiner Rückblick auf BGJ, sondern auch auf mich als Rezensent, als Spieler und als Person.

Die DSGVO

2018 war das Jahr der DSGVO Einführung. Wumms hat’s gemacht. Oder besser: Man dachte es macht Wumms. Nüchtern betrachtet sind es ein paar Regeln mehr die man einhalten muss und eine Menge Unsicherheit, die im Alltag einfach ausgeblendet wird. Business as usual quasi. Im Rahmen der DSGVO hatte ich unser Statistik-Programm Piwik (jetzt Matomo) abgeschaltet. Dieses läuft seit Oktober 2018 wieder. Wer also verhindern möchte, dass er getrackt wird, schaut in die Datenschutzerklärung. Der Dezember 2018 war der besucherstärkste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Dafür schon Mal ein Danke!

Die Freude am Hobby

Im Laufe dieses Jahres hatten das Hobby „Rezensieren“ und ich so unsere Meinungsverschiedenheiten. Wer mich verfolgt oder kennt weiß, ich kann meine Klappe nicht halten und bin dabei meistens noch ziemlich direkt, im Internet sogar durchaus etwas forsch und schroff. Da stehe ich auch zu. Ich bin niemand, der anderen „Honig ums Maul schmiert“. Diese Einstellung, diese Art zu Sein und sich zu artikulieren, bringt aber auch so seine Probleme mit sich. Mehrheitlich Probleme mit sich selbst. Ich ecke an. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Jedes anecken ist mit einer Reaktion auf mich verbunden. Die kann ehrlich und kritisch sein, die kann abfällig sein, die kann ablehnend sein. Wie das halt im Leben so ist und wie ich eben auch bin. Ich persönlich habe aber ein relativ großes Problem mit Ablehnung. Kurz gesagt: Ich lehne gerne ab, werde aber nicht gerne abgelehnt. Ich würde mir also gern den „Easy Mode“ fürs Leben wünschen. Gibt’s nicht. Weiß ich. Muss ich also mit Leben oder mich selbst verändern. Ich habe mich für eine Mischung aus beidem entschieden. Der Stein des Anstoßes war mein temporäres Aufhören mit dem Hobby. War das überhaupt 2018? Ich glaube schon. Vielleicht war es auch 2017. Aber auch 2018 habe ich mehrmals darüber nachgedacht. Negative Kommunikation nach außen, das Ärgern über andere und damit verbunden dann das Ärgern über mich selbst, hat mir den Spaß an der Sache genommen.

Ich kann und will aber nicht aufhören. Ich kann sowieso meine Klappe nicht halten und es macht mir mit den Menschen, die BGJ mittlerweile ausmachen, viel zu viel Spaß. Ich hab euch alle gern und ich bin unfassbar froh, dass ihr dabei seid! Ende 2017 seid ihr dazu gekommen – Michi, Gunnar, Thorsten – und 2018 hat sich gezeigt, dass dies eine sehr gute Entscheidung war. Unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Geschmäckern und Texten bereichern Boardgamejunkies.de und zeigen die Vielfalt dieses Hobbys. Ich danke euch. Aber natürlich nicht nur euch. Ich hab da noch eine Dienstälteste – „meine“ Ines. Ihr könnt mir glauben, ich gehe Ines so häufig auf die Nerven, dass ich mich manchmal selbst frage, wieso sie noch dabei ist. Ich vermute aus ähnlichen Motiven wie ich selbst. Ines ist eine Institution. Sie schreibt wenig, aber wenn sie was schreibt, dann sind das Hammer. Dann sind das meiner Meinung nach mit die besten Texte und Analysen die der Vielspieler-Obernerd-Bereich unseres Hobbys zu bieten hat. Und sie ist die krasseste Vielspielerin die ich kenne. Ines, ich bin froh, dass du nun schon so lange dabei bist.

Doch nicht genug mit einer Ines, es gibt bei uns ja schließlich zwei davon. Oder gab? Ich weiß es nicht. Ines2, besser bekannt als BGBandit, ist wie ein erfolgreicher Gunslinger im Wilden Westen, Mal da, Mal nicht da, aber wenn sie da ist, dann bleibt das nicht unbemerkt. Liebe Ines, ich möchte dass du weißt, dass die Tür bei BGJ immer für dich offen steht. Komm herein, trink was und lass einen Text da. Ich bin froh, dich über dieses Hobby kennengelernt zu haben.

Ich mach also weiter, obwohl ich mir phasenweise selbst die Freude daran verdorben habe. Ich möchte das hier nutzen um den Weg der Veränderung weiter zu gehen: Ich entschuldige mich bei all denen, denen ich auf den Schlipps getreten bin, ob gerechtfertigt oder nicht. Ob die Sache richtig war oder nicht. Es geht um meine Art und Weise. Meine Form mich auszudrücken und die war in der digitalen Form vielfach nicht in Ordnung. Zu hart, zu schroff. Es fehlen eben Mimik, Gestik und der persönliche Bezug. Das muss ich lernen und ich denke ich bin auf einem ganz guten Weg. Kein Mensch ist perfekt und ich ganz sicher nicht.

Rezensionen und Gedanken darüber

47 Rezensionen in einem Jahr. Klingt gar nicht so viel, ich bin aber verdammt stolz drauf. Damit meine ich nicht von mir alleine, sondern vom ganzen Team. Die Devise ist klar: Wir alle wollen mehr Qualität. Qualität kostet aber Zeit. Umso froher bin ich, ein Team zu haben, wodurch sich die Last verteilt.

Mein persönliches Highlight ist meine Rezension zu Star Trek Ascendancy. Da steckt ne Menge Arbeit drinn auch wenn sie sicherlich nicht taugt um Mal schnell Infos rauszuziehen, geht sie sehr in die Tiefe. Auch die Rezension zu Hannibal und Hamilcar von Gunnar feier ich persönlich sehr – ebenso wie das Spiel.

Die Qualität von Rezensionen ist immer ein Thema. Besonders wurde es noch Mal durch einen Beitrag von Synes Ernst hervorgehoben. Ich hab nach 5 Jahren immer noch das Gefühl, meinen Stil nicht gefunden zu haben. Nicht zu wissen, wie ich so eine Rezension schreibe. Jede Rezension ist ein neues Abenteuer. Mit der Rezension zu Race for the Galaxy habe ich aber meiner Meinung nach etwas qualitativ hochwertiges abgeliefert, welche besonders das Spiel in seinen Kontext einordnet. Möchte man sowas lesen? Ich ja. Mein Gefühl und meine Beobachtung sagt mir aber: Die Masse möchte ein zujubeln. Ein hinwerfen von Hypes und ersten Infos. Tiefe und Analyse ist da eher selten gefragt. Die Masse an Ersteindrücken – an der sich mittlerweile ja auch Jury Mitglieder des Spiel des Jahres fleißig beteiligen – ist überwältigend. Aber was sagen uns Ersteindrücke? Doch fast(!) nichts. Ein großes Beispiel 2018 war für mich Adventure Island von Pegasus Spiele. Meines Eindrucks nach hat das erste Video von Brettspielblog (Benjamin Törck) einen mächtigen Hype um das Spiel ausgelost. „Das einfachere Robinson Crusoe“, „Für mich besser als Robinson Crusoe“ waren Worte, die die Erwartungshaltung ordentlich in die Höhe geschraubt haben. Und dann kam der Fall. Diesen Fall hat auch Benjamin Törck keinesfalls verheimlicht und das Spiel korrekt kritisert – versteht mich nicht falsch, meine Kritik soll nicht dahin gehen. Doch der „Schaden“ war bereits entstanden. Pegasus freute sich über eine ausverkaufte Auflage auf der Spiel. Die folgenden Rezensionen und Beiträge auf Facebook sprachen nachfolgend eine andere Sprache. Enttäuschte Gesichter, enttäuschte Spieler. Ich stelle mir die Frage, ob das anders gekommen wäre, wenn es ganz normal Rezensionen nach der Messe gegeben hätte.

Auf Boardgamejunkies gibt es quasi keine Ersteindrücke mehr. Die „Angespielt“ Kategorie verstaubt. Ein Beispiel dafür, wie wir uns immer wieder verändern. Stillstand ist bei uns wirklich nicht. Und auch ich habe bei SpieLama aktuell wieder Abstand von einem „zuletzt gespielt“ genommen, was im Grunde ja jedes Mal eine Menge Ersteindrücke beinhaltet.

Spielerisch

Was hat mit 2018 spielerisch gebracht? Oh eine Menge – definitiv. Aber auch eine Menge Durchschnitt. Ich muss sagen: Ich habe kein Interesse mehr an durchschnittlichen Spielen. Bei über 250 Spielen im Regal, die mittlerweile gut selektiert worden sind, fallen mir beim Spielen von durchschnittlichen Spielen meist sofort Spiele im Regal ein, die ich lieber spielen würde inklusive genug Variation was Spielzeit und Spieleranzahl angeht. Was suche ich also und warum rezensiere ich noch? Ich suche sie, die Schätze. Die Spiele, die eine Sammlung wirklich bereichern. Mir wurde 2018 durchaus Mal nachgesagt ich sei zu kritisch oder ich hätte den Spaß am spielen verloren. Gerade was den Spaß angeht, mag ich das zwischenzeitlich gar nicht verneinen. Das Leben ist ein Auf und Ab und da gab es sicher Phasen, wo andere Dinge viel wichtiger waren als Spielen. Und zu kritisch sein – geht das? Hab ich mich da gefragt. Ja natürlich, das geht. Wer die Eierlegende Wollmilchsau sucht, wird sie nur selten finden. Doch darum geht es mir nicht. Mir geht es um Spiele, die etwas anders machen. Die einen besonderen Kniff haben und dabei redaktionell gut bearbeitet worden sind. Denn ja, das gebe ich zu: Ich kann es gar nicht leiden, wenn der Spielspaß unter redaktionellen Fehlern leidet. Mein Steckenpferd, meine Macke. Was nun redaktionell gut oder schlecht ist, darüber lässt sich jedes Mal auch gerne vortrefflich streiten.

Was hat mich spielerisch beeindruckt? Allen voran Brass! Ich hab ein trockenes Euro erwartet und eigentlich genau das bekommen. Doch es ist genial. Könnt ich hoch und runter spielen! Ein weiteres Euro Highlight war ebenfalls eine Neuauflage eines alten Spiels: Endaevor: Age of Sail in der KS Edition. Das alte Magister Navis. Herrlich!

Ein weiteres Highlight war definitiv Star Trek Ascendancy, sonst hätt ich da auch nicht so eine große Liebeserklärung drüber geschrieben. 4X mit 3 Spielern. Genial. Ich finde die meisten 4X Spiele funktionieren auch erst ab 4 Spielern – z. B. leidet Twilight Imperium deutlich mehr an dem Kingmaker Problem zu dritt, als ein Star Trek. Twilight Imperium in der vierten Edition ist ebenso ein Highlight. Es ist für mich an den richtigen Stellen entschlackt und endlich auf deutsch verfügbar – ein Traum!

Weiter geht es bei den Krimi Spielen. Erst sehr gefreut über Mythos Tales, hat es doch ein paar Mängel (Rezi folgt), entschädigt wurden wir dann durch das geniale Detective von Portal Games und Chronicles of Crime von Lucky Duck Games und Corax Spiele.

Auch im Wargame Bereich gab es neues. Wie angesprochen Hannibal und Hamilcar – ebenso eine Neuauflage eines alten Spiels – ist das etwa das Jahr der Neuauflagen? – und dann hab ich mich endlich an die COIN Serie von GMT gewagt. Gleich mit dem Brocken Liberty or Death. Erscheint mir aktuell noch zu heftig, aber hey, nur nicht vor Herausforderungen zurückscheuen.

Das Arkham Horror LCG wird weiterhin mehr gekauft als gespielt und ist trotzdem ein Dauerbrenner. Eldritch Horror ist endlich beendet und nun ein grandioses Story, auch wenn die letzte Erweiterung eher Mau ist, für das was sie versprochen hat…

Ach, zwei kleinere Spiele die ich fast vergessen hätte: Shards of Infinity als grandioser Deckbuilder und Der Eiserne Vorhang als tolles Micro-Wargame. Grandiose Spiele!

Ein weiterer großer Teil meiner Spielerkarriere ist das Pen&Paper Rollenspiel. Aus Zeitmangel haben wir mit Game of Thrones aufgehört. Rückblickend hat das System auch tatsächlich einige Mängel hat. Wir haben dann Symbaroum gespielt und hatten damit auch einiges an Spaß. Ein schönes, aber auch in seinen Möglichkeiten recht beschränktes System. Der Weg ging aktuell weiter zum Star Wars System von Fantasy Flight Games worauf wir uns sehr freuen!

Blick in die Kristallkugel – Was kommt 2019?

2019 wird natürlich alles besser. Muss man ja so sagen. Aber ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich bin verdammt froh ein Team bei BGJ zu haben. Denn für mich persönlich wird 2019 sehr spannend. Ich bin seit kurzem Selbstständig und es können sich sicher einige vorstellen, was Selbstständig in Gründung bedeutet. Und nein, keine Sorge, ich mache keinen Spieleverlag, keine Redakteurs oder Marketing Agentur. Ich bleib in meiner pädagogischen Ecke ;).

Trotzdem sind neue Projekte in Planung. Bei SpieLama wird es definitiv mit Sebastian und mir weiter gehen. Ich mag Videos einfach und wir haben auch noch das ein oder andere vor mit SpieLama! Zusätzlich ist ein neues Format abseits von Boardgamejunkies in Planung. Lasst euch überraschen. Ich kann noch nicht zu viel verraten, da es noch auf sehr wackeligen Beinen steht, aber wenn wir es umgesetzt kriegen, wird es hoffentlich großartig.

Ansonsten gehen wir auf BGJ weiterhin unseren Weg. Probieren aus auf was wir Lust haben. Die einzige Konstante bleiben die kritischen Rezensionen.

Ich freue mich auf 2019 mit euch!

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Alexander

Hallo, ich bin der Alex, 1991 geboren und habe Boardgamejunkies ins Leben gerufen. Seit gut 5 Jahren liebe ich Gesellschaftsspiele und alles was damit zu tun hat und fröne dieser Leidenschaft hier. Mein Ziel? Gute Spiele spielen und besprechen und die Szene beleben und unterstützen.

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